Martin Suter: hintergründig-hintersinnig und fasziniert von Wäldern. 

Martin Suter: «Mein Hobby? Das Schreiben!»

Der Bestsellerautor verrät Hintergründe zu seinem Roman «Die dunkle Seite des Mondes», der ab 21. Januar als Film zu erleben ist.

Was er auch schreibt, es wird gelesen – oder besser gesagt verschlungen. Martin Suter (67) ist unser erfolgreichster Schriftsteller. Er lebt mit seiner Frau und Tochter in Zürich. «Die dunkle Seite des Mondes», ein Thriller um den Wirtschaftsanwalt Urs Blank, war der zweite seiner 14 Romane. Es gibt ihn nun auf Zelluloid. 

Welche Filmszenen haben Ihnen besonders gefallen?
Jene im Wald. Wälder haben mich schon immer fasziniert. Als kleiner Bub liebte ich die Pfadi-Nachmittage im Wald oder meinen Schulweg, der durchs Wäldchen von Oerlikon führte. Wälder sind voller Geheimnisse, und das kommt im Film stark zur Geltung.

Mir gefiel im Film, aber auch schon im Buch, die Szene mit dem Pilztrip. Haben Sie aus eigenen Erfahrungen geschöpft?
Schon immer wollten alle wissen, ob ich so einen Trip erlebt habe! Und ich muss zugeben, nein, habe ich nicht. Ich habe andere Erfahrungen gemacht, die ich mit Fantasie und den Zauberpilzerfahrungen anderer Leute mischte. Offenbar war die Beschreibung nicht schlecht.

Wieso meinen Sie?
2000, als das Buch herauskam, schrieb mir Albert Hofmann, der Schweizer LSD-Entdecker. Er hatte mit den psychoaktiven Stoffen der Zauberpilze experimentiert. Er war über 90, wollte mich aber noch kennenlernen, da ihm die Tripbeschreibung so gut gefallen hatte. Wir freundeten uns dann an.

Und assen zusammen Champignon-schnitten – oder stärkere Kost?
Nichts dergleichen! Nein, meine Drogentrips liegen weiter zurück. In den 60er-Jahren machte ich in Afrika einige eindrückliche Cannabis-Erfahrungen.

 

Frédrick Richard Senanayake kämpfte Anfang 20. Jahrhundert für die Unabhängigkeit von Sri Lanka. Die Ebenholzfigur steht auf seinem Schreibtisch. Er erwarb sie im Zusammenhang mit Reisereportagen, die er fürs Reisemagazin Geo schrieb.

 

Wirken solche Trips bewusstseinserweiternd?
In der Schweiz waren Haschbiscuits in Mode. Die haben wir vor allem gegessen, weil wir es zusammen lustig haben wollten. Bewusstseinserweiterung hat mich überhaupt nicht interessiert.

Dafür die Jagd? Die Jagdszenen im Buch sind so jägerlateinisch geschrieben, dass man denkt, dass Sie schon an Grosswild-jagden teilgenommen hätten.
Mit 18 hatte ich eine Freundin, mit deren Vater ich einmal an einer Fasanenjagd teilnahm. Doch für meine Jagdbeschreibungen stützte ich mich auf das Buch «Vor und nach der Jägerprüfung».

Ihre Hauptperson, ein erfolgsverwöhnter Wirtschaftsanwalt, bei dem ganz dunkle Seiten zum Vorschein kommen, ist alles andere als ein Sympathieträger.
Das stimmt und deshalb hielt ich ihn immer auf Distanz. Wenn ich eine Figur zu gern bekomme, überträgt sich das auf die Leser. Viele Leser hätten ihm trotzdem ein besseres Ende gewünscht …

Er trägt den genialen Namen Urs Blank. Wie kommen Sie auf solche Namen? Der blanke Bär, der in der Wildnis sein Unwesen treibt …
Ich achte kaum auf die Bedeutung eines Namens. Wichtig ist mir, dass Namen kurz und einprägsam sind.

 

In das Notizbuch auf seinem Pult schreibt er nie etwas rein, weil es ihn reuen würde, wenn etwas Blödes drin stehen würde. So bleiben die Seiten leer. Gefertigt wurde es in Namibia, der Umschlag besteht aus Material eines Autopneus.

 

Das kann nicht nur das sein: Bei Blanks Gegenspieler Pius Ott haben Sie bestimmt auf die Bedeutung geschaut? Pius der Fromme und Ott ohne G leuchtet dermassen ein für einen Spekulanten!
Ein kurzer Name darf auch passen.

Erfolgreiche, etwas gestörte Männer sind schon seit Ihren Business Class-Kolumnen Ihre Spezialität.
Es gehörte zum Konzept der Business Class-Kolumnen, über diese Art von Manager zu schreiben. Da hatte ich gar keine Wahl. Doch bei den Hauptpersonen meiner Bücher hat es erfolgreiche und weniger erfolgreiche.

Der Film spielt, anders als das Buch, nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland. Auch sonst ist einiges anders. Wurden Sie gefragt, ob Sie einverstanden sind?
Nein, das überlasse ich den Filmemachern. Die müssen Dinge verändern, Szenen und Figuren weglassen. Das geht nicht anders. Der Film gefällt mir gut.

Hat die Geschichte aus Ihrer Sicht ein gutes Ende?
Ja, irgendwie schon. Ein Happy End besteht für mich darin, dass die Hauptfigur ihr Ziel erreicht

Was macht Ihnen beim Erzählen am meisten Spass?
Ein sehr guter Moment ist jener, wenn der letzte Satz geschrieben ist. Schön ist auch, wenn klar wird, dass die Geschichte funktioniert.

Sie sind ein Meister darin, mit den Erwartungen der Leser zu spielen, sie zu täuschen. Lernt man das als Werber?
Als Werber lernt man überhaupt nichts! Ich weiss nicht, wie es heute ist. Damals, in den 70er-Jahren, waren wir Amateure. Das Spiel mit den Erwartungen, die erfüllt werden oder nicht, lernt man beim Lesen. Wenn das Wechselspiel stimmt, wird das Buch gut.

Was wollten Sie als Kind werden?
Ich wusste schon mit 16, dass ich vom Schreiben leben möchte. Germanistik konnte ich nicht studieren, da meine internationale Matura nicht galt. So landete ich in der Werbebranche.

Und jetzt besteht Ihre Arbeit darin, Bücher zu schreiben. Wie passt das?
Es ist schon sehr anders. Dialoge, wie wir sie früher im Team führten, führe ich jetzt mit mir allein. Das geht auch.

Haben Sie ein Hobby?
Ja, das Schreiben

Aha. Und wo wohnen und schreiben Sie?
Wir wohnen in Zürich, da meine Frau und ich nach 22 Jahren nicht mehr auf dem Land leben wollten. Und weil unsere Tochter hier zu Schule gehen soll.

In Guatemala hatten Sie einen schönen Flecken gefunden?
Ja, am Atitlansee, da reisen wir jetzt ferienhalber hin. Die Finca in Ibiza haben wir nicht mehr.

Guatemala lebt nun vor allem als Butler Carlos in Ihren Allmen-Romanen weiter. Hatten Sie dort selber so einen Butler?
Nicht direkt. Wir haben dort einen Hausverwalter. Carlos ist eine Mischung aus verschiedenen Menschen, die wir in Guatemala trafen. Und mit Allmen und Carlos geht es bald weiter? Nicht sofort. Als Nächstes kommt ein neuer Roman heraus. Dann geht es vielleicht mit Carlos und Allmen weiter.

Vier Daten im Leben von Martin Suter

29. Februar 1948: Seit diesem Tag im Schaltjahr gibt es ihn.

12. Mai 1989: An diesem Tag heiratet er Margrith Nay.

26. August 1997: Mit «Small World» erscheint sein erster Roman.

12. November 2006: Seither gibt es ihn als Vater.

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Eva Nydegger

Redaktorin der Coopzeitung

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 11.01.2016, 14:59 Uhr

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