In der Küche mit Sophia Loren

Unsere Redaktorin hat für Sie die Spezialität «Bocconotti» aus Neapel ausprobiert. Wie ihr das gelungen ist, können Sie hier nachlesen.

Was macht eine Filmdiva wenn sie schwanger ist und vom Arzt für mehrere Monate zur Ruhe beordert in einem Hotel in Genf weilt? Sich vom Kopf bis Fuss bedienen lassen würde man meinen. Nicht so Sophia Loren, der dieses Schicksal 1968 blühte. Mit ihrer Assistentin kocht sie stattdessen von Morgens bis Abends feinste Rezepte aus Italien nach. Das Resultat davon: ein Kochbuch, das sie 1971 heraus gibt. Zu ihrem 80-sten Geburtstag wurde das Buch nun neu aufgelegt - am Inhalt und der Sprache wurde nichts verändert um den wahren Genuss der Rezepte zu erhalten, wie Loren in der Einführung zu der Neuauflage schreibt. 

Beim Nachkochen habe ich mich aus Zeitmangel zugegebenermassen für ein einfaches Gebäck-Rezept entschieden: Bocconotti. 

Das Rezept wie es im Buche steht:

Zutaten für 6 Personen

Zubereitungszeit: 30 - 60 Min.
Schwierigkeitsgrad: einfach

  • 500 g Mehl
  • 50 g Zucker
  • 1 Glas Sauerkirschkonfitüre oder Quittengelee
  • 1 Eigelb

Zubereitung

Dieses Gebäck ist wiederum ein Leckerbissen aus dem unerschöpflichen kulinarischen Schatz meiner Heimatstadt Neapel. Aus Mehl, Zucker und Wasser einen relativ weichen Teig herstellen (noch besser wird der Teig, wenn man noch 2 oder 3 Esslöffel Öl hinzufügt) und dünn, aber nicht zu dünn ausrollen. 6-8 cm große Kreise daraus ausstechen, jeweils 1 Teelöffel Sauerkirschkonfitüre oder Quittengelee daraufgeben, die Kreise zu Halbmonden zusammenklappen und den Teig am Rand gut andrücken. Die Bocconottl mit dem verquirlten Eigelb bepinseln und etwa 20 Minuten schon goldbraun backen (200°C).

Variation: Eine Hälfte der Bocconotti mit Konfitüre und die andere mit einer Konditorcreme füllen. 

Bocconotti – wie das Rezept zuhause geht:

Dieses Gebäck-Rezept ist der Traum jedes Pendlers, der erst nach Ladenschluss in seiner Wohnstadt ankommt. Es besteht nämlich nur aus vier Zutaten: Mehl, Zucker, Eier und Konfitüre. Basta! Wegen fehlens von vielen hungrigen Mündern habe ich nur die Hälfte der Zutaten genommen. 

Als erstes muss man aus Mehl, Zucker und Wasser einen Teig formen. Natürlich hat Sophia nicht angegben, wieviel Wasser man nimmt - das hat man schliesslich im Blut, im Auge oder im Handgelenk. Naja ich eigentlich nicht, aber anstatt zu googeln habe ich ich mir gesagt: heute verlässt du dich mal auf deinen Kochverstand.

Ich habe also das Mehl und den Zucker in die Knetmaschiene gegeben und nach bis nach Wasser zugeleert. Keine gute Idee - oder vielleicht auch keine gute Knetmaschiene!

Dreiviertel der Zutaten haben sich als Teigs um einen der Knethacken verwickelt, der Rest bröselte noch als Zucker und Mehl in den Ecken der Schüssel vor sich rum. Ich habe dann mit den Fingern den Teig entwickelt wobei die Hälfte so nass war, dass ich sie beinahe nicht mehr von den Fingern gebracht habe. Dann habe ich die Restlichen Zutaten aus der Schüssel sowie mehr Mehl beigegeben und den Teig von Hand fertig geknetet. Die Schlussfolgerung aus dieser Aktion ist wohl, den Teig von anfang an mit den Händen zu kneten und etwa so 70 ml Wasser zuzugeben. 

Auf viel Mehl habe ich dann den Teig ca. 2.5 mm dünn ausgerollt und mit einem Wasserglas runde Teigplätze ausgestochen. Die habe ich mit der selbsgemachten Kirschkonfitüre von meiner Mitbewohnerin bestrichen, zusammengeklappt und mit Eigelb bepinselt. Anschliessend kommen die Halbmöndchen während etwa 20 Minuten in den Ofen. Easy.

Leider habe ich Sophias Anweisung - die Enden gut aufeinanderzudrücken zuwenig ernst genommen und bei zwei dreien ist leider im Ofen die Konfi entronnen. Ansonsten gab es aber keine weiteren Komplikationen. Schade ist, das es zu diesem Rezept im Buch kein Bild gibt. Da es mich dann doch wunder genommen hat, ob meine Halbmöndchen so aussehen wie sie sollten, habe ich das Rezept gegoogelt. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Boconotti eigentlich eine Spezialität aus Apulien sind. Zudem findet man Rezepte mit verschiedenen Teig- und Füll-Variationen. Ebenso finden sich verschieden Formen: vom kleinen Küchlein bis zu den einfachen, gefüllten Halbmöndchen die Sophia vorschlägt. 

Fazit

Zeitaufwand: genau 60 Minuten (wenn man Teig von Anfang an richtig macht ist man wohl schneller). 
Mengenangaben: die Hälfte von Mehl und Zucker haben für 19 Stück gereicht. Von der Konfi habe ich viel weniger als ein halbes Glas gebraucht.
Materialaufwand: gering 
Änderungen: nix
Wo ist Achtung geboten: die Enden wirklich gut mit einer Gabel verschliessen
Wie es gemundet hat: sehr gut - die gelbe Version ist besser angekommen als die rote.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde:
Den Teig mit der Hand kneten, ein bisschen weniger lange im Ofen lassen und eine Konfitüre mit grösseren Stückchen drin benutzen. 
Verdikt: Das Zeit-Genuss-Verhältnis ist zwar sehr gut, aber grad aus den Finken haben mich die Bocconotti nicht gehaut. Ich werde aber sicher noch weitere Varianten mit anderen Konfitüren ausprobieren.  

Impressionen aus der Küche

 

Sophia Loren weiss auch in der Küche eine gute Figur zu machen. «In Cucina con Amore», Erstveröffentlichung 1971, verrät die heute 80-jährige Schauspielerin ihre Lieblingsrezepte, sinniert über Tischmanieren und gibt Gastgeber-Tipps. Nun wurde das Buch neu aufgelegt und weder die Rezepte noch die Fotos der jungen Loren haben an Charme verloren. 

Sophia Loren: «In Cucina con Amore», GU-Verlag, im Handel oder für Fr. 36.50 (plus Fr. 5.– Versandkosten) www.coopzeitung.ch/shop.

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Michaela Schlegel

Redaktorin

Foto:
Sophia Spawton / Michaela Schlegel
Styling:
Michaela Schlegel
Veröffentlicht:
Montag 03.11.2014, 19:00 Uhr

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