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Lara hat keine Angst. Nicht vor «ihrem» Lama und auch nicht vor dem Lindwurm im 100 Meter tiefen Seebergsee.














Fernweh: Das Gute liegt so nah

Tierfreundschaft schliessen im Diemtigtal. Dies ist eine von vielen Möglichkeiten, die gemeinsamen Ferien zu geniessen.

Lächelt das Lama Dalai oder fletscht es die Zähne? Am Anfang ist das nicht so klar, am Anfang haben der zweieinhalbjährige Nick und seine bald sechsjährige Schwester Lara ein bisschen Angst vor Dalai, Leolas und wie die grossen Tiere alle heissen. Doch bald zeigt es sich, dass die Lamas vielleicht nicht lächeln, aber ganz sicher lieb sind. Und ein paar andere gute Eigenschaften haben sie auch. Etwa diese: «Sie strahlen eine grosse Ruhe aus», wird Andrea Joder, die Mutter der beiden Kleinen später sagen. Damit erfüllt das Lama-Trekking bereits zwei wichtige Punkte für Familienferien: «Wenn Eltern mit kleineren Kindern Urlaub buchen, darf keine Angst im Spiel sein», sagt Roger Seifritz, Direktor der Familienferienspezialistin Reka. Tiere seien sowieso immer ein Highlight.

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Am liebsten möchte ich hier bleiben. »

Lara Joder, begeisterte Trekkerin.

Alles ausser Langeweile

Andrea und Res Joder aus Meikirch BE haben ganz bewusst ein zweitägiges Lama-Trekking bei Hugo Frieden in Zweisimmen im Berner Oberland gebucht. «Wir sind viel in der näheren Umgebung unterwegs, haben schon Urlaub auf einem Ponyhof gemacht und den Kleinen hat es immer gefallen», sagt Andea. Sie ist froh darüber: «Vor ein paar Jahren waren wir zwar mal mit Lara auf Menorca. Doch es hat sich gezeigt, dass so lange Reisen mit einem kleinen Kind relativ umständlich sind.» Bis jetzt hätten die Kinder zudem nie etwas am Ferienziel auszusetzen gehabt – im Gegenteil. «Am liebsten gehen sie dorthin, wo sie schon mal waren.»

Entgegen der landläufigen Meinung spucken Lamas (fast) nie Menschen an.

Entgegen der landläufigen Meinung spucken Lamas (fast) nie Menschen an.
http://www.coopzeitung.ch/Lama Entgegen der landläufigen Meinung spucken Lamas (fast) nie Menschen an.
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Alles, ausser Langweile. »

Roger Seifritz, Reka-Chef und Tourismusexperte

Das wird vielleicht nicht mehr lange so sein. «Je grösser die Kinder werden, je stärker ist ihr Einfluss auf die Wahl des Ferienorts», weiss Francis Scherly, Tourismuswirtschaftsprofessor an der Uni Lausanne. Diese Wahl werde immer häufiger im grenzenlosen Internet-Ferienangebot getroffen. «Profitiert von diesem Trend haben die Ferienclubs mit einem grossen Spielangebot für verschiedene Altersklassen.» Die Zukunft für Familienferien skizziert Scherly so: Familien mit einem kleineren Budget campieren oder machen Ferien auf dem Bauernhof.» Wer mehr für die Ferien aufwerfen kann, bucht All-inclusive-Ferien am Meer, vorwiegend in der Südtürkei. Im Kommen seien familienkompatible Kreuzfahrten.

Der Teufelsritt im Simmental antspricht einem Hufabdruck eines Lamas.

Der Teufelsritt im Simmental antspricht einem Hufabdruck eines Lamas.
http://www.coopzeitung.ch/Lama Der Teufelsritt im Simmental antspricht einem Hufabdruck eines Lamas.

«Es ist hönnä-cool»

Über All-inclusive-Ferien wissen die beiden Kinder noch nichts, hingegen hat Nick seine ganz eigene Meinung zum Lama-Trekking: «Es ist hönnä-cool». Und warum? Das hat viel mit den Tieren, der Natur und vor allem auch mit Hugo zu tun. Der einheimische Bio-Bauer führt als Erstes in die Welt der Lamas ein. «Sie stammen zwar aus Peru, sind aber verwandt mit Kamelen.» Und nein – ganz entgegen der landläufigen Meinung spucken die Lamas kaum je auf Menschen. Es sind Herdentiere mit einem Chef. Der hier heisst Leolas und läuft nicht vor, sondern hinter dem Trek: «Damit hat er den Überblick und kann eingreifen, wenn etwas passiert.»

Wandern macht hungrig: Umso besser schmecken die Älplermagronen.

Wandern macht hungrig: Umso besser schmecken die Älplermagronen.
http://www.coopzeitung.ch/Lama Wandern macht hungrig: Umso besser schmecken die Älplermagronen.

Wenn etwas passiert … Spannung, Abwechslung und auf jeden Fall keine Langeweile, das ist gemäss Roger Seifritz ein weiterer Punkt für gelungene Familienferien, vor allem wenn die Kinder schon etwas älter sind. «Im Reka-Dorf Disentis, das keine grossen Attraktionen hatte, haben wir darum eigens ein Goldgräberdorf aufgebaut – die Buchungen sind sprunghaft angestiegen.» Hier oben gibts kein Goldgräberdorf, aber hier scheinen die Felsen im Sonnenuntergang selber aus Gold zu sein. Doch vom Tal her kriechen schon die Schatten bergwärts, legen ihre Tatzen auf Alphütten, fast wie der Lindwurm – einer Art Drachen, der im Seebergsee wohnen soll. Die Kinder hängen an Hugos Lippen, während er vom Lindwurm erzählt und den Teufelstritt zeigt. Das ist ein Felsbrocken, auf dem der vergrösserte Fussabdruck – nein, nicht des Teufels – sondern eines Lamas zu sehen ist. Dabei gibt es hier diese Tiere erst seit wenigen Jahren.

Res Joder geht mit «seinem» Lama ruhig voran. So bleibt allen Zeit, die Landschaft zu geniessen.

Res Joder geht mit «seinem» Lama ruhig voran. So bleibt allen Zeit, die Landschaft zu geniessen.
http://www.coopzeitung.ch/Lama Res Joder geht mit «seinem» Lama ruhig voran. So bleibt allen Zeit, die Landschaft zu geniessen.

Die besten Älplermagronen

Bevor die Nacht alle verschluckt, stellt Hugo die Zelte hoch über dem Seebergsee auf. Lara und Nick schauen fasziniert zu, wie der Einheimische ein Feuer macht. Dann dürfen sie beim Schnetzeln von Kartoffeln und Zwiebeln mithelfen. Kurz darauf gibts nach Ansicht aller Anwesenden die besten Älplermagronen zwischen Zweisimmen und Wladiwostok. «Von diesem Feuer, von den Tieren und von Hugos Geschichten werden die Kinder noch ewig erzählen», sagt Andrea. «Es braucht so wenig, wenn sie noch klein sind. Doch das wenige gibt ihnen viel mehr als irgend ein Hotelaufenthalt.» Am nächsten Morgen geht es aber auch auf dem Lama-Trekking fast zu wie im Hotel.

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Das Trekking ist so etwas wie eine Lebensschule. »

Res Joder, Familienvater

Denn auf einmal steht da Angelika Winzeler mit Kaffee, Milch, Ovi und überhaupt allem, was es für einen guten Zmorgen braucht. Angelika ist die Partnerin von Hugo und erfüllt unbewusst eine Forderung des Tourismusexperten Seifritz: «Naturerlebnisse sind ein wichtiger Bestandteil von Familienferien, wenn dazu dann auch noch unerwartete Dienstleistungen kommen, dann ist es perfekt.» Nach dem Zmorge gehts talwärts. Res ist der Vaterstolz anzumerken, als er seine Tochter beobachtet, die mit «ihrem» Lama den Trek anführt. «Sie hat ihre Scheu überwunden. Man kann fast zuschauen, wie sie an Statur und Selbstvertrauen gewonnen hat. Das Lama-Trekking ist für sie fast so etwas wie eine Lebensschule», sagt er. «Vor Kurzem  waren Lamas für sie grosse, fremde Tiere. Und jetzt ist sie sozusagen auf Augenhöhe mit ihnen und hat keine Angst.» Dann ist es Zeit für den Abschied. Lara möchte am liebsten bleiben. Oder dann wenigstens «ihr» Lama mit nach Hause nehmen. Doch beides geht nicht.  Darum sagt sie beim Gehen: «Hey – ich komm einfach wieder.»

Mehr zum Lamatrekking im oberen Simmental

Mit Kindern in die Ferien

Babys: Die Anreise sollte kurz sein. Reisen Sie nachts, dann schläft das Baby (vielleicht). Ferien bringen Neues mit sich. Das gilt auch für Ihr Kind. Packen Sie daher nur wenige Lieblingsspielsachen ein. Zwei bis drei Vorlesebücher, eine Puppe oder ein Auto, Klötzchen und vielleicht einen Ball. Die Wickeltasche sollte zu Hause noch einmal aufgefüllt werden. Und ganz wichtig: Das Fehlen des Lieblingsnuggis oder des Schmusetuchs ist ein Garant für missglückte Ferien.

Kleinkinder: Fahren Sie erst mal nur für kurze Zeit weg. So können Sie herausfinden, wie sich Ihr Kind bei einem längeren Ausflug verhält und ob es noch Verbesserungspotenzial bei Kind und Eltern gibt. Kinder mögen in der Regel Musik. Wenn Sie nicht selber (mit-)singen, besorgen Sie die entsprechenden Lieder oder Hörspiele in der Bibliothek. Bilderbücher sind nicht gut geeignet: Kindern wird beim «Büechli-Luege» oft übel. Apropos übel: Falls es auf der Hinterbank im Auto plötzlich ruhig wird, ist Ihr Kind eingeschlafen oder es muss sich gleich übergeben. Plastiksäcke nicht vergessen.

Grössere Kinder: Sie wissen, was sie anziehen, lesen oder hören wollen. Seien Sie beim Packen trotzdem dabei, Sie ersparen sich Diskussionen auf der Reise und am Ferienort. Wird die Reise lang, helfen DVDs über die Langeweile hinweg. Kopfhörer nicht vergessen! Übrigens – Kinder hören auch heute noch gerne Märchen und Geschichten. Als Reiseproviant eignen sich Früchte, Vollkornbrot und viel Wasser/Tee, die Autoluft trocknet aus. Wasser in Kunststoffflaschen, Glasflaschen können beim Bremsen zu veritablen Geschossen werden.

«Familienferien machen zufrieden»

Dominik Schöbi, Professor am Institut, für Familienforschung und -beratung, Uni Fribourg

Dominik Schöbi, Professor am Institut, für Familienforschung und -beratung, Uni Fribourg
http://www.coopzeitung.ch/Lama Dominik Schöbi, Professor am Institut, für Familienforschung und -beratung, Uni Fribourg

Sind Familienferien wichtig für die familiären Bindungen?
Dazu gab es nie grosse Untersuchungen. Einige Studien zeigen jedoch, dass Familien, die ihre Ferien zusammen verbringen, zufriedener sind mit ihrem Familienleben als andere. Dass sie besser miteinander kommunizieren und Konflikte wirkungsvoller lösen.

Apropos Konflikte ...
Natürlich bergen Familienferien auch ein Risiko. Die gemeinsam verbrachte Zeit ist weniger strukturiert und geregelt als im Alltag. Dies führt zu intensiveren Interaktionen, wodurch Konfliktpotenzial entsteht.

Müssen Ferien abenteuerlich sein?
Bestehende Studien zeigen klar, dass das gemeinsame Entdecken von Neuem eine sehr positive Wirkung hat. Es fördert den Teamgeist und verstärkt den Zusammenhalt. Die Identität der Familie verändert sich ständig und diese Art von Erfahrung bewirkt eine positive Weiterentwicklung.

Ist es nicht auch anstrengend, immer etwas Originelles machen zu müssen?
Es stellt sich eher die Frage, ob die Familien die Möglichkeiten, die ihnen Ferien bieten, auch wirklich nutzen.

Inwiefern gestalten sich Ferien heute anders als vor 50 oder 60 Jahren?
Die meisten Familien verfügen heute über mehr Geld und das Angebot an Familienferien war noch nie so gross. Hotels bieten Kinderaktivitäten an, was den Eltern erlaubt, mehr Zeit für sich zu haben. Das ist besonders für die Frauen wichtig, deren individuelle Bedürfnisse in der Vergangenheit nicht immer respektiert wurden.

Zahlen und Fakten

* Quelle: Bundesamt für Statistik, 2012
** Quelle: Schweiz Tourismus, 2013

 
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Foto:
Heiner H. Schmitt, Charly Rappo/Arkive.ch, Hugo Frieden
Veröffentlicht:
Montag 29.09.2014, 18:55 Uhr

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