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Lily James (25) als Disneys neue Cinderella auf dem Ball.

Als Schlosskulisse diente Disneys Cinderella eine digitalisierte Version des barocken Dresdner Zwingers.

«Alice im Wunderland» (2010) von Disney spielte mehr als das Fünffache seines Budgets ein.

In der Fantasy-Adaption «Snow White and the Huntsman» spielte Kristen Stewart Schneewittchen.

Märchen: Publikumsmagnete im Film

Cinderella neu im Kino – ein Déjà-vu? Na und! Die Werte in Märchen sind zeitlos. Sie locken auch heute Kinogänger und TV-Zuschauer. Darum sind zum Beispiel im Auftrag der ARD seit 2008 ganze 34 Märchen verfilmt worden und vier neue kommen dieses Jahr hinzu.

Nun also ist Disneys Neuverfilmung von Cinderella in den Schweizer Kinos zu sehen. Eine alte Geschichte? Ja natürlich, gehört sie doch zur berühmten Sammlung Kinder- und Hausmärchen, die Jacob und Wilhelm Grimm, genannt die Brüder Grimm, von 1812 bis 1858 herausgaben. Doch eigentlich ist Cinderella zeitlos. Das hat sie mit vielen anderen Märchen gemein. Und Geschichten, die sich über Jahrhunderte als Dauerbrenner halten, können mit aktuellen Filmstars doch nur brillieren. So ist im neusten Cinderella-Film von Disney die Jungschauspielerin Lily James, die sich in der britischen TV-Serie «Downton Abbey» einen Namen machte, in der Hauptrolle zu sehen. Schauspielikone Cate Blanchett verleiht der bösen Stiefmutter die gewünschte Ausstrahlung.

Märchen faszinieren auch heute

Über 3,5 Millionen Zuschauer sahen Marianne Sägebrecht als «Frau Holle» in der ARD-Verfilmung von 2008 an einem Nachmittag.

Über 3,5 Millionen Zuschauer sahen Marianne Sägebrecht als «Frau Holle» in der ARD-Verfilmung von 2008 an einem Nachmittag.
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Deshalb werden von grossen Studios und von Rundfunkanstalten auch heute noch Märchen verfilmt. Die ARD beispielsweise arbeitet seit Jahren mit weiteren deutschen Anstalten zusammen, um jährlich neue Märchenverfilmungen zu realisieren. ARD-Redakteur Bernhard Möllmann begründet das so: «Die Kernbotschaften von Märchen sind zeitlos: Verliere nicht den Mut, glaube an dich selbst! Geben ist seliger denn Nehmen! Hochmut kommt vor dem Fall!» Wenn man sie neu interpretiere und nicht mit gestrigen Rollenmustern und Moralvorstellungen erzähle, entfalteten Märchen auch in der heutigen Zeit ihre Faszination.

Die Urheber von Volksmärchen sind heute unbekannt. Die Märchen wurden ursprünglich vom einfachen Volk und eigentlich für Erwachsene mündlich überliefert. Die Gebrüder Grimm waren im deutschen Sprachraum massgeblich dafür verantwortlich, dass Märchen kindertauglich wurden, indem sie die alten Geschichten sammelten und – nachdem ihre Sammlung in der Originalversion floppte – sie für Kinder umschrieben.

Es gibt viele Versionen

In «Drei Nüsse für Aschenbrödel» verkleidet sich Libuše Šafránková (Aschenbrödel) als Jäger.

In «Drei Nüsse für Aschenbrödel» verkleidet sich Libuše Šafránková (Aschenbrödel) als Jäger.
http://www.coopzeitung.ch/Maerchen_+Publikumsmagnete+im+Film In «Drei Nüsse für Aschenbrödel» verkleidet sich Libuše Šafránková (Aschenbrödel) als Jäger.

Von Cinderella sind diverse historische Versionen im Umlauf. Das hängt zum Teil auch von der Sprachregion ab. Im deutschen Sprachraum kennen wir das Märchen heute aus der Sammlung der Gebrüder Grimm mit dem Namen Aschenputtel: Aschenputtel bekommt ihr Ballkleid und die gläsernen Schuhe von einem Bäumchen, das am Grab ihrer Mutter gepflanzt ist. In einer französischen Sprachversion hat Cendrillon eine gute Fee, die ihr Ballkleid, Glasschuhe und Kutsche bis Mitternacht zur Verfügung stellt. Auch die deutsch-tschechische Märchenproduktion «Drei Nüsse für Aschenbrödel» ist in der Essenz dieselbe Geschichte. In allen Versionen wird die Hauptfigur von der Stiefmutter und den bösen Stiefschwestern geplagt. Sie darf nicht zum Ball auf dem Schloss und schafft es aber mit Hilfe doch. Sie bekommt am Schluss ihren Prinzen, der erkennt, dass sie diejenige war, die ihm auf dem Ball den Kopf verdreht hat. Er erkennt sie daran, dass ihr der Schuh passt, den sie bei der Flucht aus dem Schloss verloren hat.

Kassenschlager und Quoten

Bernhard Möllmann, ARD

Bernhard Möllmann, ARD
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Es lohnt sich jeder Taler, jedes Goldstück.»

Bernhard Möllmann, ARD

«Im Durchschnitt schauen rund zweieinhalb Millionen Zuschauer die Märchenfilme im Weihnachtsprogramm des Ersten», sagt Bernhard Möllmann. Bei «Frau Holle» könnten es aber auch schon mal mehr als 3,5 Millionen Zuschauer sein. «Das ist für den Nachmittag mehr als beachtlich.» Die ARD hat, laut Möllmann, das Märchenformat «Sechs auf einen Streich» ins Leben gerufen, weil sie ein mitteleuropäisches Kulturgut auffrischen und bewahren möchte. Zudem hätten Märchenfilme eine sehr hohe Haltbarkeitsdauer. «Sie sind ‹repertoirefähig›, sagt man in der Fernsehbranche», fügt Möllmann an. So spielt die ARD die Märchen nach der Premiere zu Weihnachten auch über das Jahr auf dem Märchenplatz am Sonntagmorgen im Ersten, in den Dritten Programmen, beim KI.KA – und sogar bei 3sat gibt es seit Jahren Thementage mit Märchen aus dieser Reihe. Also lohnen sich Märchenverfilmungen in Eigenproduktion als TV-Sender? Möllmann erklärt: «Auf jeden Fall, denn dann verfallen die Ausstrahlungsrechte nicht nach fünf, sieben oder zehn Jahren. Insofern lohnt sich jeder Taler, jedes Goldstück.»

Märchenfans werden sich also auch künftig auf weitere Verfilmungen freuen dürfen. Möllmann kündigt für die ARD an: «Mitte März beginnen die Dreharbeiten für ‹Nussknacker und Mausekönig› in Sachsen-Anhalt. Dass der MDR und Radio Bremen in dieser Reihe einen Märchenfilm nach einer Erzählung von E.T.A. Hoffmann machen, ist ein Novum.» Im Weihnachtsprogramm 2015 sollen insgesamt vier neue Märchenfilme zu sehen sein – welche, wird noch bekannt gegeben.

«Ihre Kraft ist im Innern»

Die englische Schauspielerin Lily James (25) spielt eine starke und gefühlvolle Cinderella in der neuen Disney-Verfilmung, die seit 12. März in den Deutsch-schweizer Kinos läuft.

Yoga und Meditation halfen Lily James’ Cinderella zu spielen.

Yoga und Meditation halfen Lily James’ Cinderella zu spielen.
http://www.coopzeitung.ch/Maerchen_+Publikumsmagnete+im+Film Yoga und Meditation halfen Lily James’ Cinderella zu spielen.

Was bedeutet Ihnen Cinderella? Weckt sie Kindheitserinnerungen?
Geprägt haben mich vor allem die Lieder aus den Disney-Zeichentrickfilmen. Ich singe zum Beispiel gerne das Lied «A Dream is a Wish your Heart makes» vor mich hin, das am Ende unseres Cinderella-Films zu hören ist. Ich liebe die Idee, dass der Traum und unsere Vorstellungskraft uns weiterbringen. Für mich hat diese Musik etwas Magisches, etwas Romantisches.

Ihr Film verherrlicht die Güte. Ist diese heute nicht aus der Mode gekommen?
Vielleicht versuchen wir ja, diesen falschen Eindruck zu ändern. Güte kann nicht ein Trend oder altmodisch sein. Sie ist ein Teil der menschlichen Natur. Ich bevorzuge nette Leute. Ausserdem ist es auch möglich, nett zu sein und mal wütend zu werden.

Stimmt es, dass Ihre Cinderella von Gandhi und Mandela inspiriert ist?
Wir haben diesen Vergleich zusammen mit Regisseur Kenneth Branagh vermieden, um nicht anmassend zu wirken. Die Idee, Gewalt nicht mit Gewalt zu bekämpfen war nützlich für mich, um zu verstehen, weshalb Cinderella so reagiert, wie sie es tut, wenn sie von ihrer Stiefmutter angegriffen wird. Zudem habe ich viel Yoga und Meditation praktiziert, um ein gutes Bewusstsein für meinen Körper zu bekommen. Cinderella lebt den Moment, was im alltäglichen Leben nicht immer ersichtlich ist. Wenn ich mal eine Woche kein Yoga gemacht habe, hatte ich Schwierigkeiten, den Charakter zu spielen.

Die Umsetzung der Geschichte ist sehr klassisch.
Sie ist traditionell, aber wir haben auch keinen Grund, die Geschichte komplett auf den Kopf zu stellen – etwa Cinderella in ein superstarkes Mädchen zu verwandeln, wie es oft passiert, wenn Hollywood versucht, Prinzessinnengeschichten zu modernisieren. Ihre Kraft ist im Innern und ihr Weg ist jener der Aussenseiterin. Es ist eine Geschichte über ein Mädchen, dessen Güte am Ende triumphiert. Ich weiss, dass das Gute im Leben nicht immer belohnt wird, aber unser Ziel ist es, die Kinder zu inspirieren. Als ich das Drehbuch gelesen habe, war ich sehr erfreut, dass die Erzählung nicht verändert worden ist.

Wie erklären Sie sich ihre Beständigkeit?
Ich glaube, wir sind alle auf der Seite der Aussenseiterin, des Mädchens, das nichts hat und am Ende alles bekommt. Und dann ist da noch der Traum – wie bei allen Märchen – viel Humor, Magie, Liebe und Tanz. Es ist wirklich eine fantastische Geschichte.

Haben Sie momentan das Gefühl, in einem Märchen zu leben?
Ja, vor allem, als ich an der Filmpremiere war. Meine Mutter und meine Brüder sind angereist und hatten sich alle schick angezogen. Ich habe für die Fotografen auf dem roten Teppich posiert zwischen Cate Blanchett und Helena Bonham Carter, zwei der grössten Schauspielerinnen unserer Zeit. Und ich habe eine Dior-Robe getragen!

Haben Sie geschrien oder geweint, als Sie die Rolle bekamen?
Ich hab geschrien. Ich musste durch ein Vorsprechen und es war Kenneth Branagh, der mich persönlich anrief, um mir die gute Nachricht mitzuteilen. Er sagte, ich müsse es bis zur offiziellen Verkündung für mich behalten. Ich stand wieder für «Downton Abbey» vor der Kamera (Lily James stellt Lady Rose in der Serie dar, Anm. d. Red.) und dachte, ich würde explodieren. Ich bin fast gestorben, weil ich unbedingt allen davon erzählen wollte. Der Moment kam, wir unterbrachen den Dreh einer Szene und mein Kollege Hugh Bonneville verkündete dem gesamten Team «unsere Lady Rose wird Cinderella spielen!» Es war hinreissend.

Interview: Miguel Cid

...  ist Ihr Lieblings-Märchen?

Wir kennen sie alle: Dornröschen, Schneewittchen, Tischlein deck dich uvm. Doch welches ist denn nun das Beste aller Besten? Sagen Sie es uns! Wählen Sie Ihr Lieblings-Märchen und küren Sie somit den Sieger des Titels: «Coopzeitungs-Märchen-des-Jahres».

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Als kleine Hilfe soll folgende Bildergalerie dienen! Viel Spass beim Durchsehen.

 

Seit dem 12. März 2015 läuft die Neuverfilmung von «Cinderella» nun in den Deutschschweizer Kinos. Wie kam der Film bei unserer Redaktion an? Lesen Sie hier die Filmkritik dazu:

Gewinnen Sie ein traumhaftes Wochenende im Disneyland Paris.

Coop organisiert zusammen mit Diseny einen grossen Wettbewerb zum Filmstart von «Cinderella». Gewinnen Sie einen von 30 Aufenthalten für vier Personen im Disneyland Paris inkl. Einladung an den «Zauber vor Mitternacht-Ball».

Teilnahmeschluss ist der 11. April 2015.

Hier gehts zum Wettbewerb
 
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Annina Striebel

Redaktorin

Illustrationen: Loredana Steiner

Interview: Miguel Cid

Foto:
Disney, Alamy, zVg
Veröffentlicht:
Montag 16.03.2015, 17:59 Uhr

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