Loslassen: Mercedes E-Klasse

Assistenzsysteme In der oberen Mittelklasse bietet Mercedes besonders sichere Autos. Alles funktioniert beinahe wie von selbst.

Für dieses Auto bin ich nach 27 Jahren Führerschein offenbar untauglich. Nicht, weil so eine neue Mercedes E-Klasse so kompliziert in der Bedienung wäre. Oder zu flott für das Reaktionsvermögen eines Mittvierzigers. Nein, ich kann mich einfach nicht überwinden, bei Tempo 120 die Hände vom Steuer zu nehmen – das Vertrauen bringe ich nicht auf. Noch nicht.

 
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Fahren mit Autopilot

Beschleunigen, bremsen, lenken – all dies könnte die über 4,90 Meter lange Limousine (die ein wenig ausschaut, als hätte man die kleinere C-Klasse einfach aufgepustet) auch alleine. Aber selbst der Chefverkäufer von Mercedes, Vorstand Ola Källenius, sagt dazu noch nicht autonomes, sondern pilotiertes Fahren. Eben so, wie im Flugzeug der Autopilot nur Routinemanöver übernimmt und sein menschlicher Kollege immer dann zum Steuerknüppel greifen muss, wenn es heikel wird.

Ich fühle mich im Cockpit eher in ein Raumschiff versetzt, da mir die Infos statt auf analogen Instrumenten mit zwei extrabreiten Monitoren angezeigt werden. Heikel wird das Fahren mit Autopilot in der E-Klasse immer dann, wenn die Kurven eng werden und in kurzen Abständen folgen. Auf der Autobahn folgt der Fünfplätzer brav der Spur, liest das zulässige Tempo von den Verkehrsschildern, und wenn man am Blinkerhebel zieht, wechselt er sogar alleine die Fahrspur – vorausgesetzt, dass von hinten kein anderes Auto naht. Ideal, um entspannt von Bern nach Zürich zu rollen. Doch auf der Landstrasse geht nichts ohne die Hände am Steuer, weil der Autopilot die Räder nicht so weit einschlagen darf, wie es in engen Kehren nötig wäre.

Grosse Displays dominieren das Cockpit.

Grosse Displays dominieren das Cockpit.
Grosse Displays dominieren das Cockpit.

Aufmerksame Assistenten

Dafür passen Radar, Infrarotsensoren und die Frontkamera mit auf und lösen Notbremsungen aus, beispielsweise, wenn der Fahrer nicht bemerkt, dass er sich einem Stauende nähert oder dass ein Auto quer kreuzt. Was ich natürlich nur auf einem Testparcours ausprobiert habe! Besonders dramatisch wird es aber, wenn die Elektronik eben nicht abbremst, weil sie vorhersieht, dass das von links kommende Auto schnell genug den Weg freimacht – diesen Adrenalinstoss müsste ich nicht täglich haben. Doch unaufmerksam oder allzu vertrauensselig darf ich sowieso nicht werden: Schnee, Regen oder blendende Sonne können die Sensorik auch einmal irritieren oder ganz untätig werden lassen. Und kommt es zum Unfall, trage ich als Fahrer immer die volle rechtliche Verantwortung – ganz gleich, ob ich selbst versagt habe oder die Technik.

Will man den kompletten Autopiloten an Bord haben, muss man für die ohnehin nicht ganz günstige E-Klasse einige Optionen mitbestellen. Doch nur schon ein paar Hundert dieser Autos machen unsere Strassen ein Stück sicherer. Vor allem, wenn sie künftig untereinander kommunizieren und sich so auf Staus, Baustellen oder Gefahren hinweisen. Wenn dann eine E-Klasse bremst, sind auch die Fahrer hinter ihr gewarnt. Und die Erfahrung zeigt: Solche Technik fällt immer von oben nach unten und kommt dann verfeinert und optimiert auch in den kleinen Modellen an. Dann werde ich auch volles Vertrauen fassen. Jedenfalls beinahe.

Mercedes E 220d

Motor & Antrieb
4-Zylinder-Turbodiesel,
2 Liter, 90 kW/122 PS,
9-Stufen-Automatik,
Heckantrieb

Verbrauch & CO2
3,9 l/100 km,
102 g/km CO2,
Euro 6, Energieetikette A

Preis
ab 58'845 Franken

Platzangebot    ****
Komfort *****
Kosten/Nutzen    
***

   
           
    

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Text:
Andreas Faust
Foto:
zVg
Veröffentlicht:
Montag 25.04.2016, 17:00 Uhr

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