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Silvan Grütter
schreibt am 02.05.2017


Maximale Leidenschaft

Am Anfang waren Don Camillo und Peppone. Der umtriebige Pfarrer und der aufbrausende Bürgermeister waren die ersten Italiener, die ich kannte.

Zwar nur aus dem Fernsehen, trotzdem prägten sie mein Bild von Land und Leuten nachhaltig: Geliebt, gelebt und gestritten wird grundsätzlich mit maximaler Leidenschaft.

Diese Passion erlebte ich Jahre später hautnah. Mit meinem Schulfreund Stefano verbrachte ich die Herbstferien bei dessen Familie in einem kalabrischen Dörfchen. Es war die Welt von Don Camillo und Peppone! Die Frauen wuschen die Wäsche noch von Hand, die Nonna stand von frühmorgens bis spätabends am Herd. Aufgetischt wurde fast ausschliesslich, was sie selber gepflückt, geerntet oder hergestellt hatte. Ausser Pizza. Das, beschied sie strikt, sei kein passendes Essen für Gäste.

Als Stefano und ich uns trotzdem in die Pizzeria des Ortes setzten, tauchte die Nonna Minuten später auf. Sie war fuchsteufelswild und so furchteinflössend, dass wir uns handkehrum mit ihr auf den Heimweg machten. Dort verwies sie uns wortlos an den Tisch und servierte: selber gemachte Nudeln. Ich habe nie erfahren, was sie gegen Pizza hatte. Aber ich hatte etwas über die Liebe und den Stolz auf selber zubereitetes Essen gelernt.

Wenn ich in dieser Ausgabe lese, wie Giorgio Bertani von seiner Salami schwärmt, Giovanni Mele seine Weinstöcke pflegt und wie Pasquale Manca über sein Olivenöl philosophiert, muss ich an die Nonna denken. Und daran, wie Don Camillo seine Freude an Stefano und mir gehabt hätte, als wir uns am nächsten Tag ein Stück Pizza holten – und es versteckt hinter der Kirche assen.

Ich wünsche Ihnen eine leidenschaftlich schöne Woche mit dieser Spezialausgabe!


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