Völlig entspannt am Genfersee: WM-Teilnehmerin Lea Sprunger.

Lea Sprunger: «Schokolade macht mich glücklich»

Zielstrebig Sie ist schnell, hat grosse Ambitionen für die Leichtathletik-WM und backt gerne. Sie träumt von einem Garten voller Blumen und Kinder.

Mit der 4 × 100 m-Staffel sorgte sie letztes Jahr an der EM in Zürich für Schlagzeilen. Nun läuft Lea Sprunger (25) die 400 m Hürden und hat auf Anhieb die Limite für die WM in Peking unterboten.

Ihr Exploit hat die Leichtathletik-Welt verblüfft – Sie selbst auch?
Ja, es ist verrückt! Ich wusste zwar, dass ich in dieser Disziplin Potenzial habe, doch hatten alle gewarnt, dass ich nach dem Wechsel Geduld haben müsse. Es könne ein bis zwei Jahre dauern, bis ich die Technik und Härte habe, um Spitzenleistungen erbringen zu können.

Warum haben Sie schon zum zweiten Mal in Ihrer Karriere die Disziplin gewechselt?
Vor zwei Jahren wollte ich die Olympia-Qualifikation erreichen und wusste, dass mir das im Siebenkampf kaum gelingen würde. Über 200 m schaffte ich es aber. Für meinen Traum von einer EM-Medaille oder einem WM-Finale bin ich nun auf die 400 m Hürden umgestiegen.

Weshalb nicht auf die flache Stadionrunde?
Die Hürden machen mir mehr Freude und die «Marktanalyse« hat ergeben, dass Europäerinnen eher in Disziplinen in WM-Finals vorstossen, wo eine komplexe technisch-taktische Ausbildung von Bedeutung ist, und nicht dort, wo es primär aufs Laufvermögen ankommt.

Was war die grösste Herausforderung?
Die unbekannte Distanz zwischen den 800 m, die ich vom Siebenkampf kannte, und den 200 m, die ich zuletzt gelaufen war. Für die 400 m Hürden musste ich lernen, am Ende mit übersäuerten Muskeln zu rennen. Das ist körperlich und auch mental sehr hart – in den Startblöcken zu hocken und zu wissen, dass man grosse Schmerzen haben wird!

 
Jede Woche die neusten Themen im Newsletter! Hier abonnieren »
 

Arbeitsgerät: die Rennschuhe mit Spikes.

Arbeitsgerät: die Rennschuhe mit Spikes.
Arbeitsgerät: die Rennschuhe mit Spikes.

Holen Sie sich auch blaue Flecken?
Nein! Da die Hürden auf dieser Distanz nur 76 cm hoch sind und ich lange Beine habe, berühre ich sie praktisch nie. Die Schwierigkeit liegt für mich nicht darin, die Hindernisse zu überqueren, sondern meinen Rhythmus zu finden, damit ich zwischen den ersten acht Hürden mit 15 Schritten und am Ende mit 16 Schritten flüssig durchkomme.

Was rechnen Sie sich für die WM aus?
Schwer zu sagen. In der Weltjahresbestenliste bin ich etwa auf Rang 25, wobei nicht alle vor mir Klassierten in Peking am Start sein dürften. Wenn ich an meine Bestzeit herankomme, liegt das Halbfinale drin. Gegen viel schnellere Konkurrenz zu laufen ist aber schwierig, weil die Bezugspunkte auf den Nebenbahnen fehlen.

Werden Sie auch wieder mit der 4 × 100 m-Staffel antreten?
Wir sind noch nicht qualifiziert, aber zu 95 Prozent sollte es klappen. Vom letztjährigen Quartett wird leider meine Schwester Ellen nicht dabei sein, da sie sich einer Achillessehnen-Operation unterziehen musste. Wir werden aber trotzdem eine schnelle Equipe haben.

«

Es ist hart zu wissen, dass man grosse Schmerzen haben wird.»

Hat Ihre vier Jahre ältere Schwester Sie eigentlich zur Leichtathletik gebracht?
Anfangs begleitete ich sie bloss zum Training und wollte alles, was sie tat, auch machen – mit dem selben Erfolg. Irgendwann wollte ich nicht mehr nur die kleine Schwester sein. Gerade weil wir recht verschieden sind, finde ich es etwas Besonderes, dass wir als Athletinnen intensive Momente teilen können.

Woran denken Sie da?
Die gemeinsamen Erfolge mit der Staffel waren sehr emotionale Erfahrungen, aber auch die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in London, als ich Seite an Seite mit meiner Schwester ins Stadion einmarschierte und wusste, der Rest der Familie sitzt im Publikum.

Weshalb reden Sie vor allem Französisch und Ihre Schwester Schweizerdeutsch?
Wir sind in Gingins oberhalb von Nyon aufgewachsen, doch meine Mutter ist Bernerin und mein Vater Basler. Da sie mit Ellen Mundart sprachen, hat sie erst in der Schule Französisch gelernt, und wir jüngeren Geschwister dann schon mit ihr. Ellen studiert auch in Bern und Biel, während ich in Lausanne lebe.

Familienfoto: Erinnerung an Olympia 2012.

Familienfoto: Erinnerung an Olympia 2012.
Familienfoto: Erinnerung an Olympia 2012.

Aus welchem Grund starten Sie beide für Ihren Stammverein COVA Nyon?
Es ist zwar nur ein ganz kleiner Klub mit beschränkten finanziellen Mitteln und wenigen Athleten, aber wir wollen damit unsere Verbundenheit ausdrücken – mit dem Klub ebenso wie mit dem Trainer Jacques Binder, dem wir die Basis für unsere Karriere verdanken.

Woran haben Sie neben der Leichtathletik besonders Freude?
Wenn ich freie Zeit habe, besuche ich meine Eltern, meinen Bruder, die kleine Schwester oder Freunde. Es ist mir sehr wichtig, auch etwas mit Menschen zu unternehmen, die nicht mit Sport zu tun haben. Ich liebe die Natur, besonders Pflanzen, und backe gerne! Leider entspricht das gar nicht meinem Ernährungsplan als Leistungssportlerin …

Was backen Sie denn am liebsten?
Alles mit Schokolade, denn die macht mich glücklich!

Und wer kann das sonst noch?
Das behalte ich für mich.

Wie sehen Sie sich in zehn Jahren?
Mit einem Beruf, der mir gefällt, einem Haus und einer Familie mit Kindern, die durch meinen Garten voller Blumen rennen! Das klingt nach Klischee, aber ich hatte eine schöne Kindheit in einem Chalet am Waldrand. Meinen eigenen Kindern möchte ich einmal etwas Ähnliches bieten.

Wichtige Daten im Leben von Lea Sprunger

1990 Sie kommt am 5. März in Nyon VD zur Welt als drittes Kind von Eltern aus der Deutschschweiz.

2009 An der U20-EM in Novi Sad holt sie die Bronzemedaille im Siebenkampf.

2012 Bei den Olympischen Spielen in London startet sie über 4 × 100 m und 200 m.

2014 An der Athletissima in Lausanne läuft sie mit der 4 × 100 m-Staffel CH-Rekord.

2015 Über 400 m Hürden qualifiziert sie sich für die Leichtathletik-WM in Peking.

Homepage von Lea Sprunger »



WM-Qualifikation in La-Chaux-de-Fonds

Video-Porträt (in Französisch)

Mit Schwester Ellen bei SRF «glanz & gloria»

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Marius Affolter
Veröffentlicht:
Montag 27.07.2015, 17:00 Uhr

Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?