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Stefanie Anderegg
schreibt am 04.03.2012


Magie der Einöde

38°C erwarten uns bei der Landung am Ufer des Turkana-Sees. Der verlockende Swimming-Pool in der Palmenoase verspricht Abkühlung in der drückenden Hitze hier oben, fernab von jeder Zivilisation.

Doch weit gefehlt – eine heisse Quelle speist den Pool. Das Wasser hier muss einer der Gründe sein, weshalb sich das Turkana-Volk ausgerechnet hier angesiedelt hat, in dieser Steinwüste, wo eine schier unerträgliche Hitze herrscht. Die Kinder scheint’s wenig zu kümmern, sie kommen uns barfuss auf den feurig heissen Steinen entgegen und die Frauen tragen ihre Lasten über lange Kilometer durch die Mondlandschaft.

Trotz den harschen Bedingungen blitzen uns rundum strahlende Lächeln entgegen, fröhliche Kinder umringen uns „mzungus“ neugierig. Einige trauen sich etwas weiter vor, betasten vorsichtig unsere Haut und die Haare. Unser Besuch im Fischerdorf des winzigen El Molo-Stamms wird zu einem Volksfest, die Frauen stellen einen improvisierten Markt mit Handarbeiten auf, tanzen und singen für uns. Zum Abschied hilft das halbe Dorf mit, uns Touristen mit Stossen und Ziehen möglichst trocken ins Boot zu hieven.

Zurück in Loyengalani hören wir schon von weitem rhythmische Trommeln, Klatschen und Singen, das uns magisch anzieht. Die lockere Stimmung schwappt auf uns über und schon bald tanzen wir inmitten einer dampfenden Menschenmenge mit.

Am nächsten Morgen fliegt uns unser multifunktioneller Buschpilot ein paar hundert Kilometer weiter nördlich ins Niemandsland an der äthiopischen Grenze. Wir landen im kleinen Flecken Illeret, das in völliger Abgeschiedenheit auf halber Distanz zwischen Addis Abeba und Nairobi liegt. Zusammengepfercht in einem Pick-up lernen wir fast schon afrikanische Transportverhältnisse kennen. Obschon für Afrikaner das Fahrzeug erst als halb voll gelten würde, fühlen wir uns wie in einer Sardinenbüchse mit Gepäck und Picknickkorb auf den Knien eng aneinandergedrängt. Für den Fahrer bleibt kein Platz, er macht sich zu Fuss davon, während sich unser Pilot hinters Steuer klemmt. Abgesehen von einer neugierigen Kinderschar, scheint das Dorf wie ausgestorben. Kein Wunder, sie sitzen alle im Sonntagsgottesdienst von Pater Florian. Der ehemalige Prinz von Bayern kümmert sich seit 12 Jahren mit grossem Elan und viel praktischem Engagement um die Sorgen und Nöte der einheimischen, teils nomadischen Bevölkerung. Die kleine Kirche bebt vom Klatschen und Singen der Kirchgänger. Schnell wird noch mehr zusammengerückt, um uns seltenen Gästen Platz zu machen und an ihrem sonntäglichen Zusammenkommen teilzuhaben. Nach dem lebendigen Gottesdienst entwickelt sich eine rege Unterhaltung über die Berufung und das Wirken des Paters in dieser Einöde. Der Benediktinermönch und seine Schützlinge hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei uns und wir wünschen ihnen von ganzem Herzen gutes Gelingen bei der weiteren Entwicklung der Dorfgemeinschaft.


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