Fast wie ein Gemälde: Kinder auf dem Hof von Kathrine Naef finden den Zugang zu den Tieren.

Liebeserklärung an den Jura und die Jurassier

Im Jura öffnen Bio-Bauern ihre Höfe und auch ihre Herzen. Aber Achtung: Wer sich darauf einlässt, verliebt sich.

Es ist wie heimkommen. Die Bio-Bäuerin Kathrine Naef öffnet die Türe, lacht ein Lachen, das auch die Augen erreicht, und sagt: «Schön, seid ihr da – es gibt schon bald Znacht.» Wir beziehen die Zimmer unter dem breiten Dach des Jura-Hauses. Pichi, die Katze, schaut kurz vorbei und Kathrine ruft, ob irgendwer noch mit zur Mutterkuh-herde kommen will. Wir wollen und spüren den Abendwind, riechen das Harz der breiten Tannen, sehen die Kühe mit ihren Kälbern im Kupferlicht der untergehenden Sonne und sind – glücklich. Schöner könnte ein Tag
auf dem Bio-Weg durch die Freiberge nicht enden.

 
Jede Woche die neusten Themen im Newsletter! Hier abonnieren »
 

Der Bio-Weg führt durch weite, offene Landschaften und endlose Wälder zu gastlichen Häusern.

Der Bio-Weg führt durch weite, offene Landschaften und endlose Wälder zu gastlichen Häusern.
http://www.coopzeitung.ch/Liebeserklaerung+an+den+Jura+und+die+Jurassier Der Bio-Weg führt durch weite, offene Landschaften und endlose Wälder zu gastlichen Häusern.

Moore, Weiden, Trockenmauern

Es gibt im Jura inzwischen 19 verschiedene und unterschiedlich lange Bio-Wege. Sie alle führen von Bio-Hof zu Bio-Hof und zu Menschen wie Kathrine Naef. Wir haben uns für die dreitägige Wanderung unter dem Titel «Im Herzen der Wälder» entschieden. Diese beginnt am Bahnhof in Les Breuleux, im jurassischen Nirgendwo. Rund vier Stunden sind wir auf Hochmooren, endlosen Weiden, entlang von Trockensteinmauern und den sogenannten Etangs unterwegs. Das sind kleine, im späten Mittelalter angelegte Seen, die früher etwa Mühlen antrieben. In den Wäldern riechts nach Harz und Thymian. Beim Anblick von friedlich grasenden Pferde- und Kuhherden auf zaunlosen Weiden macht sich in der Seele eine Mischung aus Heim- und Fernweh breit. Das Beste gegen solch schwer erklärbare Gefühle ist ein voller Bauch, wie sich zeigen wird.


Entlang der Bio-Wege werden die Gäste darum immer von Bio-Bauern verpflegt. So etwa in Montfaucon von Bernard Froidevaux. Wie alle anderen Bio-Bauern nimmt sich Bernard Zeit für seine Gäste. Das gehört zum Konzept des Bio-Wegs. Man diskutiert, philosophiert – und isst. Etwa den Bio-Tête-de-Moine, den Bernard in seiner Sennerei selber käst. Wer einmal von diesem Tête de Moine versucht hat, will niemals mehr einen anderen. Nie!

«

Schön, dass ihr da seid. Es gibt schon bald Znacht. »

Katherine Naef, Bio-Bäuerin und Gastgeberin

«Das schreibt ihr jetzt aber nicht!»

Man kann nach dem Jura, dem weiten Himmel und der ursprünglichen Landschaft süchtig werden. So wie Marianne Wetter und ihre Kinder aus der Stadt Bern. Wir hatten sie auf dem Hof von Kathrine Naef getroffen. Die Kinder spielten im Stroh, kämpften eine Kissenschlacht, fütterten die Esel, streichelten Pichi, und am Morgen durften sie die Eier aus den Nestern einsammeln. «Alle Höfe entlang des Bio-Wegs sind so oder so ähnlich», sagt die Bernerin und fügt an: «Aber gell, das schreibt ihr jetzt nicht in der Coopzeitung! Sonst finden wir nächstes Mal keinen Platz mehr.»

 

Bio-Wege im Jura

Von Bio-Hof zu Bio-Hof» ist eine Initiative der jurassischen Bio-Bauern, die überzeugt sind von dem, was sie tun, und die ihren Hof gerne zeigen. Es gibt inzwischen 19 verschiedene Wege zwischen Ajoie und Freibergen, die zwei oder mehr Tage dauern. Für jeden Weg gibt es einen Wanderführer. Zum Package gehören Unterkunft in durchwegs schönen Zimmern auf dem Bauernhof, Abendessen, meist mit der (oft deutschsprechenden) Bauernfamilie, Frühstück und Mittagsverpflegung. Natürlich mit Bio-Produkten.

Weitere Auskünfte unter der Nummer: 032 955 10 89

Alle weiteren Informationen finden Sie hier
 

Offene Menschen, weiter Himmel und archaische Landschaften.

Das von «Biojura» (Organisation der jurassischen Biobauern) ausgearbeitete Konzept sieht vor, die beteiligten Biohöfe durch Erlebnis-Wanderrouten miteinander zu vernetzen. Man kann die Routen zu Fuss oder auch mit dem Velo geniessen.

Die Höfe werden zu geografischen Untergruppen zusammengefasst und durch ein Wegnetz miteinander verknüpft. Es werden Hofbesuchs-, Bewirtungs- und Unterbringungsangebote ausgestaltet, die auf die hofeigenen Erzeugnisse und auf die Produkte und Leistungen der beteiligten Partner zugeschnitten sind. Dabei werden Natur, Landschaft und Umwelt sowie soziale, kulturelle und geschichtliche Aspekte der Gegend miteinbezogen.

Eine nachhaltige Entwicklung, ein schonender Umgang mit der Natur, ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen, natürlichen Ernährung und genügend Bewegung sind Prinzipien, die dem vorliegenden Konzept zugrunde liegen. Das Konzept ist insbesondere auf Familien und auf alle Naturliebhaber zugeschnitten, die sich gerne draussen bewegen. Auf den Höfen dürfen Bio-Produkte gekostet, bei deren Herstellung zugeschaut und Interessantes über deren Entstehungsgeschichte erfahren werden. Die Biobetriebe bieten Hofbesuche und/oder Unterkunftsmöglichkeiten (Gîte rural, Gästezimmer, Mehrbettschlafraum) an. Die Angebote der einzelnen Höfe sind auf ihre spezifischen Ressourcen und Produkte zugeschnitten. Bei Bedarf werden die Bewirtungs- und Unterkunftsmöglichkeiten der Biohöfe durch Angebote von Partnerorganisationen ergänzt.

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Zur Übersicht des Jura
Zur Übersicht der Schweiz
Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Roland Schmid
Veröffentlicht:
Montag 31.08.2015, 17:01 Uhr

Weiterempfehlen:

Neuste Tipps:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?