Im Rampenlicht: Seit drei Jahrzehnten mischt Kylie Minogue im Musikbusiness mit.

Kylie Minogue: «Ich werde mich wieder verlieben»

Kylie Minogue (49) erfindet sich neu: Ihr Album als Country-Pop-Sängerin wurde vom Ende ihrer Liebe inspiriert. Eine Begegnung mit dem australischen Star in London.

Auch nach einer dreissigjährigen Erfolgskarriere ist Kylie Minogue noch für Überraschungen gut: Die australische Sängerin ist nach Nashville in den USA gereist und hat dort ihr neustes Werk «Golden» aufgenommen, ein von einer Trennung inspiriertes Country-Pop-Album. Letztes Jahr hatte sie sich von ihrem fast 20 Jahre jüngeren Verlobten, dem englischen Schauspieler Joshua Sasse (30), getrennt. In einem Londoner Hotel spricht sie mit uns darüber. Dabei trägt sie ein mit Herzen verziertes Kleid.

Kylie Minogue, haben Sie schon lange heimlich davon geträumt, Dolly Parton zu sein?
Ich bewundere sie tatsächlich schon seit Jahren – aber gar nicht heimlich! Dass ich nun auf meinem Album Einflüsse der Countrymusik aufnehme, ist eine Idee des künstlerischen Leiters meiner neuen Plattenfirma. Einige waren schon ziemlich perplex: «Was, du bist nun Countrysängerin?» Die Antwort lautet: nein. Ich habe mich nur von dieser Stilrichtung inspirieren lassen. Sonst bin ich jedoch immer noch auf derselben musikalischen Strasse, wenn auch auf einer anderen Spur.

Sie hatten also Lust auf Veränderung.
Ich wusste nicht, dass dieses Bedürfnis in mir schlummerte. Aber nachdem man mir diese Idee vorgeschlagen hatte, fand ich sie hervorragend. Wir nahmen uns alle Zeit der Welt, um etwas Neuartiges zu schaffen. Die Gefahr ist nämlich gross, dass man in den Stil zurückfällt, an den man sich gewöhnt hat. Wir mussten erst das musikalische Gleichgewicht finden, denn ein reines Countryalbum hätte keinen Sinn ergeben. Nachdem ich verstanden hatte, wie ich das erreichen kann, bekam ich so richtig Spass an der Sache.

Country ist hier nicht so populär wie auf der anderen Seite des Atlantiks. War das nicht ein Risiko?
Wenn man die gewohnten Pfade verlässt, geht man immer ein Risiko ein. Für mich ist dies ja nicht das erste Mal: Ich habe in meiner Karriere oft neue Wege eingeschlagen. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, dass ich noch immer da bin: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Es mag für einige gewöhnungsbedürftig sein, was sie auf dem neuen Album zu hören bekommen. Bis jetzt bin ich aber begeistert von den Reaktionen, wie die neuen Songs aufgenommen wurden.

«

Wir nahmen uns alle Zeit, etwas Neuartiges zu schaffen.»

Kylie Minogue, 49

Wie war Ihr Aufenthalt in der Country-Hochburg Nashville?
Er war unvergesslich. Ich war zuvor noch nie dort gewesen. Einen neuen Ort zu entdecken, ist immer eine spannende Erfahrung. Am Abend meiner Ankunft war ich mit einigen Leuten in der Bar auf dem Hoteldach. Die Nacht war mild, ein reines Vergnügen. Kein Wunder, überströmte mich ein super Feeling, noch bevor ich das Studio betrat. Ich war fest entschlossen, mindestens einen Song zu finden, der als Basis für das ganze Album dienen sollte.

Um welchen Song handelte es sich?
Wir nahmen eine Demoversion von «Dancing» auf, die von der Endversion noch stark abwich. Nach Nashville war ich gereist, um mich von der Atmosphäre inspirieren zu lassen und einen Song zu schreiben. Produzieren kann man ihn später überall auf der Welt. Das funktionierte: In Nashville war ich in zwei Tempeln der Musik – im «The Listening Room Cafe» und dem «Bluebird Cafe». Es war grossartig: Ich war noch nie in einer vergleichbaren Umgebung.

Was ist denn so besonders an diesen Schauplätzen?
Im «Bluebird Cafe» gibt es eine kleine Bühne, doch normalerweise stellen sich die Musiker mitten im Raum auf, der nicht besonders gross ist. Sie sind zu viert, jeder ausgestattet mit seinem Instrument, und dann legen sie los. Danach ist aber nicht etwa Schluss: Nein, sie debattieren noch über ihre Songs. Ich fand das grossartig und hatte das Gefühl, vor dem Altar der Musik zu beten.

Sie haben an sämtlichen Titeln dieses Albums mitgeschrieben, eine Premiere für Sie.
Ja, dabei war das nicht mal mein Ziel. Der beste Song soll gewinnen, egal, wer ihn schreibt. Ich habe mich einfach mal an den Schreibsessions beteiligt, auch weil ich für mein Leben gern schreibe. Und da ich gerade eine Trennung hinter mir hatte, kam dieses Thema natürlich in meinen Songs vor.


Das Ende der letzten Beziehung brach Kylie Minogue nicht das Herz: «Als Schluss war, war Schluss. Punkt.»

Womit Sie einen Volltreffer landeten. Können Sie uns Ihre genaue Gefühlslage nach der Trennung nochmals erklären?
Ich weiss aus früheren Beziehungen, wie man sich bei einem gebrochenen Herzen fühlt. Man sagt sich: «Was wird jetzt aus mir? Das war doch mein Traummann!» In solch einem Moment geht für einen die Welt unter, niemand und nichts kann diesen Schmerz mildern. Aber das war dieses Mal nicht der Fall. Als Schluss war, war Schluss. Punkt. Wir hatten zuvor beide gemerkt, dass wir nicht aus demselben Holz geschnitzt und somit nicht füreinander bestimmt sind. Also haben wir unsere Entscheidung getroffen … wobei zwischen dem Sich-Entscheiden und es ausführen ein grosser Unterschied besteht.

Das heisst?
Als sich unsere Beziehung dem Ende zuneigte und es richtig stressig wurde, habe ich mich nicht genügend um mich selbst gekümmert. Ich fühlte mich angeschlagen. Besser kann ich das nicht beschreiben. Ich verlor den Boden unter den Füssen. Aber ich bin robust und komme schnell wieder hoch, wenn es das Leben nicht gut mit mir meint. Diese dramatischen Momente habe ich im Album verarbeitet. Ich wollte ehrlich sein, mir, aber auch meinen Fans gegenüber.

Wie gehen Sie mit Ihrem 50. Geburtstag um, den Sie am 28. Mai feiern?
In meinem Alter habe ich viele Freunde um die 50. Wir machen oft Witze darüber, dass wir jetzt eine Brille tragen müssen oder Geräusche machen, die wir vorher nicht gemacht haben. Diese Phase gemeinsam zu erleben, ist tröstlich, aber auch befreiend. Man akzeptiert sich so, wie man ist.

Können Sie das Leben in vollen Zügen geniessen?
Ich hoffe ja. Dazu gehört für mich, auch mal allein zu sein. Dann verkrieche ich mich und geniesse diese ruhigen Momente. Bis ich irgendwann weiss: Jetzt brauche ich wieder jemanden. Dann komme ich aus meinem Schneckenhaus heraus.

Glauben Sie noch an die grosse Liebe?
Vielleicht glaube ich tatsächlich nicht mehr an die Vorstellung, die wir uns vom absoluten Glück machen. Aber eines ist sicher: Ich werde mich wieder verlieben. Ich lerne gerne jemanden kennen und liebe all das, was damit zusammenhängt. Aber ich bin nicht in Eile.

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