Cro wollte sich unbedingt vom Rest der Welt abheben – mit der Musik und seinem Äusseren gelang ihm das.

Maskerade

Der gut aussehende Rapper Cro (27) bräuchte sein Gesicht nicht zu verstecken, doch seine Panda-Maske ermöglicht dem Hip-Hop-Star ein Privatleben.

«Ich bin sehr tolerant, solange alles Mass und Ziel hat.»

«Ich bin sehr tolerant, solange alles Mass und Ziel hat.»
http://www.coopzeitung.ch/Maskerade «Ich bin sehr tolerant, solange alles Mass und Ziel hat.»

Wir sind mit Cro im Backstage-Bereich des Open Air Gampel verabredet, wo er zu den Hauptattraktionen zählt. Von seinem Tourmanager erfahren wir, dass das Interview mit Verspätung beginnen wird, weil der schwäbische Rapper, der zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Musikern der laufenden Dekade gehört, von seinem Rundgang übers Festival-Gelände noch nicht zurückgekehrt sei. Beim Gespräch erfahren wir vom unmaskierten Star den Grund.

Was hat Sie aufgehalten?
Ich bin barfuss über das Festivalgelände gelatscht und konnte mir in Ruhe alles ansehen, da mich ohne Maske keiner erkannte. Allerdings auch nicht, als ich zurück in den Backstage-Bereich wollte und den Künstler-Pass nicht bei mir hatte. Der Sicherheitsmann liess mich dann auch nicht rein. «Könnte ja jeder behaupten, er wäre Cro!» (Lacht.) Weil er seinen Job gut machte, musste ich zuerst ein bisschen rumtelefonieren, damit jemand kam, der mich identifizieren konnte.

Passieren Ihnen solche Dinge öfter, weil Sie sich nur mit Maske fotografieren lassen?
Ja, aber die Vorteile überwiegen die kleinen Unannehmlichkeiten bei weitem.

Wie ist die neu gestylte Panda-Maske zu Ihrem 4. Album «tru.» entstanden?
Ich machte mit einem Kumpel nächtelang Entwürfe, aus denen mit Hilfe eines 3-D-Druckers Prototypen hergestellt wurden. Das dauerte jedes Mal zwei Wochen, aber das Tüfteln hat sich gelohnt. Zum Schluss dachte ich: «Geil, die neue Maske kommt der alten von der Form her sehr nahe, hat aber keine typischen schwarzen Panda-Flecken und wirkt deshalb reduzierter.»

Was hat Sie ursprünglich an der Hip-Hop-Kultur gereizt?
Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, wo sowieso alle gefühlt uncool waren und ich ein wenig anders war. Ich begann mich auszudrücken, indem ich Musik machte und Graffitis sprayte. Ich identifizierte mich voll und ganz mit Hip Hop, fing an zu skaten und auf coole Sneakers wert.

Wurden Sie zuerst noch belächelt?
Nein, gar nicht. Ich hatte sehr schnell Anhänger. Am Anfang waren es noch Klassenkameraden und Freunde, dann das Dorf, die Stadt und das Land.

Scheu waren Sie nie?
Mir wird es heute noch manchmal kurz schlecht, bevor ich auf die Bühne muss, aber ich habe nie gekniffen. Es ist wie ins kalte Wasser springen: Zuerst ist es kurz unangenehm, aber nachdem du ein paar Bahnen geschwommen bist, ist es geil!

Fanden Sie es gut, als die Plattenfirma Ihnen vorschlug, eine Maske zu tragen?
Ich war hin und her gerissen. Einerseits fand ich die Idee cool, anderseits dachte ich: Dann erkennt dich ja niemand! Nach zwei Tagen hatte ich mich jedoch mit ihr angefreundet und suchte mir die Panda-Maske aus. Nach einem Testauftritt vor 20 Leuten, bei dem ein Schwarzweiss-Foto entstand, das ich megakrass cool fand, war ich endgültig überzeugt. Es ging dann auch alles raketenmässig ab.

Hatten Sie in Ihrer Jugend ein Faible für irgendwelche maskentragende Superhelden?
Klar, Batman! Ich vergleiche mich gerne mit ihm, weil er irgendwie die Macht hat, aber auch kein Übermensch ist. Er wohnt in einem grossen Haus am Stadttrand und hat seinen Butler, der ihm immer wieder neue Erfindungen zeigt. Ausserdem hat er ein Zimmer voller Anzüge, so wie ich. Ja, ich bin Bruce Wayne! (Lacht.)

Wer ist Ihr Butler?
Ich bin einer, der ALLES selber machen will, der in seinem Labor alte Synthies aufschraubt, Verbindungsstücke einfügt und zu irgendwelchen Superketten zusammenhängt. Das Selbermachen ist mir wichtig. Selbst, wenn das am Ende nicht ganz so toll ist wie das, was Spezialisten könnten, ist es doch ein geiles Gefühl, weil es von dir selbst stammt.

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Mir wird heute noch kurz schlecht, bevor ich auf die Bühne muss.»

Sind Sie ein einsamer Wolf?
Oft, ja, so fühle ich mich oft.

Insbesondere nach Konzerten, bei denen Ihnen die Liebe der Fans zugeflogen ist?
Ja, bei mir ist halt alles noch extremer. Wenn Bruce Springsteen von der Bühne geht, wird er ja weiter gefeiert. Backstage klopfen ihm alle auf die Schulter, beim Einsteigen in den Tourbus oder an der Tankstelle. Überall wird er erkannt. Bei mir ist es anders: Scheinwerfer aus, Maske ab – und dann herrscht Stille. Wirklich Stille, Stille, Stille ... Zwei Stunden haben sie bei deinem Anblick gekreischt, als ob du ein Zombie wärst, und dann laufen sie an dir vorbei, als wärst du gar nicht da. Das ist schon irre!

Gab es in Ihrem Leben einschneidende Ereignisse, die das dritte Studioalbum ernster werden liessen?
Nö, das ist eine ganz normale Entwicklung. Ich habe mir nach dem «MTV Unplugged»-Album einfach ein bisschen Zeit genommen, um nachzudenken. So kam ich auch darauf, das alles mal vorbei sein könnte.

Im Video zu «Baum» überfahren Sie mit einem Sportwagen Ihr Alter Ego Cro.
Eigentlich wird Cro nicht überfahren, er stoppt das Negative, mein altes Ich, damit aus mir ein besserer Mensch wird. Das ist eine Metapher dafür, dass es nicht reicht, wenn dir dein Umfeld sagt, was gut für dich ist und was du lassen solltest. Du musst selbst zu dieser Erkenntnis kommen und dich entsprechend verhalten.

Wo haben Sie sich konkret gebremst?
Ich habe mich nicht gebremst, ich habe mich weiter getrieben, um das nächste Level – Cro 2.0, Maske 2.0, Musik 2.0 – zu erreichen.

  
Zur offiziellen Cro-Homepage

Dauergast in den Charts

Cro, 1990 als Carlo Waibel im schwäbischen Mutlangen geboren, absolvierte eine Ausbildung zum Mediengestalter und arbeitete als Cartoon-Zeichner für die «Stuttgarter Zeitung». 2006 begann er im Internet musikalisch in Erscheinung zu treten. 2011 bekam er beim Indie-Label Chimperator einen Vertrag und schuf mit aufgesetzter Panda-Maske den ersten Ohrwurm «Easy». Die Mischung aus Rap und Pop, die seinem Debütalbum den Namen «Raop» gab, machte ihn zum Dauergast in den Charts und – gepaart mit dem Geheimnis um sein Aussehen – zum zugkräftigen Liveact. Die neue CD «tru.» (ab 8. September im Handel) klingt weniger locker-flockig. Die Single «Unendlichkeit» wird jedoch nicht der einzige Hit bleiben.

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