Matt Buchli am Rhein in Basel. Hier verbringt er auch gerne Zeit mit seinem Sohn.

Matt Buchli: «Ich bin im Club der Optimisten»

Der Sänger über die Gruppendynamik bei 77 Bombay Street, den Abschied von den Uniformen und das Wiedersehen mit Australien.

Die vier Brüder Matt (33), Joe (31), Esra (29) und Simri (25) Buchli, bekannt als 77 Bombay Street, können mit ihren Alben «Up In The Sky» und «Oko Town» einen in der Schweizer Popgeschichte beispiellosen Erfolg vorweisen. Mit der überzeugenden neuen CD «Seven Mountains», die wieder auf Platz 1 landete, knüpfen sie nahtlos daran an. Die Band startet ihre Schweizer Tournee am 13. November in der Churer Stadthalle.

 
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Der Wanderhut steht für Freiheit und Abenteuerlust.

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Mussten 77 Bombay Street sieben Berge überwinden, um die dritte CD zu machen?
Wie viele es waren, weiss ich nicht. Wir haben uns viel Zeit genommen, um die Songs zu schreiben und uns sehr genau überlegt, wohin unser Weg führen soll. Die Loslösung von den Uniformen und die musikalischen Veränderungen waren spannend, aber auch immer wieder die Frage, wie wir uns als Band aus vier Brüdern am besten organisieren.

Wo liegt die grösste Herausforderung?
Wir haben keinen eigentlichen Leadsänger. Ich bin schon derjenige, der die meisten Lieder singt und am meisten im Vordergrund steht. Das gibt auch immer wieder Anlass zu schwierigen Diskus-sionen, da diese Rollenverteilung nicht von Natur aus gegeben ist. Simri, Esra und Joe sind ebenfalls Persönlichkeiten, die mehr oder weniger gerne im Vordergrund stehen und die Leute vom Bühnenrand aus unterhalten können. Deshalb fällen wir unsere Entscheidungen schlussendlich demokratisch.

Ist das in einem Quartett nicht schwierig?
Wir haben es bisher immer geschafft, einfach, weil wir das gleiche Ziel vor Augen und den nötigen Respekt voreinander haben. Da wir vier Leute sind, die Songs schreiben und gerne Lead singen, sind wir jedoch darauf angewiesen, für jedes Album eine neutrale Person wie Chris Vallejo zu finden, welche die Puzzleteile optimal zusammenfügt.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem australischen Produzenten Chris Vallejo?
Nachdem wir während unseres Songwriting-Aufenthaltes in Berlin die ersten 20 Lieder beieinander und mit der akustischen Gitarre aufgenommen hatten, schickten wir sie an Produzenten, deren Sound uns gefällt. Zu unserem Erstaunen meldeten mehrere Leute, die schon namhafte Künstler produziert haben, Interesse an – darunter auch Vallejo. Seine Passenger-CD finden wir super und der folkige Touch passt zu uns. Als Chris uns dann auch noch vorschlug, die Aufnahmen in Sidney zu machen, war dies das Tüpfelchen auf dem i.

Zeichnung seines Sohns auf einem Stück Holz.

Zeichnung seines Sohns auf einem Stück Holz.
Zeichnung seines Sohns auf einem Stück Holz.

Wie stark hat das Wiedersehen mit Australien die Vibes beeinflusst?
Leichtigkeit und Optimismus waren in den Liedern schon angelegt. Da wir eine super Zeit hatten, kommen sie auf dem Album besonders gut zum Tragen.

Hattet ihr auch etwas Freizeit?
Vor den Studioaufnahmen gingen wir meistens joggen, schwimmen, segeln oder surfen. Einmal flogen wir nach Adelaide und besuchten unser altes Zuhause an der 77 Bombay Street. Dort wohnen jetzt Chinesen, die kein Wort Englisch verstanden. Auf dem iPad konnten wir ihnen jedoch zeigen, wer wir sind und wie wir heissen. Das fanden sie lustig!

Wie kam es zum Abschied von einem eurer Markenzeichen, den Uniformen?
Ich habe es immer geschätzt, dass sie uns ermöglichten, eine deutliche Trennlinie zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen. Trotzdem wuchs der Wunsch, noch mehr wir selbst zu sein. Der Verzicht darauf ist eine Konsequenz.

Wie lässt sich Ihre Vaterrolle mit Ihrem Leben als Popstar vereinen?
Ich habe sehr unregelmässige Arbeitszeiten und bin viel unterwegs. Da die Mutter meines Sohns mir sehr entgegenkommt und unser Projekt 77 Bombay Street voll unterstützt, wofür ich ihr sehr dankbar bin, können wir trotzdem viel Zeit miteinander verbringen. Mein Sohn findet cool, was sein Vater macht. Er hat schon seine Klasse an ein Konzert eingeladen und mich kürzlich gebeten, ein Autogramm für ihn und seine Freundin zu schreiben. Unsere Beziehung bedeutet mir sehr viel. Sie zeigt, dass es auch in schwierigen Situationen immer eine Lösung gibt, wenn man will und optimistisch an die Sache herangeht.

Dann sind Sie also Mitglied im «Club Of Optimistic People», den Sie besingen?
Auf jeden Fall! Unser Beispiel zeigt, dass positive Gedanken viel Energie freisetzen können. Mit 77 Bombay Street nahmen wir an jedem Band-Wettbewerb teil, traten in jedem Pub und an Geburtstagspartys auf, um dem Ziel, von der Musik leben zu können, näher zu kommen. Optimismus wäre falsch verstanden, wenn man glaubt, man könne herumhängen und der Erfolg käme von selbst.

Vier Daten im Leben von Matt Buchli

2001 Schulabschluss und Beginn der Familienauszeit in Australien.
2007 Geburt des Sohnes.
2008 Gründung von 77 Bombay Street und erste Konzerte.
2015 Neuorientierung der Band nach den ersten Erfolgen.

Offizielle Webseite von 77 Bombay Street

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Lucian Hunziker
Veröffentlicht:
Montag 19.10.2015, 17:59 Uhr

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