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Sabines Garten – Kinder des Mondes

Sie sind ein Wunder der Pflanzenwelt, denn sie blühen um den kürzesten Tag herum. Darum werden die Christrosen seit jeher als Königin der winterblühenden Stauden verehrt. In den dunkelsten Nächten des Jahres zaubern sie mit ihren schneeweissen Blüten neues Leben. Darum sind sie das perfekte Symbol für Weihnachten.

Christrosen sind robust. Auch das kälteste Wetter macht ihnen draussen im Garten nichts aus.

Christrosen sind robust. Auch das kälteste Wetter macht ihnen draussen im Garten nichts aus.
Christrosen sind robust. Auch das kälteste Wetter macht ihnen draussen im Garten nichts aus.

Am liebsten kultiviere ich frühe Helleborus niger ‹praecox›, die besonders zeitig blühen, in Gefässen. An einem kühlen, geschützten Standort halten sie monatelang und blühen bis weit in den März hinein. Nur austrocknen dürfen sie nicht. Auf dem Fenstersims, wo man sie stets sehen kann, ohne selber nach draussen gehen zu müssen, kommen sie auch bestens zur Geltung. Oder man stellt ein grösseres Exemplar in einem hübschen Gefäss neben die Haustüre oder auf einen Gartentisch, den man vom Fenster aus gut sehen kann. Eine Laterne daneben, ein paar Weihnachtskugeln dazu, viel mehr braucht man nicht, um festliche Stimmung herbeizuzaubern.

Draussen im Garten macht den Christrosen auch das kälteste Wetter nichts aus, aber im Topf muss man ein bisschen aufpassen, dass der Wurzelballen nicht für allzu lange Zeit komplett durchfriert. Wenn es sehr kalt wird, machen die Blüten von im Gewächshaus angetriebenen Pflanzen zu. Sie richten sich dann aber wieder auf, sobald die Temperatur über null steigt. Wichtig ist, dass sie genug Wasser haben. Und falls die Temperaturen plötzlich extrem tief sinken sollten, kann man sie immer noch für ein paar Tage an einen frostfreien Ort bringen. Beim Kauf von Christrosen achte ich darauf, dass Blätter und Blüten in einem angemessenen Verhältnis stehen. Zu sehr forcierte Pflanzen, die fast nur Blüten haben, gehen dann oft recht schnell ein. Um gut zu überleben, brauchen sie eben auch Blätter! Ausserdem ist ja das sattgrüne, ledrige Laub sehr dekorativ und gehört daher unbedingt dazu.

Nach dem ersten Winter im Topf sollten die Christrosen unbedingt in den Garten gepflanzt werden, damit sie sich ausbreiten und fortan jeden Winter erneut blühen können. Denn Christrosen sind ausgesprochen robuste, langlebige Gartenstauden, die jedes Jahr wieder kommen. Wenn ihnen der Standort gefällt, versamen sie sich sogar. Die jungen Pflänzchen erkennt man leicht an ihren glänzenden, ledrigen Blättchen – diese also dann im Sommer nicht jäten!

Der Legende nach überbrachte ein Hirte die «Christ-Rose» als Geschenk dem Jesuskind.

Der Legende nach überbrachte ein Hirte die «Christ-Rose» als Geschenk dem Jesuskind.
Der Legende nach überbrachte ein Hirte die «Christ-Rose» als Geschenk dem Jesuskind.

Kinder des Mondes: Heuer habe ich meine Christrosen in verschiedenen Körben ausdekoriert. Ein Moospolster bekommt ihnen immer gut und schützt sie etwas vor Kälte und zu viel Wasserverlust. Im Wald haben wir dann noch Tannenzweige und Misteln geholt und alles zusammen auf den Gartentischen arrangiert. Eine Handvoll Silberkugeln dazu, ein lackiertes Reh und am Ende noch eine LED-Lichterkette mit Batterie dazu. Denn in der Dämmerung und mit kleinen Lichtern verziert, wirken Christrosen noch geheimnisvoller. Dass sie Kinder der Nacht sind, wusste ja schon Edouard Mörike, als er dichtete: «Die Schönste bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne …» – Zu ihrem Namen kamen die Christrosen der Legende nach aber folgendermassen: Auf dem Weg nach Bethlehem trug einer der Hirten kein Geschenk bei sich. Weil er nichts besass und zur kalten Winterszeit und auch keine Blumen fand, weinte er bitterlich. Es fielen Tränen auf die Erde, und aus ihnen entsprossen Blüten so schön wie Rosen. Glückselig überbrachte der Hirte die «Christ-Rose» als Geschenk dem Jesuskind.
Aber auch die Hexen wussten die Christrosen seit jeher zu schätzen. Sie stellten aus ihrer giftigen Wurzel diverse Medikamente her. Zudem glaubten sie, dass ein Pulver aus Nieswurz einen unsichtbar machen würde. Tatsächlich sind die Christrosen wie die meisten Hahnenfussgewächse giftig, wobei das Gift vor allem in den Wurzeln enthalten ist. Für Kinder und Haustiere stellen sie darum kaum eine Gefahr dar.

Etwas später als die stets weissen Christrosen (Helleborus niger) blühen dann gegen Ende des Winters die verwandten Lenzrosen (Helleborus orientalis), die es in diversen Farbtönen von Hellgrün über Rosa und Dunkelrot bis hin zu gesprenkelten Varianten gibt. Ihre Blüten halten in Gestecken am längsten, wenn sie schon fast verblüht gepflückt werden. Frisch aufgeblüht, welken sie jedoch sehr rasch. Auch die Christrosenblüten halten in der Vase normalerweise nicht lange. Es gibt jedoch einen Trick, um ihr Leben ein wenig zu verlängern: mit einer Nadel den Stiel anstechen, so lassen sie die Köpfe nicht gleich sofort hängen.

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Für den Dezember

• Am 4. Dezember Barbarazweige schneiden und ins Haus nehmen. Sie blühen dann zu Weihnachten. Forsythien sind ideal, aber auch Zweige von Obstbäumen lassen sich vortreiben.
• Immergrüne Gehölze und Buchskugeln gelegentlich giessen.
• Kübelpflanzen im Winterquartier nicht austrocknen lassen. Ab und zu auf Schädlinge überprüfen.
• Im Gemüsegarten Rosenkohl, Wirsig und schwarzen Palmkohl ernten. Diese schmecken erst richtig gut, wenn sie gefroren waren.
• Rosen mit Mist oder Kompost anhäufeln, bevor die grosse Januarkälte kommt. Das kann man gut noch im Dezember machen.
• Frisch gepflanzte Bäume und Büsche im Auge behalten. Wenn der Boden friert, bilden sich oft Risse. Diese mit Kompost auffüllen.
• Amaryllis und Hyazinthen in Gläsern im Haus vortreiben.
• Gartenbücher lesen und vom Frühling träumen.

 

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Sabine Reber

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Foto:
Stöh Grünig
Veröffentlicht:
Montag 03.12.2012, 12:11 Uhr

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