Tanzt auf zweimal zwei Rädern: Jolanda Neff in ihrem Wohnort Thal SG mit Mountainbike (vorne) und Rennrad.

Jolanda Neff: «Aus Siegen lerne ich am meisten»

Auf dem Bike ist sie 2016 schon Europa- und Weltmeisterin geworden. Jetzt startet sie bei Olympia auch auf der Strasse.

Der blonde Haarschopf und die schiere Unschlagbarkeit sind ihre Markenzeichen: In Rio ist Jolanda Neff (23) aus Thal SG eine der grössten Schweizer Medaillenhoffnungen. Am Wochenende kommt es auf der Lenzerheide zur Olympia-Hauptprobe.

Ich habe immer gedacht, Velorennfahrerinnen hätten weiss ich nicht wie riesige Oberschenkel und Wädli. Davon sieht man bei Ihnen nichts – im Gegenteil …
… oh, ich hab schon Muskeln, aber nicht so dicke; Mountainbiken ist ein Ausdauersport. In der Leichtathletik sind Sprinter ja auch Kästen mit riesigen Oberschenkeln und Marathonläufer eher fein gebaut. Bei uns ist es wichtiger, leicht zu sein, um den Berg hinaufzukommen.

Darum wollen viele immer leichter werden.
Das wäre genau der falsche Weg. Wenn du beginnst, weniger zu essen, bist du vielleicht eine oder zwei Saisons schneller. Aber ab dem dritten Jahr gehts nur noch abwärts und du wirst bis an dein Lebensende nie mehr schnell.

«Gewinnen bereitet mir grossen Spass», sagten Sie einmal in einem Interview. Können Sie auch verlieren?
Nein. Siegen ist das, was mir am meisten Freude macht. Daraus zieh ich die Energie. Daraus lerne ich auch am meisten.

Und wenn Sie verlieren, sind Sie hässig?
Nein, das ist es nicht. Aber ich beschäftige mich auch im Kopf lieber mit dem Siegen als mit dem Verlieren.

Anhänger in Form einer Bremsscheibe von einer Bikekollegin aus Chile.

Anhänger in Form einer Bremsscheibe von einer Bikekollegin aus Chile.
Anhänger in Form einer Bremsscheibe von einer Bikekollegin aus Chile.

Gewinnen kann einem auch irgendwann verleiden und …
… nein, das glaube ich nicht.

Warum suchen Sie dann eine neue Herausforderung und fahren jetzt auch noch Strassenrennen?
Für mich ist es spannend, andere Aspekte des Velorennfahrens kennenzulernen. Da sind zum Teil ganz andere Qualitäten gefragt, vor allem taktisch. Ich fahre mega gern auf der Strasse, obwohl ich dort nicht immer gewinne und an der WM zum Beispiel nur 9. geworden bin – aber vielleicht kommt das ja noch.

Glauben Sie ernsthaft, Sie könnten Doppel-Olympiasiegerin auf dem Mountainbike und der Strasse werden?
Darüber mache ich mir keine Gedanken. Für mich ist das Hauptziel, in Rio gesund am Start zu stehen.
Ach was – das kann doch nicht Ihr Ziel als Weltcup-Gesamtsiegerin, Welt- und Europameisterin sein.
Doch, das ist es. Letztes Jahr war ich auch das ganze Jahr gut und an der WM krank. Und dann reicht es zu nichts. Die Gesundheit ist das alles Entscheidende.

Jetzt machen Sie auf Understatement. Ausgedeutscht heisst das: Wenn ich gesund am Start stehe, gewinne ich auch.
Das habe ich nicht gesagt. Ich sage: Gesund am Start sein, ist mein Ziel – und was dann kommt, werden wir sehen.

Ist Mountainbiken so gefährlich?
Es gibt sicher Biker, die noch nie Technik geübt haben. Dann sehen sie einen Sprung, überwinden sich und stürzen sich rein ins Abenteuer – so geht das natürlich nicht. Für mich hat Biken nie mit Überwindung zu tun, sondern mit Können. Wenn ich etwas nicht kann, mache ich es nicht. Und ich kann etwas erst, wenn ich es viele Male geübt habe. Technik eignet man sich über viele Jahre an. So, wie man einen Muskel trainiert, muss man auch das Gleichgewichtsorgan trainieren.

«Old School»–Agenda, gekauft bei der Rad-WM in Richmond.

«Old School»–Agenda, gekauft bei der Rad-WM in Richmond.
«Old School»–Agenda, gekauft bei der Rad-WM in Richmond.

Ihr Vater ist ja immer noch Ihr Trainer.
Ja, er hat ein enorm grosses Wissen, war früher selber Profi und hat x Ausbildungen, die ihn dazu befähigen.

Meinungsdifferenzen zwischen dem Sportler und dem Trainer sind eigentlich ganz normal. Ist das daheim in der Familie dann einfach wieder vergessen?
Wir reden viel miteinander, egal, wo wir sind. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis.

Obwohl er Ihr Trainer ist …
… nicht obwohl, weil! Dadurch verbindet uns sehr viel. Wir reden über sehr vieles – eigentlich alles. Wir haben ein sehr inniges Verhältnis. Mein Vater ist der wichtigste Baustein meines Erfolges.
 
Machen Sie gemeinsame Ausfahrten?
Wenn immer möglich. Er ist mein liebster Trainingspartner und ich trainiere sehr, sehr viel mit ihm, seit meinen Anfängen. Er fährt ja auch immer noch Rennen – sehr erfolgreich sogar.

Und wenn Sie gegen ihn, den 53-Jährigen, antreten – wer gewinnt?
Jetzt bin ich endlich schneller. Bis vor vier Jahren war es noch umgekehrt. Er ist immer noch extrem gut zwäg.

1999 Ihr erstes Velorennen endet in Rivera TI – wen wunderts? – mit ihrem ersten Sieg.
2008 Beginn der Kantonsschule, die sie vier Jahre später mit der Matur abschliesst.
2012 Welt-, Europa- und Schweizermeisterin bei den U23 und der Entschluss, Bike-Profi zu werden.

3 Tipps von Jolanda Neff zum richtigen Training

Jolanda Neff in der SRF Show Glanz&Gloria

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 04.07.2016, 00:00 Uhr

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