Kein Empfang im Garten

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Schreiber: Spannend, wenn ein mittelalterlicher Mann Neuland betritt.

Seit Schneider sich von seinem Uralt-Telefönchen verabschiedet und ein gigantisches Smartphone zugetan hat, überrascht er mich stets aufs Neue. Gewisse Dinge ändern zwar nicht: So fällt ihm auch das neue Smartphone oft runter. Trotz Panzerglas-Aufsatz und Hartgummi-Ummantelung hat das Display seit der ersten Woche einen Sprung. Aber er telefoniert häufiger und gibt sich Mühe, seine WhatsApp-Nachrichten mit originellen Emojis zu verzieren.

Rührend.

«

Mit ihm plaudern? Geht leider nicht.»

Doch Schneider wirft auch Prinzipien über Bord, wie ich grad feststelle: Wir werkeln im Garten und ich würde gerne mit ihm plaudern. Geht aber nicht, denn in seinen Ohren stecken Stöpsel. Wie oft hat er über Leute den Kopf geschüttelt, die mit Kopfhörern durchs Leben straucheln: «Die sind immer irgendwo anders, aber nie im Hier und Jetzt.» Wer weiss, wo er sich gerade befindet, als er mit der Schubkarre an mir vorbei keucht? Er hört kein Vogelgezwitscher, keine Kirchenglocken, keinen Kies knirschen.

Ich nutze die Gelegenheit und sage: «Echt albern, wie du hier mit Stöpseln im Ohr fuhrwerkst!»

Und was macht Schneider? Er strahlt mich freundlich an und nickt.

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Schneider: Wir haben eine grosse Feuerstelle im Garten und deshalb auch ein Holzdepot. Und zwar im Unterstand.

Aber da wir uns letzten Sommer zwei SUPs, zwei Stand-up-Paddles, gekauft haben, die dort deutlich cooler aussehen als Holzscheite, muss ich das Holz umlagern. Ich transportiere die Scheite zwischen dem alten und dem neuen Holzdepot mit der Karrette, was grossen Spass macht, denn ich tu das nicht allein, sondern gemeinsam mit Jim Morrison von den Doors. Er singt mir «Come on Baby, light my fire» ins Ohr. Als ob er wüsste, dass ich bestes Feuerholz transportiere. Etwas später bittet er um Auskunft: «Show me the way to the next Whiskey Bar», und ich muss lachen, weil ich grad an Schreiber vorbeigehe mit voller Schubkarre und sie so komisch in meine Richtung schaut.

«

Sie beschwingt mich, die Musik im Ohr.»

Es beschwingt mich total, den Morgen mit grossartiger Musik im Ohr im Garten zu verbringen. Leider glaubt Schreiber, dass ich gleichzeitig ihr und Jim Morrison zuhören könnte, denn sie redet jedes Mal mit mir, wenn ich an ihr vorbeigehe. Sieht sie denn nicht, dass ich in meiner eigenen Welt bin? Mir kommt ein Gedanke, der mich wieder schmunzeln lässt: Sollte es etwas wirklich Wichtiges sein, kann sie mich ja einfach anrufen.

Schreiber vs. Schneider live auf der Bühne: Hier finden Sie die Daten.

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 16.04.2018, 09:59 Uhr

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