Kursschwankungen

Er: Kürzlich traf ich jemanden, der Drehbücher schreibt. Und zwar richtige, also «Tatorte» und so. Ich war begeistert und bombardierte ihn mit Fragen, bis er sagte, dass er Kurse gebe. Da musste ich hin. Und nun bin ich vom ersten Kursteil zurück: «Faszinierend», zitiere ich Mister Spock und erkläre: «Drehbuchschreiben steckt voll klarer Struktur.» «Das kannst du ja wirklich gut gebrauchen », antwortet Schreiber.

 
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«Den Kurs?» «Nein, Strukturen.» «Gleichfalls», antworte ich leicht beleidigt. «Wieso freust du dich nicht, dass ich endlich auch mal einen Kurs besuche?» «Es würde mich mehr freuen, wenn du mit mir einen Kurs machen würdest, statt im Alleingang», antwortet sie. «Etwas, das dich weiter entwickelt und uns gemeinsam voran bringt.» «Kein Problem, du kannst diesen Drehbuchkurs ruhig auch machen», antworte ich.

«

Sie hört mir einfach nicht zu!»

«Aber das interessiert mich doch gar nicht.» «Schade, dann hätten wir darüber sprechen können. Das wäre spannend.» «Soso, seit Jahren sage ich, dass uns ein gemeinsamer Kurs tollen Gesprächsstoff bieten würde. Aber du wolltest nie», mosert Schreiber, «und schweigst lieber.» Nicht, wenn es um Drehbücher geht. Aber damit kann sie nicht umgehen – und hört mir einfach nicht zu.

Sie: Da besucht Schneider seit Jahrzehnten wieder mal einen Kurs und schon meint er, er müsse seine ganze Umwelt mit neuen Erkenntnissen beglücken. Redet wie ein Wasserfall. Über Strukturen eines Drehbuches. Als ob ich das je wissen wollte.
«Die Grundelemente sind die Figuren. Also zum Beispiel du und ich», sagt er strebsam. «Dann brauchts eine Handlung. Zum Beispiel, dass ich einen Kurs besuche.» Aha. Das soll also eine Handlung sein, ich halte das eher für einen Scherz. «Und schliesslich muss man ein Konflikt her. Den haben wir, weil ich alleine gehe und nicht mit dir, obwohl du das so sehr wolltest.» «Du warst gegen jeden meiner Vorschläge», stelle ich klar.

 

«

Jeden meiner Vorschläge lehnte er ab.»

«Jaja, schau, jetzt sind alle Elemente für ein Drehbuch beieinander: Figuren, Handlung, Konflikt.» «Und was haben wir davon? Wenn wir zusammen den japanischen Atemkurs gemacht hätten, würdest du dich viel besser fühlen.» «Wieso? Ich atme doch schon seit Jahrzehnten.» «Ach, wir sind ja auch schon seit Jahrzehnten Figuren, die Konflikte haben.» Schneider blickt filmreif ins Leere. Ich atme sachte ein und aus, das habe ich im Buteyko-Kurs gelernt. Und schon ist mein Ärger verflogen. Sowas nennt man dann wohl Happy End.

 (Coopzeitung Nr. 29/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 13.07.2015, 17:00 Uhr

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