Hier feierte er seine Plattentaufe: Manillio im Berner Bierhübeli.

Manillio: «Ich muss nicht die Welt erklären»

Wortvoll In der Szene ist der Rapper schon über zehn Jahre aktiv. Mit seinem dritten Soloalbum hat er nun auf Anhieb die Chartspitze erobert.

Sein Debütalbum von 2009 hiess «Jede Tag Superstar». Nun ist ein veritabler Hip-Hop-Held aus ihm geworden: Seine dritte CD «Kryptonit» stieg soeben von null auf Platz 1 in die Schweizer Hitparade ein. Live zu erleben ist Manuel Liniger (29) alias Manillio im Sommer am Open Air Frauenfeld und am Gurtenfestival.

Fühlen Sie sich nach Ihrem Nummer-eins-Album nun als Superstar?
Nein, überhaupt nicht! In den letzten Wochen hatten wir viele Bandproben, ich war an Workshops und bin umgezogen. Als ich von der Chartplatzierung hörte, war ich gerade beim Wäscheaufhängen – alles ziemlich unglamourös.

Wie erklären Sie sich den Spitzenplatz?
Da haben wohl mehrere Faktoren zusammengespielt. Auf der Promotournee haben wir uns einen Arm ausgerissen, und zum Glück kommt die Single «Monbijou» bei den Radios gut an. Vor allem aber habe ich alles auf eine Karte gesetzt, um das bestmögliche Album zu machen. Ich wollte den Durchbruch jetzt schaffen statt noch zehn Jahre weiter zu hoffen, dass es beim nächsten Mal funktioniert, während ich gleichzeitig am Hungertuch nage ...

Was bedeutete es Ihnen, die Plattentaufe im ausverkauften Bierhübeli zu feiern?
Das war etwas ganz Besonderes! In diesem legendären Berner Lokal habe ich mein allererstes Rap-Konzert erlebt: Freundeskreis und im Vorprogramm Double Pact, die ehemalige Gruppe von Stress, mit dem ich inzwischen einen Song aufgenommen habe. Damals hatte mich mein Vater mitgenommen, der als Journalist über das Konzert berichtete. Er ist dann an Krebs gestorben, bevor ich in die Pubertät kam. Das Live-Album, das dort mitgeschnitten wurde, habe ich rauf und runter gehört.

Wie wurden Sie selbst zum Rapper?
Einige meiner Kollegen hatten Plattenspieler und begannen zu freestylen. Anfangs wollte ich nur ihr DJ sein, doch dann hat es mir ebenfalls den Ärmel reingenommen. Lange schrieb ich aber nur für mich. Erst 2005, als ich einige Beats und zwei Songs zu einer EP bei-

Skurrile Kette mit Schädeln in Herzform.

Skurrile Kette mit Schädeln in Herzform.
Skurrile Kette mit Schädeln in Herzform.

Wie wurden Sie selbst zum Rapper?
Einige meiner Kollegen hatten Plattenspieler und begannen zu freestylen. Anfangs wollte ich nur ihr DJ sein, doch dann hat es mir ebenfalls den Ärmel reingenommen. Lange schrieb ich aber nur für mich. Erst 2005, als ich einige Beats und zwei Songs zu einer EP beigesteuert hatte, die ein Freund als Matura-Arbeit produzierte, stand ich zum ersten Mal auf einer Bühne.

Was reizt Sie am Sprechgesang?
Früher wollte ich möglichst akrobatisch reimen. Mittlerweile möchte ich vor allem schöne Songs machen und etwas erschaffen, das seine Zeit ein wenig überdauert. Natürlich schreibe ich meine Texte auch, um Erfahrungen zu verarbeiten. Dabei habe ich gemerkt: Es reicht, wenn ich die Fragen, die mich beschäftigen, in den Raum stelle. Ich muss nicht immer Antworten liefern oder den Leuten die Welt erklären. Ich versuche mich aufs Wesentliche zu konzentrieren und Unnötiges wegzulassen. Klingt seltsam, wenn das ein Rapper so sagt, aber ich würde gerne weniger Text schreiben. 

Kryptonit, das ist doch die Achillesferse von Superman – was ist Ihre Schwäche? 
Ich muss nach wie vor lernen, meinen Alltag als Selbstständiger in den Griff zu bekommen, strukturiert zu arbeiten, mich nicht ablenken zu lassen. Und in Diäten war ich noch nie stark – gutem Essen kann ich schlecht widerstehen.

 

Das Analogbild ist spannend, weil es nicht sofort sichtbar ist.

Das Analogbild ist spannend, weil es nicht sofort sichtbar ist.
Das Analogbild ist spannend, weil es nicht sofort sichtbar ist.

Wie kam es zu «Aues gloge», Ihrem Lied mit Büne Huber auf der neuen CD?
Büne meldete sich spontan bei mir, da ihm mein letztes Album gefallen hatte. Wir gingen mittagessen – für mich hochinteressant, weil er schon so viel erlebt hat. Und er wollte wissen, wie das Musikmachen im Hip-Hop funktioniert. Seither sind wir befreundet und treffen uns immer wieder – auch, weil wir beide gerne essen.

Und wer kocht dann?
Eher Büne, oder wir essen auswärts. Den Mut, ihn zu bekochen, habe ich noch nicht aufgebracht: Auch dieses Handwerk beherrscht er wirklich, während ich nur intuitiv Zutaten kombiniere, die zusammenpassen könnten.

Weshalb sind Sie nun nach Bern gezogen?
Die Stadt ist der ideale Mix aus Zürich, wo ich vorher wohnte, und Solothurn, wo ich aufgewachsen bin. Als ich vor einem Monat hier ankam, war es auf eine merkwürdige Art wie nach Hause kommen. Es ist wieder ruhiger, die Wohnung fürs gleiche Geld grösser und schöner. Ich kenne auch schon viele Leute hier, nicht nur Büne, und bin sehr happy.

Wie unterscheidet sich Manuel Liniger privat vom Künstler Manillio?
Kaum. Aber live schlüpfe ich schon ein wenig in eine Rolle: Während ich privat sehr ruhig und entspannt bin, lasse ich auf der Bühne gerne Dampf ab. Selbst alte Bekannte haben mich nachher schon gefragt, ob das wirklich ich gewesen sei!

Wie gut kennen Sie die grossen Openairs, an denen Sie diesen Sommer auftreten werden?
Frauenfeld ist ein reines Hiphop-Festival, wo ich mich diesmal freue, Stars wie Future und Young Thug zu erleben oder kleine Ami-Acts zu entdecken. Den Gurten mag ich sehr, weil das Ambiente etwas Familiäres hat, wohl auch wegen Bern. Ich war selbst auch schon als Kind dort. Es herrscht immer eine spezielle Stimmung.

Haben Sie schon auf einem Festival-Gelände übernachtet?
Eigentlich mag ich das Zelten nicht, aber 2008, als ich mein erstes Konzert unter dem Namen Manillio beim Openair Frauenfeld gab, habe ich dort sogar campiert, weil ich es sonst am Tag des Auftritts kaum rechtzeitig zum Backstage geschafft hätte!


2005 war sein erster Auftritt als Rapper in der Solothurner Reithalle.

2012 hat sich der gelernte Polygraf als Musiker selbstständig gemacht.

2016 wird sein neues Album «Kryptonit» die Nummer eins in der Schweizer Hitparade.

Mehr über Manillio auf seiner Homepage »

Das offizielle Musikvideo zu «Monbijou», aus dem Album «Kryptonit» 

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Interview: Reinhold Hönle



Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Philipp Zinniker
Veröffentlicht:
Dienstag 31.05.2016, 15:36 Uhr

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