Marc Trauffer in seiner Welt – die Chueli aus Holz gibts in Klein auch bei Coop City.

Marc Trauffer: «In Brienz sind meine Wurzeln»

Er machte schon als Kind Musik, wurde zu einem Star. Ebenso erfolgreich bewahrte er die Familientradition der Holzschnitzerei.

Seit dem Album «Alpentainer», das Platz eins in der Hitparade und Platinstatus erreichte, ist Marc Trauffer als Sänger ebenso bekannt wie die gescheckten Kühe aus der Produktion seiner Holzspielwarenfabrik. Auch mit seiner neuen CD «Heiterefahne» setzt er auf Swissness.

Welche Fahne ist Ihnen die Wichtigste?
Natürlich die «Heiterefahne», die wir für das Plattencover herstellen liessen. Bei Dreharbeiten für einen Videoclip waren mir in einem alten Restaurant die Glaskästen aufgefallen, in denen der lokale Schützenverein seine Fahnen ausstellte. Dieses Bild des Traditionsbewusstseins hat sich mir ebenso positiv eingeprägt wie Roger Federer, als er bei den Olympischen Spielen die Schweizer Fahne voller Stolz durchs Stadion getragen hat.

Wann haben Sie begonnen, Heimatliches in Ihre Musik einfliessen zu lassen?
Schon als Kind spielte ich Schwyzerörgeli. Als ich später nach Bern und Basel weggezogen war, hatte ich auch einmal eine Rockband ganz ohne traditionelle Elemente in der Musik. Das änderte sich mit «Airbäg»: In dieser Formation haben wir ein wenig gejodelt und sind recht weit in der Schweiz herumgekommen. Dabei fiel mir auf, wie beliebt die «Holzchueli» meiner Eltern überall waren.

Was hat das in Ihnen ausgelöst?
Als ich nach Brienz zurückging, merkte ich: Hier sind meine Wurzeln, hier gehöre ich hin, diese Firma ist meine Aufgabe. Mit meiner Musik habe ich zwar Erfolg, doch ich weiss, dass ich dies auch dem Zeitgeist verdanke. Durch die Globalisierung ist das Bedürfnis nach Erdung gewachsen. Wenn es an jeder Ecke internationale Ladenketten gibt, suchen die Menschen nach Dingen, die etwas damit zu tun haben, woher sie kommen und was sie ausmacht.

Sie sind als Musiker erst durchgestartet, als die Band und Ihre Ehe zerbrochen waren. Gaben diese Krisen Ihnen Kraft?
Da ich erst 36 bin, ein Unternehmen führe und erfolgreich CDs mache, denken viele, bei mir ginge alles wie von selbst. In Wirklichkeit habe ich Dreck gefressen, denn es war gar nicht lustig, als ich realisierte, dass ich bei «Airbäg» der Einzige war, der wirklich an den Traum glaubte, den wir als Schulfreunde geschmiedet hatten.

 

Seine erste «E-Gitarre».

 

War das die Inspiration zu «3000 m ü. M.», dem eindringlichsten Song der CD?
Ich habe offen gelassen, ob es da um eine Liebes- oder Geschäftsbeziehung geht. Auf dem Weg zum Gipfel verlassen einen manchmal Menschen, mit denen man seine Freude gern geteilt hätte. Dann muss man eben allein weiterpickeln …
 
Welche Widerstände mussten Sie für Ihren Aufstieg überwinden?
Ich habe für meine Musik gekämpft, weil ich nicht mehr belächelt werden wollte. Das Schlimmste war, dass es da immer irgendjemand gab, der knallhart über mich gerichtet hat. Wenn der Plattenfirma oder dem Sender meine Nase nicht gefiel, musste ich meine Hoffnung auf Unterstützung wieder begraben.

Wie sind Sie damit umgegangen?
Ich sagte meiner Managerin: «Wir spielen überall, auch an Dorffesten, wo kein anderer Musiker auftreten würde. Und wenn es nur 40 Zuhörer sind, will ich, dass die eine tolle Party haben und am Ende auf den Festbänken stehen!» Mit dieser Einstellung haben wir in den vergangenen Jahren viele Fans gewonnen.

Richten Sie Ihre Lieder und Shows ganz auf Ihr Publikum aus?
Natürlich versuche ich authentisch zu sein, aber ich habe nicht das Bedürfnis, poetische oder gesellschaftskritische Lieder zu schreiben – das können andere besser. Ich bin ein leidenschaftlicher Entertainer, der den Fans genau das geben will, wofür sie Eintritt bezahlt haben. Das erwarte ich ja auch, wenn ich zu einem AC/DC-Konzert gehe.

 

Schwyzerörgeli aus seiner Kindheit.

 

Übertreiben Sie es nicht ein wenig mit der Glorifizierung der urchigen Schweiz?
Das fragen meine Produzenten, die eher vom Pop her kommen, auch manchmal. Dann erkläre ich ihnen meine Philosophie. Wer mit mir arbeiten will, muss für ein Fondue zu mir nach Hause kommen – damit ich ihm meine Welt zeigen kann, die mir wirklich so viel bedeutet.

Wollen Sie mit dem neuen Album auch Deutschland und Österreich erobern?
Viele wünschen sich, dass ich solche Ambitionen hätte, aber ich bin nicht bereit, die dafür nötige Zeit zu investieren. Die Firma und meine zwei Kinder, die in ein relativ schwieriges Alter kommen, sind mir wichtiger als eine Musikkarriere, die schnell vorbei sein könnte.

Drei Daten im Leben von Marc Trauffer

1997 Mit «Airbäg» gewann er einige Schweizer Talent-Wettbewerbe.
2002 Geburt seines Sohns (13), zwei Jahre später Geburt seiner Tochter (11).
2012 Übernahme der familieneigenen Holzspielwarenfabrik.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Montag 25.01.2016, 00:00 Uhr

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