Kurz und klar

Schreiber: Ich habe einen Block neben meinem Computer liegen, auf dem eine Liste mit Unerledigtem steht. Etwa: Altglas entsorgen, Reisereportage beenden, Bruderherz gratulieren, Kindergeburtstag organisieren, Biografiekurs vorbereiten. Habe ich etwas bewältigt, streiche ich es durch, fett und schwungvoll.

Sehr befriedigend. Schrumpfen meine Aufgaben, wächst meine Zufriedenheit.

Nun blicke ich wieder mal auf meine Liste und lese ganz unten ein Wort, das mir irgendwie slawisch vorkommt: LEZNK. Was zum Teufel heisst das denn? Ich drehe den Block in alle Richtungen und versuche den Schlenker am Schluss des K zu identifizieren. LEZNK?

«

LEZNK: Was zum Teufel heisst das denn?»

Meine Handschrift, zugegebenermassen noch nie wirklich leserlich, hat sich im Zeitalter des Computers zu einem seltsam wirren Gebilde aus Linien und Kreisen gewandelt. Ich blicke auf mein Gekrakel, das mich arg an die ersten Schreibversuche unserer Kinder im Vorschulalter erinnert. 

LEZNK? Ich rätsle weiter, da hält mir Schneider eines unserer Bücher unter die Nase: «Hier, signieren.» Ich lese die Widmung «Für Elisabeth», dann unterschreibe ich sofort und souverän mit links. Als Schneider meine Unterschrift sieht, fragt er: «Seit wann heisst du Shbrrr?»

Schneider:  «Du brauchst nicht im Tempo der englischen Königin zu unterzeichnen», sage ich zu Schreiber, als sie unter meiner Widmung ein Buch von uns signiert, das wir mit der Post an einen Fan versenden.

«Königin?»

«Die muss bestimmt 300 Mal täglich unterschreiben. Du höchstens einmal. Also, gib dir etwas mehr Mühe, bitte, das ist schliesslich ein Geschenk für eine gewisse Elisabeth.» Schreiber blickt konsterniert erst mich, dann ihre Unterschrift an: «Stimmt, sieht schlimm aus.»

«

Was kommt wohl jetzt? Sie ist schlecht drauf.»

Ihre Handschrift war schon immer sehr eigen und zudem stimmungsabhängig. An mich gerichtete Liebesbriefe konnte ich stets gut lesen. Aber im Laden blickte ich auch schon völlig ratlos auf die Einkaufsliste. Denn Schreiber verwendet obendrein auch Abkürzungen: Tatü, Kafu, Nut. «Ist doch klar!», sagt sie dann hinterher: «Taschentücher, Katzenfutter, Nutella.»

Jetzt reicht sie mir ihren Notizblock und deutet auf ein Wort: «Schau mal, hier, was könnte ich damit meinen?» Ich lese: LEZNK. 

Gestählt durch ihre Abkürzungsmanie suche ich nach einem Anhaltspunkt und bemerke, dass wir an diesem Abend eine Lesung haben. «Genau!», strahlt Schreiber. «Jetzt werde ich klug aus LEZNK! Ganz klar: ‹Lesung – Znacht vorbereiten für Kinder.›»

 (Coopzeitung Nr. 44/2016) 

Die Kolumnisten live mit ihrem Programm «Spesen einer Ehe»: 17. November Dinnerlesung in Aeschi SO, Gasthof Kreuz; 25. November Langenthal.

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 31.10.2016, 16:45 Uhr

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