Spinnrad inklusive; Jolanda Steiner in der «Märchenwelt» von Schloss Schauensee in Kriens.

Märchen: Die Kunst des Erzählens

Jolanda Steiner ist so etwas wie die geistige Nachfolgerin von Trudi Gerster. Sie fordert alle Eltern auf: «Erzählt euren Kindern Märchen.»

Von Jolanda Steiner, mit Jolanda Steiner: Wenn es um Märchen geht, kommt man in der Deutschschweiz um die Krienserin Jolanda Steiner kaum herum. Kürzlich hat eine Kinder-Jury sie sogar zur Märchen-Königin gekürt. Jolanda Steiner (53) ist eine moderne Märchenerzählerin. Sie erzählt frei und untermalt die Geschichten mit Perkussionsinstrumenten und Geräuschen. Letztere übt sie auf ihren Autofahrten zu den Auftritten: «Ich habe eine Geräusch-CD im Auto und übe Geräusche», erzählt sie: miauen wie eine Katze, rauschen wie das Meer oder blubbern wie das Moor. Sie übt alle Geräusche.

Bei ihren Auftritten erweisen sich diese Stimmübungen als wichtig. Mit dem Variieren der Stimme erzeugt sie Spannung und Atmosphäre Eine sich öffnende Tür wird viel geheimnisvoller, wenn sie dabei knarrt, und der Wind wird gleich stärker, wenn er zu hören ist. Jolanda Steiner, die eigentlich gelernte Kindergärtnerin ist, hat mit dem Märchenerzählen eine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Rund 100 Mal pro Jahr tritt sie auf, in Schulen, an Festen oder bei öffentlichen Anlässen. «Kürzlich habe ich sogar in einer Kläranlage Märchen erzählt», berichtet sie. Geschichten erzählt habe sie schon immer gerne. Als Kind habe sie die alten Märchen-Platten von Trudi Gerster angehört und mit ihren Kasperli-Figuren nacherzählt. Und heute sagt sie aus  Überzeugung: «Mein Leben verläuft wie ein Märchen.» Das bedeutet nicht, dass sie in einem Schloss wohnt. Für das Foto auf dieser Seite war sie nur zu Besuch im Schloss Schauensee in Kriens. Die Bemerkung, ihr Leben verlaufe wie ein Märchen, geht tiefer: «Es gab einige Schlüsselmomente, die mein Leben stark prägten», erzählt sie.

Eines dieser Schlüsselereignisse ist die Geschichte eines Mädchens, dem seine Mutter eine Märchen-CD geben wollte, weil die, die man auf der CD hört, Geschichten viel besser erzählen können als sie selber. Das Mädchen beharrte aber auf der Mutter als Erzählerin mit dem Argument: «Die CD nimmt mich nicht auf den Schoss.» Man könnte Jolanda Steiners Anliegen nicht besser umschreiben. Wenn sie als Märchenerzählerin auftritt oder Tonträger aufnimmt, macht sie das natürlich, um die Kinder zu unterhalten. Sie macht es aber auch, um die Erzählkunst am Leben zu erhalten und andere anzuregen, dies auch zu tun. «Geschichten zu erzählen heisst, Zeit gemeinsam zu verbringen, gemeinsam eine gedankliche Erlebnisreise zu unternehmen. Was kann es Schöneres und Wertvolleres geben?»

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Davide Caenaro, zVg
Veröffentlicht:
Montag 29.09.2014, 18:40 Uhr

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