Junges Fernweh

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Schneider: Unsere ältere Tochter liebt es, in Gedanken zu verreisen. Mit 16 Jahren hat man viele Träume. So möchte sie zum Beispiel unbedingt nach Hawaii und dort Surfen lernen und schiebt als Begründung nach: «So kann ich dann gleich noch mein Englisch verbessern.» Obschon sie sehr überzeugt von ihren Reiseplänen erzählt, weiss ich, dass sie deswegen nicht gleich ernst macht.

Schreiber aber zuckt zusammen: «Dein Englisch ist doch super!»

«Mein Wortschatz könnte grösser sein.»

«Ach, das wird schon», meint Schreiber.

«Weiss nicht. Ein Mädchen aus unserer Klasse macht jetzt ein Auslandssemester in Irland», sagt unsere Tochter.

Schreiber seufzt: «Das ist sicher sehr teuer.»

«Zwölftausend oder so.»

Schreiber schnappt nach Luft: «12 000 Franken? Wahnsinn!»

«

Diese Erfahrung ist das Geld sicher wert.»

Jetzt schalte ich mich ein in den Mutter-Tochter-Disput: «Ein Auslandssemester ist auch eine Lebensschule.»

«Nein, das ist völlig verrückt!», japst Schreiber.

Unsere Tochter meint: «Dafür koste ich hier nichts, wenn ich weg bin.»

«Ja, aber doch keine 12 000 Franken», stöhnt Schreiber.

«Das ist diese Erfahrung aber bestimmt wert», sage ich. Und die so sparsame Schreiber ist auf einmal gar nicht mehr geizig – zumindest nicht mit bösen Blicken.

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Schreiber: Schneider ermuntert unsere Tochter geradezu, ein Auslandsjahr zu machen! Was soll sie so weit weg von daheim? Warum diese Eile? Als wir zwei Grossen wieder allein sind, sage ich zu Schneider: «Sie hat doch eine tolle Klasse, die würde sie verlieren.»

«Dafür gewinnt sie neue Freunde. Das geht ruckzuck.»

Hm, dann bringe ich eben mein Killerargument: «Es ist und bleibt zu teuer.»

Diesmal nickt Schneider: «Ja, ist schon eine Stange Geld.»

«Genau! Und du willst doch nicht im Ernst, dass sie ein halbes Jahr weg ist, oder?»

Wieder nickt er: «Als ich in ihrem Alter war, ist niemand ins Ausland. Alle erst nach der Matur.»

«Eben! Dann unterstütze sie nicht darin, jetzt schon gehen zu wollen!»

«Es sind ja vorläufig nur Träume. Aber wenn sie wirklich will, verbiete ich ihr das sicher nicht.»

«

Ich bleib dabei: Es ist zu teuer.»

Würde ich ja auch nicht tun. Aber Schneiders Zickzack-Taktik nervt trotzdem: «Ich finde es einfach zu früh! Basta!»

«Meine Liebe», sagt Schneider, «bist du nicht mit 17 für ein Jahr nach New York an die Schauspielschule?»

Mist! Er fixiert mich spöttisch.

«Erstens war ich schon 18 ...», erkläre ich, «... und zweitens: Du siehst ja, es hat nichts genützt: Ich kann weder gut Englisch noch wirklich schauspielern.»

Die Kolumnisten live mit ihrem neuen Programm «Mein Leben als Paar»: 31. März Unterkulm. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 20.03.2017, 11:00 Uhr

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