Hier geht er gerne fischen oder mit der Familie baden: Mathias Frank am Sempachersee. 

Mathias Frank: «Früher war ich ein fauler Siech»

Zielstrebig Gerade zum zweiten Mal Vater geworden, will der Luzerner Radprofi nun seinen ersten Sieg bei der Tour de Suisse heimfahren.

Nachdem er 2014 bei der Tour de Suisse den Gesamtsieg nur um 33 Sekunden verpasst hatte, möchte er sich nun seinen Jugendtraum erfüllen und das Heimrennen gewinnen. Das Zeug dazu hat er: Vor einem Jahr gelang Mathias Frank (29) bereits der erste Top-10-Platz an der Tour de France.

Einen Tag nach der Tour de Romandie wurden Sie zum zweiten Mal Vater – wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Es war schon eine spezielle Situation, aber für uns nicht neu. Unsere Tochter kam unter viel schwierigeren Umständen zur Welt: Sie musste notfallmässig sechs Wochen früher geholt werden, als ich an der Tour de Suisse war. Nun konnte ich bei der Geburt dabei sein!

Hat diese Erfahrung Sie verändert?
Es zeigt, was im Leben wirklich wichtig ist. Sportler leben oft in einer Blase, der Bezug zur übrigen Welt geht verloren. Wenn du eine Familie gründest, kann das befreiend wirken, weil die Resultate nicht mehr über allem stehen. Mir gab es damals einen Schub und ich habe den Tour-de-Suisse-Sieg nur knapp verpasst. Heute habe ich auch eine andere Einstellung zum Velofahren.

Und wie sieht die aus?
Letztes Jahr war ich in der Vorbereitung auf die wichtigen Rundfahrten von Februar bis Juli nie länger als ein paar Tage am Stück zu Hause. Nun lege ich zwischen den Rennen Blöcke ein, in denen ich von zu Hause aus Trainingsfahrten unternehme und mehr Zeit mit der Familie verbringe.

«Vill Glück!» – gebastelt von Nicole und Laura.

«Vill Glück!» – gebastelt von Nicole und Laura.
«Vill Glück!» – gebastelt von Nicole und Laura.

Wie kamen Sie zum Radsport?
Ich bin zu Zeiten von Zülle und Rominger aufgewachsen. Mein Vater und mein jüngerer Bruder waren schon vor mir aktiv im Veloclub Pfaffnau-Roggliswil. Ich habe lange Fussball gespielt und erst mit 16 Jahren meine erste Lizenz gelöst.

Woher nehmen Sie die Leidensfähigkeit, die man als Radrennfahrer braucht?
Ich bin kein Masochist, habe nicht gerne Schmerzen, aber du musst bereit sein, an deine Grenzen zu gehen und manchmal sogar darüber hinaus. Das ist sicher nicht jedem gegeben. Wenn dieser Sport deine Leidenschaft ist, nimmst du selbst diese extrem unangenehmen Herausforderungen nicht ungern an.

War Platz 8 an der Tour de France 2015 der Gipfel Ihres Leistungsvermögens?
Ich hatte in diesen drei Wochen erstmals keinen Einbruch, obwohl ich im Vorfeld noch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. So hoffe ich, dass noch mehr geht. Nach neun Jahren als Profi treibt mich immer noch die Frage an: «Wo ist mein Limit?»

Wie oft wurden Ihnen im Laufe Ihrer Karriere Dopingmittel angeboten?
Ich wurde in einer Zeit Radprofi, als sich das offene Doping nach einigen Skandalen in die Hinterzimmer verzogen hatte. So bekam ich gar keine Angebote. Ich hätte die Einnahme verbotener Mittel auf jeden Fall abgelehnt, denn ich bin der Meinung, dass jeder selbst entscheiden kann, welchen Weg er gehen will.

Er mag Krimis von Jo Nesbø.

Er mag Krimis von Jo Nesbø.
Er mag Krimis von Jo Nesbø.

Wie reagierte Ihr Umfeld, als Sie Radprofi werden wollten?
Meine Familie hat mich immer unterstützt. Aber ich bekam auch die Frage zu hören, ob ich mit meiner Matura nicht etwas Gescheiteres anfangen wolle … Von diesem schweizerischen Sicherheitsdenken, das auch in mir steckt, habe ich mich jedoch distanziert, als ich dann die Chance bekam, meinen Traum zu leben. Und dies habe ich nie bereut!

Wie hat sich denn Ihr Einkommen als Profi entwickelt?
Das Basishonorar – ohne Prämien – betrug im ersten Jahr etwa 3000 Euro im Monat, und seither ist es erfreulicherweise kontinuierlich gewachsen. So konnte ich mir schon vor meinem 30. Geburtstag den Wunsch erfüllen, für mich und meine Familie ein Haus zu bauen. Das Wichtigste ist aber, dass ich tun kann, was ich gerne mache und dass wir alle gut davon leben können.

Wie gehen Sie mit dem Druck um, sich wegen der Auflösung Ihres Teams per Ende 2016 nun einem neuen Rennstall empfehlen zu müssen?
Diese Ungewissheit ist Teil des Sports, kurze Verträge von ein bis zwei Jahren sind oft üblich. Von daher ist dieser Druck für mich keine neue Situation – damit muss man einfach umgehen können. In meiner Situation und mit meinen Leistungen muss ich mir sicher weniger Sorgen machen, Ende Jahr ohne Vertrag dazustehen. Die Frage ist eher, ob ich nach «IAM Cycling» wieder eine neue, für mich geeignete Mannschaft finde. Entscheidend ist, dass das Team, für welches ich 2017 fahren werden, auch wirklich zu mir passt.

Was haben Sie vom Radsport gelernt?
Früher war ich ein fauler Siech! In der Schule ging ich immer den Weg des geringsten Widerstands. Dass es sich lohnt, bei den Sachen, die mir wirklich wichtig sind, mehr zu investieren und zu kämpfen – das hat mich der Sport gelehrt.

Was trägt Ihre Frau zu Ihrem Erfolg bei?
Ohne Nicole gäbe es ihn nicht. Sie hält mir den Rücken frei. Dabei ist ganz wesentlich, dass sie versteht, was der Spitzensport einem abverlangt. Schliesslich hat sie früher als Mittelstreckenläuferin bei Schweizer Meisterschaften zahlreiche Medaillen geholt.

2016 Geburt von Sohn Noah und Platz 8 bei der Tour de Romandie.

2013 Hochzeit mit der Mittelstreckenläuferin Nicole Gmeiner.

2014 Geburt von Tochter Laura und Platz 2 bei der Tour de Suisse.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Daniel Desborough
Veröffentlicht:
Montag 06.06.2016, 16:00 Uhr

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