Chillt gerne zu Hause bei den Eltern: Topmodel Manuela Frey.

Manuela Frey: «Der Weg zur Spitze ist lang und hart»

Ungeschminkt In kürzester Zeit schaffte sie es nach oben. Um als Model im Geschäft zu bleiben, braucht es aber harte Arbeit. Und Liebe zum Job.

Dior, Prada, Saint Laurent, Karl Lagerfeld, Jil Sander, Giorgio Armani, Calvin Klein, Michael Kors – für nahezu alle grossen Designer ist sie gelaufen. Manuela Frey (19) lebt in New York, ihre Familie in Brugg AG sieht sie nur selten. Seit dem Sieg beim «Elite Model Look» Schweiz 2012 hat sich das Leben des Teenagers völlig verändert. Wir trafen sie bei einem Kurzbesuch in der Heimat.

Hat sich Ihre Vorstellung von Schönheit in den vergangenen drei Jahren verändert?
Als ich noch zur Schule ging, habe ich mich jeden Tag geschminkt. Ich fand es normal, dass man das als Frau tut, wenn man aus dem Haus geht. 2012 musste ich als Erstes lernen, dass ich als Model unbedingt ungeschminkt zu Castings kommen muss, da ein zu auffälliges Gesicht von den Kleidern oder Taschen, die man trägt, ablenken würden. Zuerst verstand ich die Welt nicht mehr, doch heute stehe ich auf ungeschminkte Schönheit.

Sie schminken sich überhaupt nicht mehr?
Doch, natürlich. Kürzlich war ich zu einem Event eingeladen und hätte dafür eine Make-up-Artistin und einen Hairstylisten engagieren können. Aber als ich hörte, dass mich die 500 Franken kosten würden, habe ich mir gesagt: «Manuela, das kannst du selber. Mach’ einfach wie früher – leg nur ein paar Schichten weniger auf!»

Was für ein Verhältnis haben Sie zu Ihrem Körper?
In der Schulzeit wollte ich kleiner sein und mehr Brust haben, denn mit 12 oder 13 träumt man eher davon, einer Idealvorstellung zu entsprechen. Jetzt mit bald 19, bin ich dafür dankbar, wie Gott mich erschaffen hat, und gefalle mir, wenn ich in den Spiegel schaue.

 
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Worauf achten denn die Modedesigner?
Jede Saison ist ein anderer Typ gefragt. In diesem Jahr sind es ganz junge und dünne Mädchen, fast noch Kinder. Davor sah man auf dem Laufsteg Models mit gebleichten Haaren, hellblond bis fast weiss. Und vor zwei Jahren hatte ich das Glück, dass mein Typ gefragt war. Ich lief in Paris, Mailand, London und New York 63 Shows – das war Rekord, mehr als jedes andere Model! Ich fühlte mich geehrt, als ich zur Nummer 1 gewählt wurde.

Welchem Typ haben Sie entsprochen?
Man hat mir oft Ähnlichkeiten mit Gisèle Bündchen oder Karolína Kurková nachgesagt. Zu der Zeit sollten Models zwischen 1,79 und 1,82 Meter gross sein, wenn möglich noch grösser, da die Designer lange Kleider präsentieren wollten, die cool und elegant wirken sollten.

Sie sind noch immer sehr gut im Geschäft. Wie haben Sie das geschafft?
Ich mache meinen Job aus Liebe und nicht nur des Geldes wegen. Ich bin ein glückliches Model und das überträgt sich auch auf die Kunden. Zudem habe ich vor einem halben Jahr den Look verändert, die Haare färben und Fransen schneiden lassen. So muss man sich immer wieder interessant machen und ins Gespräch bringen.

«Diesen Talisman bekam ich von meinen Eltern vor dem Finale des Elite Model Look in Schanghai»

«Diesen Talisman bekam ich von meinen Eltern vor dem Finale des Elite Model Look in Schanghai»
«Diesen Talisman bekam ich von meinen Eltern vor dem Finale des Elite Model Look in Schanghai»

Was fehlt noch, damit Sie in einem Atemzug mit Ihren Idolen Heidi Klum und Gisèle Bündchen genannt werden?
Wenn ich für eine weltweite TV-Kampagne ausgewählt würde, wäre das ein riesiger Schritt. Hätte ich gewusst, wie lange und hart der Weg zur Spitze ist, weiss ich nicht, ob mein Mut gereicht hätte, um die Herausforderung anzunehmen. Heute bin ich stolz auf mich und auf das, was ich in dieser kurzen Zeit schon erreicht habe. Und ich will weiterkämpfen, denn ich liebe meine Arbeit und werde weiterhin alles geben.

Manche Models sind auch durch ihre Liaisons mit Show- oder Sportstars berühmt …
Ich möchte meinen Erfolg niemand anders zu verdanken haben, sondern mir selbst erarbeiten. Natürlich werde ich an Partys eingeladen, bei denen viel Hollywood-Prominenz anwesend ist, aber oft finden diese in Los Angeles statt – das kostet mich dann zu viel Zeit, Geld und Energie. In London bin ich aber auch schon David Beckham begegnet oder in New York habe ich an Naomi Campbells Charity-Show für Ebolaopfer mitgewirkt, bei der Paris Hilton, Justin Bieber und Lewis Hamilton anwesend waren.

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Man muss sich immer wieder ins Gespräch bringen.»

Wie sieht Ihr Alltag in New York aus?
Ich lebe dort seit drei Jahren. Zuerst waren wir zu viert, dann zu zehnt in einem Model-Appartement meiner Agentur. Ich weiss gar nicht mehr, wie ich das dort ausgehalten habe! Sauberkeit und Ordnung sind für mich das A und O! Wenn ich die Küche auf Hochglanz poliert und mich anschliessend aufs Zimmer verzogen hatte, wo ich in einem Kajütenbett schlief, verwandelten andere Models die Küche innert kürzester Zeit wieder in einen Saustall! Das hat mich extrem genervt, war aber eine wertvolle Lebenserfahrung. Nun habe ich eine Dreizimmerwohnung in der Nähe des Union Square zusammen mit Annette, einer 32-jährigen New Yorker Brokerin, die zu meiner besten Freundin geworden ist. Und für dieses liebevoll eingerichtete Apartment an dieser Toplage bezahle ich mit 2000 Dollar im Monat auch nicht mehr vorher.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Mittlerweile habe ich mir in New York ein tolles soziales Netz aufgebaut. Ich verabrede mich mit guten Freunden zum Essen und gemütlichem Zusammensein oder wir besuchen gemeinsam Konzerte. Ich treibe regelmässig Sport und fahre an freien Wochenenden mit Annette zum Kräftetanken in die Hamptons, wo sie ein Haus besitzt. Und obwohl ich ein eher sparsamer Mensch bin, liebe ich es – wie jede Frau – shoppen zu gehen.

Lassen Sie sich von Annette bei der Anlage Ihrer Gagen beraten?
Nein, das überlasse ich meinem Vater! Ihm kann ich blind vertrauen. Er bespricht trotzdem alles vorgängig mit mir. Mir ist es auch wichtig, dass mein Geld in der Schweiz liegt.

Wie nimmt Ihre Familie Anteil an Ihrem glamourösen Beruf?
Mein Vater und mein Bruder Lukas beobachten aus der Ferne, was ich so treibe. Aber meine Mutter geniesst es, hin und wieder in die Modewelt einzutauchen. Als sie mich zu meiner allerersten wichtigen Show begleitete, sass sie noch fünf Stunden backstage mit einem Buch auf einem Stuhl und rührte sich nicht. Heute kommt sie rein, alle kennen sie und rufen: «Ciao, Mamma!». Als die Mutter eines anderen Models bei einer Show von Dolce & Gabbana dabei sein wollte, hat man ihr gesagt, sie solle sich einfach an meine Mutter halten – sie kenne alles und wisse, wie es läuft!

«Der Frosch ist eine Erinnerung an meine erste Fashion Week in Mailand – den bekam ich von unserem Fahrer geschenkt.»

«Der Frosch ist eine Erinnerung an meine erste Fashion Week in Mailand – den bekam ich von unserem Fahrer geschenkt.»
«Der Frosch ist eine Erinnerung an meine erste Fashion Week in Mailand – den bekam ich von unserem Fahrer geschenkt.»

Was nehmen Sie auf dem Laufsteg eigentlich wahr?
Ich liebe den Moment, wenn ich ins Rampenlicht trete und das Gefühl habe, dass nun alle Blicke gespannt auf die Neue gerichtet sind. Dann sehe ich die ersten Köpfe, sage mir «du bist gut» und laufe auf den Steg hinaus. Da ich inzwischen genau weiss, wo die Fotografen abdrücken, lächle ich dort ganz leicht, obwohl uns die Designer eigentlich nur ganz cool zeigen wollen und Giorgio Armani auch schon Models aus seiner Show geworfen hat, die seinen Befehl «strong, strong!» nicht befolgt haben.
 
Erkennen Sie die Prominenten in der ersten Reihe?
Man weiss, dass Anna Wintour [Vogue-Chefredaktorin] und J.Lo [Popstar Jennifer Lopez] meistens dort sitzen, kann sie aber als Model nur backstage auf dem Bildschirm identifizieren, weil es draussen zu grell ist und man konzentriert sein muss, um auf den High Heels nicht zu stürzen. Einzig beim Finale würde ich einen Blick wagen, falls Heidi Klum da ist, weil ich ihr zu gerne mal «Hey, Heidi!» zurufen würde.

Wie verbringen Sie bei Besuchen in der Schweiz am liebsten Ihre Zeit?
Im eigenen Bett wieder mal richtig ausschlafen! Im Sommer chillen am Zürisee oder auf der grossen Terrasse bei meinen Eltern. Ich geniesse eine Bratwurst oder freue mich über das Gemüse, das viel besser schmeckt als in New York. Im Winter liebe ich das Skifahren in den Bergen, ein feines Chäsfondue oder einen Abend vor dem Kamin.

Was ist aus dem Cabrio und der Tasche geworden, für die Sie sparen wollten?
Ich habe mir inzwischen eine Chanel-Tasche geleistet und den Führerschein gemacht. Im verrückten New Yorker Verkehr ist man aber besser nicht mit dem eigenen Auto unterwegs.

Hat Amors Pfeil Sie schon getroffen?
Ich bin sehr wählerisch. Ich muss fühlen, dass ich für einen Mann die Nummer eins bin und erwarte Ehrlichkeit und gegenseitigen Respekt! Mein «Zukünftiger» muss wissen, was er will, offen und kommunikativ sein und mich lieben wie ich bin! Ich würde niemals einem Mann hinterher laufen! Da bin ich knallhart! Grundsätzlich sollte man sich in der Modewelt besser nicht verlieben, aber wenn mir Mr. Right über den Weg läuft, bin ich nicht abgeneigt!

Vier Daten im Leben von Manuela Frey

1996 Sie kommt am 1. Oktober in Brugg (AG) zur Welt.

2012 Beim Weltfinale des «Elite Model Look» erreicht sie in Schanghai Platz 3.

2013 Meistgebuchtes Model in Paris, Mailand, London und New York mit 63 Shows.

2015 Innert eines Monats macht sie in der Schweiz den Führerschein.

Manuela Frey auf Instagram »

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Markus Lamprecht
Veröffentlicht:
Montag 13.07.2015, 20:00 Uhr

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