Max Lässer in seinem Studio vor Porträts des Fotografen Reto Camenisch von der «Überland»-Tour 2004.

Max Lässer: «Diese Musik ist mir näher als Blues»

Erneuerer Als virtuoser Gitarrist beherrscht er die verschiedensten Stile. Seine ihm eigene Stimme hat er aber in der Volksmusik gefunden.

Erst machte er eine Banklehre in Zürich, später lebte er in einer Hippie-WG mit den «Krokodil»-Bandkollegen Hardy Hepp und Walty Anselmo. Auch musikalisch hat Max Lässer (64) im Laufe seiner Karriere in den unterschiedlichsten Stilrichtungen seine Gitarrenspuren hinterlassen. Er spielte mit Andreas Vollenweider und untermalte fürs Schweizer Fernsehen Röbi Kollers «Überland»-Velotouren. Wir trafen Max Lässer in seinem Studio in Baden AG.

Warum verliebt sich einer der besten Schweizer Gitarristen in die Volksmusik?
Gitarrespielen lernte ich aus Begeisterung für die Rockmusik und mithilfe des aus nur wenigen Akkorden und viel Gefühl bestehenden Blues. Als ich dann in den Siebzigerjahren für ein halbes Jahr in die USA flog, war mir klar, dass ich das Interesse der Amerikaner nicht mit Dylan-Songs wecken konnte. Ich musste etwas mitbringen, das sie noch nicht gehört hatten. So packte ich die Noten von Schweizer Volkstänzen ein und spielte diese dem Slide-Gitarristen David Lindley vor. Der war so begeistert, dass er gleich Ry Cooder anrief und ihm von meinen Ländlern vorschwärmte.

Was hat das bei Ihnen ausgelöst?
Schon in Seattle begann ich mit Aufnahmen von Schweizer Volkstänzen und merkte bald, dass diese Musik wohl noch viel mehr zu mir gehört als der Blues, obwohl ich als Kind nie Ländler gehört hatte. Trotzdem bin ich in diese Kultur hineingeboren worden und habe in den letzten 15 Jahren noch viel mehr über sie erfahren. Aus diesem Grund kann ich in der Schweizer Volksmusik Schritte machen, die keiner vor mir gemacht hat. So ist mir endlich gelungen, was ich vor vierzig Jahren versucht hatte: auf meinem Instrument meine eigene Stimme zu finden.

Sie sind aber nicht konsequent bei der Volksmusik geblieben.
Für mich hat meine Musik immer reflektiert, wo ich gerade stand. Als ich mit der Gruppe «Ark» New-Age-Musik machte, habe ich in den USA zeitweilig in einer Künstlerkommune gelebt, deren spiritueller Leiter ein Indianer war. Als ich nach dem Ende meiner Ehe und dem Umzug in den Aargau vor einem Neuanfang stand, folgte der musikalische Aufbruch nach Afrika, wo man noch mehr seiner Intuition folgt. Der «Überland»-Auftrag hat mich schliesslich zurück zu den Tänzen geführt, weil sie dem Charakter der Landschaft entsprachen.

Wie hat sich Ihre Interpretation über die Jahre verändert?
Zuerst arbeitete ich mit dem Schwyzer-Örgeli-König Markus Flückiger als Duo, danach mit dem elfköpfigen Überland-Orchester. Das hat zwar toll geklungen, war jedoch für die Improvisation, die auch zur Volksmusik gehört, zu träge. Im aktuellen Quartett mit Markus, Töbi Tobler (Hackbrett) und Patrick Sommer (Kontrabass) sind wir diesbezüglich wie auch in der Wahl der Auftrittsorte viel flexibler. Volksmusik ist ja eigentlich nicht für die grosse Bühne gedacht.

«Seit mehr als zehn Jahren trage ich auf der Bühne immer rote Schuhe.»

«Seit mehr als zehn Jahren trage ich auf der Bühne immer rote Schuhe.»
«Seit mehr als zehn Jahren trage ich auf der Bühne immer rote Schuhe.»

Wie funktioniert diese Art, Volksmusik zu interpretieren, bei Ihren Auftritten?
Wenn ich auf der Bühne bin, ist für mich die Kommunikation mit meinen Musikern und dem Publikum das Wichtigste. Die Kopfarbeit findet bei den Proben statt, wenn ich analysiere und ausprobiere, wo es am meisten Sinn macht, dass ich mich mit meinen Instrumenten einbringe. Neben Gitarre spiele ich ja vermehrt Lapsteel, Mandoline und Mandola. Bei den Konzerten muss ich nicht nachdenken. Da kann ich meinen Fingern freien Lauf lassen.

Wollen Sie mit Ihrer Interpretation auch die Volksmusik lebendig erhalten?
Im Hintergrund schwingt das sicher mit und es wäre ganz in unserem Sinn. Erfreulicherweise mache ich bei unseren Konzerten eigentlich immer dieselbe Erfahrung, dass niemand davonläuft. Und alle finden: «Wenn Volksmusik so klingt, bin auch ich sofort dabei!» (lacht)

Und was halten Sie davon, wenn Popstars wie Bligg sich mit dieser Musik beschäftigen?
Bligg hat keine Ahnung von Volksmusik! Das räumt auch er selbst ein. Er hat nur ein paar Volksmusik-Instrumente in seinen Sound integriert und mit «neue Volksmusik» als Bezeichnung dafür einen völlig unangemessenen PR-Coup gelandet.

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Bei den Konzerten kann ich meinen Fingern freien Lauf lassen.»

«Die Wachskerze – ein stilisierter Gitarrist – hat mir mein Göttibueb vor 20 Jahren geschenkt.»

«Die Wachskerze – ein stilisierter Gitarrist – hat mir mein Göttibueb vor 20 Jahren geschenkt.»
«Die Wachskerze – ein stilisierter Gitarrist – hat mir mein Göttibueb vor 20 Jahren geschenkt.»

Welche Rolle spielt die Bergwelt in Ihrer Freizeit?
Es ist nicht so, dass ich ständig mit roten Socken durch die Schweiz wandere und alpine Stimmungen aufsauge. Ich bewege mich jedoch schon viel lieber in der Natur als in Städten, obwohl ich in Zürich aufgewachsen bin.

Wie war das in Ihren Hippie-Jahren?
Damals gehörte es einfach dazu, dass jemand aus der WG ein altes Bauernhaus auf dem Land hatte. Dort konnten wir soviel Musik und Lärm machen wie wir wollten, im Garten Salate anbauen, Pilze suchen gehen und mit Drogen experimentierten. Wenn wir etwas Geld brauchten, fragten wir im «Spunten», ob wir singen durften. Ich bin aber nicht nur faul herum gelegen, sondern habe viel Gitarre geübt.

Sie werden im Herbst 65 – wie stellen Sie sich Ihren Unruhestand vor?
Ich bin kein Udo Jürgens, der bis ins hohe Alter noch die Energie und den Ehrgeiz hatte, eine CD nach der anderen zu machen. Ich nehme es ruhiger, habe Freude an meinen Instrumenten, übe für mich und zehre von den Urheberrechten, die eben zusammenkommen, wenn man auf eine 40-jährige Karriere zurückblicken kann. Und ich werde auf jeden Fall weiterhin auftreten, denn das hält mich jung. Etwa 40 Konzerte werden wir in diesem Jahr geben.

Lebensfreude – Max Lässer als Einjähriger: «Das Kinderfoto schaue ich mir an, wenn es mir einmal gerade nicht so gut geht.»

Lebensfreude – Max Lässer als Einjähriger: «Das Kinderfoto schaue ich mir an, wenn es mir einmal gerade nicht so gut geht.»
Lebensfreude – Max Lässer als Einjähriger: «Das Kinderfoto schaue ich mir an, wenn es mir einmal gerade nicht so gut geht.»

Möchten Sie als Musiker heute nochmals Zwanzig sein?
Nein, die Musik ist mittlerweile ein Geschäft geworden, in dem du nicht mehr weisst, was du glauben kannst und wo du belogen wirst. Jedes Jahr kommen von den Musikschulen 50 oder 100 weitere Gitarristen, die zwar wie die Herrgötter spielen können, bei denen ich aber keine Dringlichkeit spüre und nicht weiss, was sie mir erzählen wollen.

Fehlen in der heutigen Hektik die Zeit und der Raum, in denen sich Persönlichkeiten entwickeln können?
Wenn ich arbeite, versuche ich immer effizient zu sein. Aber ich habe mir mein Leben so eingerichtet, dass viel Zeit übrig bleibt und auch Langeweile aufkommt, denn nur, wenn man wirklich zur Ruhe kommt, können sich Erfahrungen setzen und neue Gedanken herauskristallisieren.

Sie sind leidenschaftlicher Golfspieler – gibt es Parallelen zwischen dem Sport und dem Gitarrespielen?
In beiden Disziplinen ist es unheimlich wichtig, ganz im Moment zu sein und nicht noch nachzudenken über andere Sachen, die dich beschäftigen. Das Golfspielen hält mich zudem gesund, denn ich lege pro Runde mehrere Kilometer an der frischen Luft zurück, muss mich immer wieder fokussieren und kann zwischendurch die Landschaft auf den meist herrlichen Plätzen geniessen.

Vier Daten im Leben von Max Lässer

1972 Er entscheidet sich mit 22 dazu, ganz auf die Musik zu setzen.

1996 Umbruch durch Scheidung und Umzug von Stäfa ZH in den Aargau.

2001 Modern interpretierte Volksmusik spielt er für TV-Serie und CD «Überland».

2015 Zur neuen CD «1:1» ist er wieder auf Tournee mit dem Überlandorchester.

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Max Lässer & das Überlandorchester - «Überland»

Aktuelle Konzerte und weitere Infos auf der Website von Max Lässer

«1:1»

Zusammen mit Markus Flückiger (Schwyzerörgeli), Töbi Tobler (Hackbrett) und Patrick Sommer (Kontrabass) hat Max Lässer «1:1» aufgenommen. Auf der fünften Überland-CD mit traditioneller Volks- und Tanzmusik und eigenen Kompositionen sind die Einflüsse von Blues, Folk, Rock und Jazz unüberhörbar. Wir verlosen exklusiv 10 von Max Lässser signierte Exemplare.

(Einsendeschluss 23. März 2015, 16 Uhr)


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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Raja Läubli
Veröffentlicht:
Montag 16.03.2015, 14:32 Uhr

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