Kein Anschluss

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Schneider: In gewissen Belangen geht es mir bei uns daheim besser als Schreiber: Ich muss mit niemandem in der Familie meine Kleider teilen. Keiner klaut meine Unterhosen, meine Socken, meine Handschuhe. Schreiber hats schwerer. Die Mädels entdecken ihre Pullis, lümmeln in ihren Schlabberhosen, hüllen sich in ihre Schals.

Und doch gibt es etwas, das auch ich teilen muss, seit ich mit einem Smartphone den Anschluss an den Rest der Familie geschafft habe: mein weisses Aufladekabel. Die anderen haben zwar auch eines, aber aus unerfindlichen Gründen verwenden sie lieber meines.

«

Mein Aufladekabel gehört offenbar allen.»

Die Folge: Ich rase regelmässig suchend durchs Haus. Manchmal finde ich mein Kabel, manchmal ein anderes, das mir dann nur widerwillig ausgeliehen wird. Ich klebe meinen Namen dran. Nützt nichts, ich könnte ebenso draufschreiben: «Verwendet mich, wann immer ihr wollt und bringt mich ja nicht zurück!»

Doch dann überraschen mich die Kinder mit einem neuen Kabel in Schwarz. «Ganz für dich allein, Papa.»

Sehr aufmerksam!

Am nächsten Tag ist es jedoch wieder verschwunden. Schreiber bemerkt meine geladene Stimmung: «Du», sagt sie, «ich habs mir nur kurz ausgeliehen», und fieselt mein schwarzes Kabel aus ihrem Regal.

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Schreiber: Schneider kann aber auch zickig sein! Als ich ihm sein Ladekabel zurückgebe, das ich nur kurz ausgeliehen hatte, kramt er unser Beschriftungsgerät aus der Schublade und druckt eine Etikette aus, wo ‹MEINS!› draufsteht.

«Ich weiss, dass es deins ist, ist ja schwarz. Brauchst es nicht zu markieren!», sage ich und mache mich auf die Suche nach meinem weissen Teil, das mit buntem Washitape umwickelt ist. Und tatsächlich, ich finde es tief im Chaos der Teenie-Zimmer. Dabei entdecke ich zusätzlich mehrere Teller mit undefinierbarem Restessen, einen verschrumpelten Apfelbutzen, leere Chipstüten, einen halb getrunkenen Cappuccino mit hellgrüner Deckschicht, die mal Schaum war. Ich schleppe meine Errungenschaften runter, stecke mein Handy ein, das fröhlich piepst, weil es wieder Nahrung bekommt.

«

Schneider kann aber auch zickig sein.»

Am Abend höre ich Schneider im Arbeitszimmer fluchen.

«Scheisskabel!»

Na, na, na!

Er kommt in die Küche, in der einen Hand einen Stecker, in der anderen einen Draht.

Zusammen war das mal mein Kabel.

«Habs zu fest aus der Dose gerissen!», sagt er.

Das sehe ich.

«Tut mir leid, ich kauf dir ein Neues.»

Tatsächlich, am nächsten Tag bringt er mir ein neues Kabel, eines nur für mich allein.

Farbe? Schwarz!

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 15.01.2018, 08:38 Uhr

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