Gabriel PAlacios versetzt Gorana Schukrun in Hypnose – und schicht sie gedanklich an ihren Lieblingsort.

Jungtalent: Hypnotiseur Gabriel Palacios

Der Berner setzt sich seit klein auf mit der Macht des Unterbewussten auseinander – nach einer Reihe von Schicksalsschlägen.

Im Behandlungsraum hängt dieser Spruch: «Bitte vergiss nie – Du bist und bleibst zu jedem Zeitpunkt Deines Lebens die beste Version von Dir selbst.» Wir befinden uns in der Praxis von Gabriel Palacios, einem Kraftraum des positiven Denkens. Der Berner hat sich einen Namen gemacht als Hypnotiseur; gleich wird die nächste Sitzung beginnen. Er ist aber auch, wie er aufzählt, Paartherapeut, Präsident des von ihm selber gegründeten Verbandes Schweizer Hypnosetherapeuten, Unternehmensberater, Verleger, Bestseller-Autor.

Gabriel Palacios ist also ziemlich viel – umso erstaunlicher, dass er erst 27 Jahre alt ist. «Warum denn?», fragt er. «Weil man sich für eine solch verantwortungsvolle Tätigkeit wie das Hypnotisieren einen 60-Jährigen vorstellt, mit einem prall gefüllten Rucksack an Lebenserfahrung.» Palacios lässt den Einwand des Autors nicht gelten. «Ich fühle mich wie ein Spitzensportler, der es ja auch bereits in diesem Alter zu grosser Meisterschaft bringen kann.» Er setze sich von morgens bis spät abends mit seiner Leidenschaft auseinander. «Und das nicht erst seit gestern.» Sondern bereits seit zwei Jahrzehnten. Schicksalsschläge brachten ihn auf diesen Weg.

Als Kind, so erzählt er, fiel er mehrmals pro Tag in Ohnmacht, ohne dass die Ärzte eine Erklärung dafür fanden. Der Körper verkrampfte sich, das Atmen setzte aus. Früh lernte Palacios, sich mit sich selber auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um sich zwischen den Anfällen zu entspannen. Als er fünf war, nahm sich sein Vater das Leben. «Sein Suizid hat mich so sehr geprägt, dass mein Interesse am nicht Greifbaren unermesslich gross wurde», schreibt Palacios in seinem neusten Buch «Verarsch mich nicht», in dem es ums Gedankenlesen in Beziehungen geht.

«Dein Freund lügt»

Palacios las bereits als Teenager Fachbücher über grenzwissenschaftliche Themen. Als Zauberkünstler lernte er, sich in sein Gegenüber zu versetzen, «weil die Tricks sonst nicht funktionieren». Er beschäftigte sich mit Mentalismus, dem Gedankenlesen, und geriet deswegen mit seiner älteren Schwester aneinander, weil er ihr sagte: «Du, pass lieber auf! Dein Freund erzählt nicht die Wahrheit.» Und er begann zu hypnotisieren. Bekannte und Verwandte kamen zu ihm, um sich die Flugangst nehmen zu lassen. Die Kollegin seines Bruders behandelte er erfolgreich gegen Schlangenphobie.

So war Palacios’ Weg vorbestimmt. Er gründete ein eigenes Geschäft, die Palacios Relations. Und liess sich zum Eidgenössischen Marketingfachmann ausbilden. Was uns sofort auf diesen Gedanken bringt: Ist das, was Gabriel Palacios macht, nicht einfach gutes Marketing? «Sein neuartiges Geschäftsmodell verspricht Unternehmen mentalen Vorsprung», heisst es beispielsweise auf der Homepage. Palacios lacht: «Es steckt schon mehr dahinter.» Er ist sich bewusst, dass nicht alle an Hypnose und die Macht des Unterbewussten glauben. Ihnen entgegnet er: «Es gibt auch Menschen, die selbst gegenüber Ärzten skeptisch sind.» Es ist nicht sein Ziel, alle von seiner Sache zu überzeugen. «Das würde zu viel Energie rauben.»

Die braucht er lieber für Menschen, die sich auf seine Behandlung einlassen wollen oder zumindest neugierig sind auf das, was in einer Sitzung geschieht. So wie Gorana Schukrun. Die 36-Jährige studiert Psychologie und arbeitet bei Coop (purer Zufall!) als Verkäuferin für Käse. Sie hat sich auf einen Aufruf Palacios’ gemeldet, der am Beispiel zeigen will, wie eine Hypnosesitzung abläuft. Schukrun ist alleinerziehende Mutter dreier Kinder, wovon eines mit Downsyndrom. Sie hat also ihr Päckchen zu tragen und wünscht sich mehr Unbeschwertheit. Sie ist gespannt, ob Hypnose bei ihr funktioniert: «Ich habe gerne die Kontrolle über mich selbst.»

Die verliert sie innert weniger Augenblicke. Palacios schickt sie während der Hypnose gedanklich in ihr Bett, ihren Lieblingsort. Und fragt sie nach der Farbe, die ein gutes Gefühl auslöst, wie auch nach einem Ereignis in der Vergangenheit, das besonders schön war. «Ich habe versucht, ihr einen positiven Halt zu geben», sagt Palacios später. Schukrun wiederum fühlte sich, als habe sie geschlafen – «mit dem Unterschied, dass ich trotzdem alles bewusst wahrnahm». Die nächste Sitzung findet erst Anfang 2018 statt, weil der Hypnose-Therapeut so ausgebucht ist.

Zum Abschied drückt er uns einen Kalender in die Hand, mit Weisheiten von ihm, Gabriel Palacios. Der Zufall lässt uns diesen Spruch aufschlagen: «Veränderung beginnt an allererster Stelle in Deinen Gedanken.»

  

Was denkt der Partner?

http://www.coopzeitung.ch/Jungtalent_+Hypnotiseur+Gabriel+Palacios Jungtalent: Hypnotiseur Gabriel Palacios

Als Marketingfachmann war für Gabriel Palacios bald klar, dass es sich lohnt, wenn er alle Fäden selber in der Hand hält – und so gründete er den Cameo-Verlag. In diesem erscheint auch sein neustes Buch «Verarsch mich nicht – Gedankenlesen in der Beziehung». Am 23. Januar 2018 stellt er um 19.30 Uhr sein Buch bei Orell Füssli in Basel vor. Wir verlosen fünf signierte Exemplare.

Zum Wettbewerb

Kommentare (12)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?