Ein «kleiner Knopf» mit grossem Talent: Lina Button schreibt ihre Songs selber.

Lina Button: «Eine sehr einsame Angelegenheit»

Doppelrolle Mit Mundartliedern hat sie die Herzen der Kinder schon lange erobert. Für die Erwachsenen schreibt sie Popsongs. Und das mit Erfolg.

Die Begeisterung fürs Singen hat sie schon in Schülerbands ausgelebt und durch das Studium an der Zürcher Hochschule der Künste zum Beruf gemacht. Seither ist Brigitt Zuberbühler (32) nicht nur mit dem Kindermusik-Quartett «Silberbüx» erfolgreich unterwegs: «Misty Mind» ist bereits die dritte Solo-CD der Thurgauerin unter ihrem Künstlernamen Lina Button.

Woher kommt die Aufbruchstimmung, die aus dem neuen Album herauszuhören ist?
Ich habe beim Songschreiben gemerkt, wie leicht es mir gefallen wäre, wie auf den ersten beiden Alben die Singer-Songwriter-Blues-Pop-Muster zu benutzen, die ich seit meiner Kindheit kenne. Mir war es aber wichtig, meine Schüchternheit zu überwinden, mich selbst herauszufordern und einen Schritt weiter zu gehen. So liess ich auch soundtechnisch neue Dinge einfliessen, um einen Stillstand zu vermeiden.

Träumten Sie schon als Teenager davon, ein Star zu werden?
Als ich in Schülerbands gesungen habe, hätte ich niemals daran zu denken gewagt, dass die Musik mein Beruf werden könnte. Bei den Konzerten habe ich zwischen den Songs den Mund kaum aufgebracht – es war eine Katastrophe! Inzwischen macht es mir allerdings Spass, mit dem Publikum zu kommunizieren.

Fällt es Ihnen als Künstlerin leichter, Ihre Schüchternheit zu überwinden denn als Privatperson?
Nein, ich bin in beiden Bereichen eher zurückhaltend. Ich muss nicht vorpreschen und überlasse lieber anderen das Wort. Die Ellbogen auszufahren ist nicht meine Art. Mir ist es lieber, wenn meine Musik im Mittelpunkt steht.

 
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Die meisten Musiker entdecken den Blues erst nach dem Pop für sich. Wieso ist das bei Ihnen umgekehrt?
Ich stamme aus einem Elternhaus, in dem man den Blues und Pop intravenös bekommen hat. Da mir das Bluesige gesanglich sehr liegt, lag der Fokus zunächst mehr dort. Pop ist für mich jedoch nicht weniger ernsthafte Musik. Ihre Vielfalt habe ich auf «Misty Mind» auszuloten versucht.

Hat es Ihre Fantasie beflügelt, dass Sie ohne Fernsehen aufgewachsen sind?
Das kann ich mir vorstellen, aber nicht mit Bestimmtheit beurteilen. In unserem Quartier haben meine anderthalb Jahre ältere Schwester und ich viel und fantasievoll mit den Nachbarkindern gespielt. In der Mittel- und Oberstufe war ich oft allein in meinem Zimmer, habe Musik gehört und mitgesungen.

Glückswildsau – das Werk einer Freundin.

Glückswildsau – das Werk einer Freundin.
Glückswildsau – das Werk einer Freundin.
«

Pop ist für mich nicht weniger ernsthafte Musik als Blues.»

Stimmt es, dass Sie ein Jahr im stillen Kämmerlein an der CD gearbeitet haben?
Ja, ich habe das ganze Album in meinem Schlafzimmer geschrieben. Wenn ich einen Büschel Songs beieinander hatte, zeigte ich sie den Produzenten, aber sonst war das eine sehr einsame Angelegenheit. Früher konnte ich mich zum Songschreiben immerhin in eine idyllische Umgebung im Thurgau zurückziehen, doch nun wohnt meine Mutter ebenfalls in einer Stadt.

Wieso sind Sie denn nach Zürich gezogen?
Ich habe an der Hochschule der Künste Musik- und Bewegungspädagogik studiert, wofür man sehr viel tanzen und Instrumente üben muss. Als ich merkte, dass ich beim Pendeln zwischen Pfyn und Zürich zu viel Zeit verlor, habe ich mir eine Wohnung genommen und es nie bereut. Zwar fehlt mir hier der Bodensee, der weniger überlaufen ist als der Zürichsee, doch dafür ist das berufliche Umfeld toll. Ich kann mich einfach mit Musikerkollegen austauschen, mit dem Velo in fünf Minuten ins Studio meines Produzenten Thomas Fessler fahren oder mit Freunden das vielfältige kulturelle Angebot nutzen.

Details jeder CD-Produktion landen im Moleskin.

Details jeder CD-Produktion landen im Moleskin.
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Sie spielen auch für Kinder – mit dem Quartett «Silberbüx». Wie kam es dazu?
Wir haben uns vor neun Jahren während des Studiums gefunden. Zuerst spielten wir Jazz und realisierten dann, dass es uns mit dieser Formation vor allem am Herzen liegt, für Kinder Lieder zu schreiben und Konzerte zu geben. Wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache, sage ich, dass Lina Button mein Hauptprojekt und «Silberbüx» mein zweites Standbein ist.

Weshalb haben Sie sich einen Künstlernamen zugelegt?
Um im Singer-Songwriter-Bereich auf Englisch Musik zu machen, passt Brigitt Zuberbühler überhaupt nicht. Nach langem Suchen habe ich mich zuerst für das kurze, prägnante und weiche Lina entschieden. Der Nachname sollte etwas härter klingen und ohne ein schwer aussprechbares «th» darauf hinweisen, dass ich auf Englisch singe. Button traf dann den Nagel auf Kopf, weil ich eine Frühgeburt und deshalb ein mega kleiner Knopf war!

Vier Daten im Leben von Lina Button

1996 Erste Gesangsstunden. Ein Jahr später ist sie Sängerin im Schülerorchester.

2008 Sie kündigt ihre Stelle als Musiklehrerin und setzt voll auf die Karriere als Künstlerin.

2009 Erste Konzerte als Lina Button. Zwei Jahre darauf erscheint ihr Debütalbum «Homesick».

2012 Sie wird von SRF3 als «Best Talent» bei den Swiss Music Awards nominiert.

Offizielle Website von Lina Button »

Die neue CD

Das schreibt ihre Plattenfirma: Für das dritte Album «Misty Mind» verlässt Lina Button musikalisch und gesanglich bewusst ihre Komfort-Zone. Die Singer/Songwriterin kreiert neue Melodien. Erforscht neue Spektren. Schneidert neue Soundkleider. Fokussiert geht sie diesen Weg und gibt mit ihrem neuen Werk trotz einiger Fragezeichen ein dickes Ausrufezeichen von sich. Denn die zwölf Songs haben Ausdruckskraft. Beschreiben Themen, die jeder kennt. Liefern eingängige Melodien, kombiniert mit echten Instrumenten und elektronischen Farbtupfern. Die musikalische Bandbreite geht weit über den Blues-Pop hinaus. Lina Button musiziert so, wie man sie bisher noch nicht gehört hat. Trotzdem ist sich treu geblieben. Lina Button ist erwachsen – und gleichzeitig irgendwie jünger geworden.

«Misty Mind»

«Copy & Paste» (2013)

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 24.08.2015, 17:01 Uhr

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