Die Künstlerfreunde Klee und Kandinsky

Fast 30 Jahre lang waren zwei der wegweisenden Maler des letzten Jahrhunderts miteinander befreundet. Nun werden ihre Bilder zum ersten Mal überhaupt in einer gemeinsamen Ausstellung gezeigt: im Zentrum Paul Klee in Bern.

Familienmorgen

Am Sonntag gibt es im Zentrum Paul Klee den sogenannten Familienmorgen: ein Workshop für Gross und Klein im Atelier des Kindermuseums Creaviva (10.30 bis 11.45 Uhr). Bis Ende Juni findet er zur Ausstellung Klee in Bern statt, ab Juli zur Klee  & Kandinsky-Ausstellung. Kinder ab 4 Jahren und Jugendliche bis 16 haben dank der Unterstützung von Coop freien Eintritt. Erwachsene bezahlen nur den Ausstellungseintritt.

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Fest der Farben: Bericht zur Ausstellung

Wassily Kandinskys Bild von 1911 «Romantische Landschaft» aus dem Münchner Lenbachhaus.

Wassily Kandinskys Bild von 1911 «Romantische Landschaft» aus dem Münchner Lenbachhaus.
Wassily Kandinskys Bild von 1911 «Romantische Landschaft» aus dem Münchner Lenbachhaus.

Eigentlich ist es seltsam, dass es diese Ausstellung so noch nie gab: Paul Klee (1879–1940) und Wassily Kandinsky (1866–1944) sind zwei der wichtigsten Künstler der Klassischen Moderne, die sich 1911 in München kennenlernten, Freunde wurden und sich bis zum Schluss gegenseitig beeinflussten und ergänzten. Michael Baumgartner, 63, der im Zentrum Paul Klee ZPK verantwortliche Kurator, berichtet, wie herausfordernd es war, «aus allen Phasen ihrer Künstlerfreundschaft die wichtigsten Werke zusammenzutragen». Glücklicherweise ist die Ausstellung ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Lenbachhaus in München. So wie das ZPK den grössten Schatz an Werken von Paul Klee besitzt, ist das Lenbachhaus die wichtigste Adresse für die frühen Bilder von Wassily Kandinsky. So werden nun in Bern drei Monate lang Schlüsselwerke der Künstlervereinigung des Blauen Reiters zu bewundern sein. Danach wird die Ausstellung im Lenbachhaus präsentiert. Damit die ZPK-Bilder wie Paul Klees «Übermut» (Bild links) den Transport gut überstehen, bekommen sie nun neue Schutzrahmen. «Übermut» von 1939 ist eines der grossartigen Spätwerke Klees. Der Seiltanz, der aus dem Gleichgewicht gerät, berichtet von Klees eigenen lebenslangen Balanceakten.  «Die Arme des Tänzers sind wie Trommelschläger, womit Klee auch auf die Nationalsozialisten anspielt», erklärt Michael Baumgarter. Die Welt war aus den Fugen geraten, auch die von Klee und Kandinsky, die Deutschland 1933 für immer verliessen.

 
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180 Bilder aus aller Welt

Die frühere Leiterin der Kleestiftung Christine Hopfengart und die Museumskuratoren Michael Baumgartner und Annegret Hoberg aus München haben über 180 Bilder aus privaten Sammlungen und aus Museen wie dem Centre Georges Pompidou Paris versammelt. Die Zusage vom New Yorker Guggenheim Museum erwarteten sie mit grosser Spannung, wie Michael Baumgartner sich erinnert: «Das war lange in der Schwebe. Diese Bilder sind meine persönlichen Favoriten, und ohne Kandinskys Spätwerke wie ‹Autour du cercle› wäre die Ausstellung nicht komplett.»

Die Seele zum Schwingen bringen

Die Künstlerfreunde Kandinsky (rechts) und Klee vor dem Haus, in dem sie zur Bauhauszeit in Dessau wohnten.

Die Künstlerfreunde Kandinsky (rechts) und Klee vor dem Haus, in dem sie zur Bauhauszeit in Dessau wohnten.
Die Künstlerfreunde Kandinsky (rechts) und Klee vor dem Haus, in dem sie zur Bauhauszeit in Dessau wohnten.

Dreiecke, Kreise und Quadrate waren die Bildelemente, die Kandinsky in seiner zweiten Lebenshälfte immer wieder variierte. Im Bild «Autour du cercle» (oben) von 1940 sind sie vorhanden, doch aufgelockert. Wir sehen klar auch den Einfluss des Surrealismus. Das Bild  strahlt eine unglaubliche Energie aus, denn Kandinsky hatte sich in Paris vom streng Geometrischen lösen können und nochmals eine neue Formsprache gefunden. Natürlich ist in der Ausstellung auch die frühe Entwicklung der beiden Künstler präsent sowie die Zeit des Blauen Reiters von 1910 bis 1914. Während der noch unbekannte Klee sich erst an die Farbe herantastet, ist der etwas ältere Kandinsky auf dem ersten Höhepunkt seiner Laufbahn. Er signiert seine ersten abstrakten Gemälde, die «Improvisationen» und «Kompositionen», die ihn zum Begründer der abstrakten Malerei machen. 1911 entstand das Bild «Romantische Landschaft» (oben). «Es führt uns mitten in den Übergang zwischen gegenständlich und abstrakt», erklärt Michael Baumgartner. Berge, Himmel und drei Reiter erkennt man noch, «denn die Linien haben ansatzweise noch eine gegenstandsbestimmende Aufgabe». Doch am wichtigsten sei die Dramatik – und dass Farben und Linien richtig zusammenklingen und die geistigen Saiten der Seele zum Schwingen bringen. In seinen rein abstrakten «Improvisationen» hat Kandinsky die Linie dann vollends befreit. Paul Klees erste grosse Erfolge liegen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Kandinsky hatte Deutschland 1914 in Richtung seiner Heimat Russland verlassen. Erst 1922, und zwar am Bauhaus, der legendären deutschen Kunst- und Designschule, trafen beide als tonangebende Meister wieder zusammen. Klees Bilder waren auf dem Kunstmarkt sehr gefragt, er war jetzt erfolgreicher als Kandinsky. Obgleich auch Rivalen, entwickelte sich ihre von Kontrasten und Austausch geprägte Freundschaft fruchtbar weiter. Wie stark sich ihre Werke aus den Bauhausjahren ähneln, zeigt diese Ausstellung wie keine vor ihr.

Poetisch und erzählerisch

Ein Bild aus dieser Zeit ist Paul Klees Aquarell «Betroffener Ort» (oben rechts). Als Erstes springt der Pfeil ins Auge, ein Motiv, das beide Künstler immer wieder einsetzen. «Der Farbverlauf vom hellen Gelb zum Orange ins Grau und Schwarz und wieder zurück ist technisch höchst anspruchsvoll und zudem subtil verschoben», sagt Michael Baumgartner und weist auf die darin liegende Kulisse mit Figuren hin. «Und von oben kommt als ‹Ereignis› der schwarze Pfeil.» Also eigentlich ein abstraktes Bild, doch voller ironisch-distanzierter erzählerischer Elemente, unvergleichlich, wie es nur Paul Klee konnte.

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Eva Nydegger

Redaktorin der Coopzeitung

Foto:
Photopress/Mischa Christen, Thomas Karsten, zVg
Veröffentlicht:
Montag 15.06.2015, 17:01 Uhr

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