1 von 5


Lernen, proben, lernen, proben: Jörg Schneider bereitet sich im Probelokal auf der Halbinsel Werd auf «Häppi Änd» vor.




Jörg Schneider: «Die Lehre war ein Glücksfall»

Der Schauspieler Jörg Schneider geht mit «Häppi Änd» auf Abschiedstournee. Er blickt zurück auf die Anfänge seiner erfolgreichen Karriere und nach vorn auf seine Zeit danach.

Coopzeitung: Welches ist Ihr Lieblings-Film-Happyend? 
Jörg Schneider:  Das Ende von «Cinema Paradiso». Da schaut der zum Filmregisseur aufgestiegene Salvatore am Ende den Film an, den der verstorbene Filmvorführer Alfredo aus all den Kusssequenzen montiert hat, die in seiner Jugend von der Zensur herausgeschnitten worden sind. Das ist umwerfend schön. 

Hat ein Film Ihren Wunsch geweckt, Schauspieler zu werden?
Nein, das war einfach in mir drin. Ich hatte schon als Kind nichts anderes im Kopf als die Schauspielerei, obwohl sie gar nicht in unserer sehr bürgerlichen Familie lag. Im Trockenraum unseres kleinen Einfamilienhauses habe ich für meine Kameraden «theäterlet». Da meinte eine Bekannte meiner Mutter: «Wenn der kleine Jörgli so gerne Theater spielt, soll er doch wie unsere Tochter ins Kinderballett des Zürcher Stadttheaters!» 

Und das entsprach Ihnen damals?
Meine Eltern hatten wohl gehofft, dass mir die Lust ob der vielen Proben rasch vergehen würde – da habe ich jedoch erst richtig Blut geleckt! Und als ich 1947 die Gelegenheit bekam, in «Der fidele Bauer» im heutigen Opernhaus den Heinerle zu spielen, packte mich der Virus endgültig.

Wie reagierten Ihre Eltern?
Meine Mutter war so Feuer und Flamme, dass es fast unangenehm war. Sie hielt mich für den besten Schauspieler aller Zeiten! Mein Vater fand die Schauspielerei nicht ganz seriös und auch keine Existenzgrundlage. Er zwang mich, eine Lehre zu machen. Das hat mir nicht geschadet, erwies sich sogar als Glücksfall. 

«

Meine Mutter hielt mich für den besten Schauspieler aller Zeiten.»

Weshalb denn?
Mein Lehrmeister verstand sofort, dass ich Schauspieler werden wollte. Er ermutigte mich, die Lehre abzuschliessen und bot mir dann eine Halbtagsstelle an, damit ich am Morgen Geld verdienen konnte, um den Schauspielunterricht am Nachmittag bezahlen zu können. 

Weshalb gehen Sie nun auf Abschiedstournee?
Einerseits brauche ich mehr Zeit für meine Frau, seitdem sie querschnittgelähmt ist. Andererseits bin ich selber nicht mehr ganz gesund. Und ich habe mir geschworen, nicht auf der Bühne zu stehen, bis die Leute fragen: «Weshalb tut er sich das noch an?».

Warum haben Sie sich für «Häppi Änd» als Abschiedsstück entschieden?
Ich habe mit viel Erfolg und Vergnügen Dutzende von Schwänken gespielt. Aber mit zunehmendem Alter will und kann man einfach nicht mehr den Kasper spielen, sondern will die Menschen mit etwas zum Lachen bringen, das einen gewissen Tiefgang hat. 

Und das hat «Häppi Änd»?
Ja, das Stück handelt von einem echten Problem, einem Mann, der sein Kino und seinen Lebenswillen verliert. Doch wenn ihm seine Spitexpflegerin, seine Nachbarin und sein Sohn gegen seinen Willen zu helfen versuchen, bietet das sehr viel humoristischen Stoff.

Mehr als Ihr vorhergehendes Stück «Letschti Liebi»?
Ja, ich möchte einen heiteren Abschluss, obwohl ich sagen darf, dass ich noch nie so viele positive Reaktionen bekommen habe wie auf das melancholische «Letschti Liebi». Vorwiegend ältere Leute schrieben mir berührende Briefe.

Wie haben Sie Ihre grosse Liebe kennengelernt?
Bei meinem ersten Engagement als Berufsschauspieler 1958 sah ich mir an einem freien Abend ein Theaterstück an. Romy jobbte dort als Platzanweiserin. Als sie zu mir sagte: «Aber sonst spielen Sie doch selber mit!?», war ich hin und weg – ich erinnere mich nicht einmal mehr an die Vorstellung. Ich sehnte nur noch das Ende herbei, damit ich mich mit diesem hübschen Fräulein unterhalten konnte! 

«

Im Alter will und kann man einfach nicht mehr den Kasper spielen.»

Teilt Ihre Frau Ihre Begeisterung fürs Theater?
Am Anfang war sie diesbezüglich unbefleckt und zeigte auch kein überdurchschnittliches Interesse. Ich habe ihr in dem Stück, das wir dort spielten, nur wegen eines Satzes gefallen, den sie heute noch auswendig kann: «Soll ich ins Wasser oder nicht? Hätte ich doch früher schwimmen gelernt!». Das sagte ich, als ich mit einem Schwimmring auf die Bühne trat. Romy ist eine sehr gute Beobachterin und kritisiert mich aus der Publikumsperspektive. Das schätze ich, obwohl wir dadurch manchmal Reibereien haben!

Was werden Sie unternehmen, wenn Sie nicht mehr auf Tournee gehen? 
Das habe ich mir noch nie überlegt. Langweilig wird mir sicher nicht. Die grösste Gefahr besteht darin, dass ich trotzdem jeden Abend ins Theater gehe – als Zuschauer! 

Wissen Sie schon, wie Sie am 7. Februar Ihren 79. Geburtstag feiern werden?
Nein, wieso?

Sie werden mit «Häppi Änd» in Magden im Aargau auf der Bühne stehen!
Für den Tourneeplan ist mein Partner Jörg Schürch zuständig! Ich schaue erst am Morgen des Auftritts nach, wohin wir in unserem kleinen Tourneebus fahren. 

Jörg Schneider

Beruf: Schauspieler/ Theaterunternehmer 
Geburtsdatum: 7. Februar 1935 in Zürich
Wohnort: Wetzikon ZH 
Zivilstand: seit 1963 verheiratet mit Romy (76), ihr Sohn starb 2010 mit 46 Jahren an Herzversagen
Laufbahn: Kaufmännische Lehre, Ausbildung zum Schauspieler, 1963 Durchbruch mit der TV-Serie «Polizist Wäckerli», Erfolge mit Schwänken auf Theatertourneen und Kasperli-Platten. Rollen in «Warte uf de Godot», «Motel», «Happy New Year» und «Letschti Liebi».
Aktuell: Ab 28. Dezember Tournee mit der Komödie «Häppi Änd» mit Daniel Bill, Angelika Binz und Irène Fritschi. Termine:

Link: www.joergschneider.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Gabriel Garcia Màrquez "Zwölf Geschichten aus der Fremde"

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Gibt es nicht

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Keine

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Achtung fertig WK

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Cinéma Paradiso

Ihr Lieblings-Filmheld?
Gibt es nicht

Was für Musik hören Sie gerade?
Beethoven Klavierkonzert No.3

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Alle Symphonien von Schubert

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Udo Jürgens

Was kochen Sie selbst?
Vieles

Ihr Lieblingsgetränk?
Apfelschorle

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meiner Frau

Und wo essen Sie am liebsten?
Daheim oder sehr gutes Restaurant

Mac oder PC?
PC

Auto oder Zug?
Auto

Wein oder Bier?
Wein

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Keins von beiden

Berge oder Meer?
Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?
bleibt mein Geheimnis

Wie bringt man Sie zum Lachen?
mit guten Pointen oder raffiniertem Slapstick

Wovon träumen Sie?
Albträume von misslungenen Auftritten auf der Bühne

Was ist für Sie das grösste Glück?
Die richtige Frau zu haben

Kommentare (4)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Freitag 13.12.2013, 08:30 Uhr

Mehr zum Thema:



Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?