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«Tarnkappe» Arztkittel: So wird Sportler Hussein nicht als Top-Sportler erkannt.

Und in diesem OP-Aufzug erkennt man Kariem Hussein noch viel weniger.

Der Umgang mit Patientin macht dem jungen Mann viel Spass.

Der Erfolg ist ihm nicht zu Kopf gestiegen: Kariem Hussein bleibt ein höflicher und zuvorkommender Mensch.

Hier, in der Sportklinik Hirslanden, absolvierte der Schweiz-Ägypter im Rahmen seines Medizinstudiums ein mehrwöchiges Praktikum.

Kariem Hussein: «Im Arztkittel werde ich nicht erkannt»

Der Leichtathlet und Europameister bringt Spitzensport und Medizinstudium unter einen Hut. Wie er dies schafft und sogar noch Zeit für Freunde findet.

Mit einem Schlag bekannt wurde Kariem Hussein im letzten August, als er in Zürich Europameister über 400 Meter Hürden wurde. In diesem Jahr nimmt er an der WM in Peking teil und bestreitet verschiedene Wettkämpfe bei hochkarätig besetzten Veranstaltungen, so beim Diamond-League-Meeting am Donnerstag in Lausanne. «Daneben» studiert der 26-Jährige Medizin.

Sie haben vor Kurzem ein Praktikum an der Sportklinik Hirslanden absolviert ...
Ich habe vor allem assistiert und dabei viel gelernt. Es ist faszinierend, das, was man jahrelang in der Theorie gelernt hat, in der Praxis anzuwenden.

Hat da nicht manch ein Patient oder vor allem eine Patientin geschaut, als Sie zur Visite erschienen sind?
Im Arztkittel werde ich von den Leuten anders wahrgenommen – und nicht immer erkannt. Bei den paar Malen, bei denen es rauskam, wechselte ich kurz ein paar Worte über den Sport, dann ging es aber rasch wieder ums Medizinische.

«

Sport und Medizin ist eine ideale Kombination.»

Als Spitzensportler gehen Sie an Ihre körperlichen Grenzen und oft sogar darüber hinaus. Wie können Sie als Arzt das verantworten, was Sie als Sportler tun?
Grundsätzlich versuche ich schon, alles aus mir herauszuholen – aber nicht auf Teufel komm raus und auf Kosten meiner Gesundheit. Das ist natürlich ein schmaler Grat. Als Mediziner weiss ich aber genau, wie der Bewegungsapparat des Menschen funktioniert. Und ich höre sehr auf meinen Körper. Ich lege grossen Wert darauf, meine Übungen korrekt umzusetzen. Meinen Sport und mein Wissen sehe ich eher als ideale Kombination. Und als Kapital, das mich vielleicht weiterbringt als andere.

Sie haben eine Top-Figur. Was kommt bei Ihnen auf den Tisch und was nicht?
Ausgewogen, aber ich esse auch viel Fleisch. Dagegen meide ich Getreide in jeder Form – ich bin nicht allergisch dagegen, aber ich habe das Gefühl, es liegt mir auf und macht mich müde. Ansonsten bin ich ein guter Verbrenner und esse tendenziell eher viel. 

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Sport und Studium?
Ich betreibe eine Einzelsportart, die mit dem Studium kompatibel ist. Ich muss keine Rücksicht auf den Zeitplan von Mitspielern nehmen. Und mein Sport findet eher im Sommer statt. Im Winter kann ich vor allem lernen und Prüfungen ablegen. Sonst ist Organisation alles. Meine Lerneinheiten gestalte ich inzwischen sehr intensiv. Ich habe gemerkt, dass ich am besten daheim arbeiten kann und nicht in der Bibliothek, wo es enger ist und es mehr Ablenkung gibt.

Wie oft trainieren Sie?
Im Durchschnitt sechsmal die Woche, zwei Stunden pro Tag. In der Wettkampfsaison auch etwas mehr.

Finden Sie noch Zeit für Freunde?
Die muss drin sein. Aber während intensiven Trainings- oder Lerneinheiten habe ich wenig Zeit. Doch es gibt immer Lücken. Auch in den Ausgang gehe ich weiter – nur nicht mehr so superlang. Ich brauche meine acht Stunden Schlaf.

Und wie siehts mit der Liebe aus?
Die Frage musste ja kommen ... (lacht)

 
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Klar, Sie sind doch ein Frauenschwarm ...
Derzeit bin ich Single. Bis jetzt war die Richtige noch nicht dabei. Es macht halt Klick und man weiss es ...

Hat es denn schon mal Klick gemacht?
Klar. Nach der EM letztes Jahr hatte ich einige Monate lang eine sehr schöne Zeit.

Warum ist es auseinandergegangen?
Schwer zu sagen. Am Ende hat es dann halt nicht mehr gepasst.

Ein Geschenk der Familie: Der Talisman darf bei keinem Rennen fehlen.

Ein Geschenk der Familie: Der Talisman darf bei keinem Rennen fehlen.
Ein Geschenk der Familie: Der Talisman darf bei keinem Rennen fehlen.

Ihre Mutter ist Thurgauerin, Ihr Vater Ägypter aus Kairo. Waren Sie schon mal im Land Ihres Vaters?
Früher fast jedes Jahr. Letztes Mal aber vor drei Jahren.

Was beeindruckt Sie dort am meisten?
Die Lockerheit der Leute, wie sie in den Tag hineinleben und immer wieder improvisieren. Für die Ferien finde ich das entspannend. Dort leben könnte ich als gut organisierter Mensch nicht.

In diesen Schuhen wurde Kariem Hussein Europameister!

In diesen Schuhen wurde Kariem Hussein Europameister!
In diesen Schuhen wurde Kariem Hussein Europameister!

Was ist der grösste Unterschied zwischen Tägerwilen (wo Sie aufgewachsen sind) und Kairo?
(Lacht) Die schiere Grösse Kairos, der Stress, die vielen Menschen. Und der Verkehr. Der ist dort sicher so schlimm wie nirgendwo auf der Welt.

Können Sie arabisch?
Ein wenig schon. Mein Vater hat ab und zu mit mir arabisch gesprochen.

Beobachten Sie die politischen Entwicklungen dort regelmässig?
Die Familie meines Vaters ist derzeit happy. Für uns schwer verständlich, aber das Militär geniesst in Ägypten grosses Ansehen – so wie ich das aus der Ferne mitbekomme. Aber ich sehe nicht überall genau rein.

Sie sind ein durchorganisierter Mensch. Haben Sie eine langfristige Planung? Was machen Sie in fünf bis zehn Jahren?
Sportlich möchte ich so lange dabei sein, wie es der Körper mitmacht und so lange ich Spass am Laufen habe. Meinen Zenit habe ich ja hoffentlich noch nicht erreicht. Es gibt 400-Meter-Hürdenläufer, die mit 35 Spitzenleistungen abliefern.

Und beruflich?
Mein Studium will ich unbedingt abschliessen. Und irgendwann möchte ich schon eine eigene schönen Praxis haben.

Wie siehts privat aus?
Ich kann mir gut vorstellen, in der Zukunft eine eigene Familie zu gründen und Kinder zu haben. Aber da ist es derzeit noch zu früh.

Vier Daten im Leben von Kariem Hussein

1997 Die Geburt seiner Schwester Donia – für ihn als 8-Jähriger ein eindrückliches Erlebnis.

2006 Ein mehrwöchiger Spitalaufenthalt wegen einer bakteriellen Krankheit  beschäftigt ihn sehr.

2012 Intensive Prüfungsphase bei den Bachelor-Abschlussprüfungen an der Universität Fribourg.

2014 Am 14. August wird Hussein in Zürich Europameister im 400-Meter-Hürdenlauf (mit 48,96 Sekunden).

Mehr über Kariem Hussein auf seiner Homepage »

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Markus Kohler

Redaktor

Foto:
Christoph Kaminksi
Veröffentlicht:
Montag 06.07.2015, 18:53 Uhr

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