1 von 3


Bligg auf der Langstrasse in Zürich: «Hier steht man lebensfrohen Situationen offener gegenüber.»


Bligg: «Die wilden Zeiten liegen hinter mir»

Hip-Hop-Star Marco «Bligg» Bliggensdorfer (37) über seine Langstrasse-Erinnerungen, seine Beziehung zu Ex-Freundin Emel und den «Service Publigg».

Coopzeitung: Was löst es in Ihnen aus, wenn Sie das Treiben hier an der Zürcher Langstrasse beobachten?
Bligg: Mich verbinden sehr viele Erinnerungen mit dem Kreis 5. Meine beiden letzten CDs «0816» und «Bart aber herzlich» habe ich in einem Studio in der Nähe aufgenommen. Als unbekanntes Hip-Hop-Duo Bligg’n’Lexx haben wir vor 15 Jahren an der Müllerstrasse endlich einen Übungsraum gefunden, weil man hier allen lebensfrohen Situationen offener gegenübersteht. Und als ich mein erstes eigenes Geld verdiente, bin ich in eine WG an der Luisenstrasse gezogen. 

War das nicht etwas ungemütlich?
Doch, damals gab es dort noch viele Junkies und vor dem Haus lagen Spritzen herum. Nachdem mein Vater mich mit 14 Jahren über den Platzspitz geführt hatte, liess ich für immer die Finger von bewusstseinserweiternden Substanzen.

Wie gut kennen Sie das Rotlicht-Milieu, in dem Ihr neues Lied «Wer isch dä Mörder?» spielt?
Jeder, der in Zürich lebt, ist damit konfrontiert, aber ich habe mich nie speziell dafür interessiert. Für die Kurzgeschichten, die ich in meinen Liedern oft erzähle, ist es jedoch von Vorteil, wenn man sie an vertrauten Schauplätzen ansiedelt. Der Kreis 5 kam mit dem Café Rex gegenüber dem Volkshaus bereits in «Rosalie» vor, und bei «Wer isch dä Mörder?» hatte ich die Langstrasse vor Augen. 

War auch Hazy Osterwalds «Kriminaltango» eine Inspiration?
Nein, ich wollte einfach mal einen Krimi in Songform schreiben und hatte die Pointe im Kopf, dass eine Dame aus dem horizontalen Gewerbe die Mörderin ist, da sie Männerherzen bricht.

Welchen Lebenswandel pflegt der Popstar Bligg heute?
Meine wilden Zeiten liegen hinter mir – ich möchte sie nicht missen, weil sie mir ein gutes Fundament gegeben haben. Glamour und Partys sind mir nicht mehr wichtig, ich nehme es gerne ruhiger. Es wäre auch seltsam, wenn ich mit 37 noch den gleichen Lifestyle pflegen würde wie als Twen. Dagegen hat sich mein Umfeld kaum verändert. Ich habe noch immer viele Freunde, die ein ganz normales Leben führen, was ich sehr schätze; das erdet mich auch.

«

Ich habe immer noch viele Freunde, die ein ganz normales Leben führen.»

Innert einem Jahr ist Ihre Schwester gestorben, Ihre Beziehung ging auseinander und Sie brachen sich bei einem schweren Glatteisautounfall den Rücken. Haben Sie Ihre Gefühle schon während dieser Unglücksserie zu einem Lied verarbeitet oder erst danach?
Ich muss immer sofort festhalten, was mich beschäftigt. Früher habe ich mich selbst angerufen und auf den Telefonbeantworter gesprochen, heute hat jedes Handy eine Aufnahmefunktion. Da ich auf «Hilf mir» keinen Seelenstriptease machen wollte, benötigte ich keine zeitliche Distanz. Ich wollte ja einfach dieses Gefühl der Orientierungslosigkeit schildern, das viele kennen dürften, die Schicksalsschläge erlitten haben. 

«Miss Trau» ist ein Song über Eifersucht. Wie ist es möglich, dass der Ehemann Ihrer Ex-Freundin Emel einverstanden war, dass Sie Götti seiner Tochter Ayleen wurden?
Emel und ich sind wie Geschwister. Uns verbindet musikalisch viel mehr als mein erster Hit «Alles scho mal ghört», auf dem sie gesungen hat. Sie hat mir immer Mut gemacht, als die Sterne noch nicht so günstig standen, und gab mir Tipps. Als sie schwanger war und mich fragte, ob ich Götti werden wolle, konnte ich ihr gar nicht absagen – und habe die Zusage auch keinen Tag bereut!

Weil der zukünftige Weltstar Ayleen auf Ihrer CD ihre Plattenpremiere gefeiert hat?
(lacht) Das kann man aufgrund der Babysprache noch nicht wirklich abschätzen. Sie wächst jedoch in einem sehr musikalischen Umfeld auf und ist bereits enttäuscht, wenn sie nicht mit mir ins Studio darf, sondern in ein Spielwarengeschäft muss

«

Was ich in den letzten Jahren erreicht habe, hat meine kühnsten Träume übertroffen. »

Sie rappen, Sie wären erfolgreicher als Sie es je gewollt haben, und hätten ein Monster kreiert. Ist es so schlimm, berühmt zu sein?
Nein, ich wollte damit nur ausdrücken, dass das, was ich in den letzten Jahren erlebt habe, selbst meine kühnsten Träume übertroffen hat. Schliesslich hatte ich mit dieser jungen, wilden Hip-Hop-Musik, die zu schnelle Texte und zu viele Worte hatte, lange kaum eine Chance, überhaupt im Radio gespielt zu werden. Und dann erreichte «0816» plötzlich statt Gold-Status – wie die Plattenfirma gehofft hatte – Fünffach-Platin!

Leisten Sie heute mehr «Service Publigg» als mit Ihrer ersten Solo-CD «Normal»?
Nein, ich mache meine Platten immer noch je zur Hälfte nach meinem ganz persönlichen Geschmack und zur Hälfte in der Art, welche die Erwartungen der Fans erfüllen dürfte. Wer Platten veröffentlicht und behauptet, er denke nicht ans Publikum, lügt! 

Bligg

Wohnort/Zivilstand: Zürich/ledig 
Geburtsdatum: 30. September 1976 in Zürich-Schwamendingen als Marco Bliggensdorfer.
Laufbahn: 1995: erster Mundart-Rap auf einem Sampler, 1998: Duo Bligg’n’Lexx, 2001: Solo-Debütalbum mit dem Hit «Alles scho mal ghört», 2007: «Volksmusigg» (Titelsong zu «Die grössten Schweizer Hits»). Bestseller-CDs «0816» mit «Rosalie» und «Musig i dä Schwiiz» sowie «Bart aber herzlich» mit «Legändä und Heldä» und «Chef».
Aktuell: Album «Service Publigg»; Tournee ab 21. Februar 2014.
Links: www.bligg.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
1001 Gebäude die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Philip MALONEY

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Keine. Als Künstler läuft man sonst in Gefahr, sich zu fest beeinflussen zu lassen

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
„Breaking Bad“ 

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
The Goonies

Ihr Lieblings-Filmheld?
Tony Soprano

Was für Musik hören Sie gerade?
Kreuz und Quer von Rock über Pop zu Rap

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Das “wie überlebe ich auf einer einsamen Insel“ - Hörbuch

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Mit Justin Timberlake und Timbaland

Was kochen Sie selbst?
Rost Beef mit Reis und selbstgemachter Peffersauce 

Ihre Lieblingsspeise?
Ein gutes Steak und Salat

Ihr Lieblingsgetränk?
Mineral mit Kohlensäure - San Pellegrino

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit guten Freunden

Und wo essen Sie am liebsten?
Zuhause

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Auto

Wein oder Bier?
Wein

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Meer 

Wann haben Sie zuletzt geweint?
An der Hochzeit meines Security im Standesamt beim Ja-Wort vor ein paar Wochen.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Alles was mit Robin Scherbatsky (aus der Serie „How I Met Your Mother“) zu tun hat 

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Adler

Wovon träumen Sie?
Mal für eine längere Zeit mit dem Wohnwagen durch Europa zu reisen. 

Was ist für Sie das grösste Glück?
Gesundheit, Familie und gute Freundschaften

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 11.11.2013, 21:29 Uhr

Mehr zum Thema:



Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?