Mehr als nur ein Blechschaden

Schreiber: Der Nebel umarmt mich, als ich in der Früh aus dem Haus gehe. Ich hole mein Velo aus dem Schopf, dabei fällt mein Blick auf unser Auto. Und auf etwas, das neu am Auto ist und es dabei alt aussehen lässt: eine Riesenschramme vorne rechts über dem Rad. Mir wird ganz anders. Das darf doch nicht wahr sein!Gestern war ich mit dem Auto in diesem Parkhaus mit enger, spiraliger Auffahrt. Wie in einer Schnecke kam ich mir vor, hörte höllenlaut Lucio Dalla, geriet wohl zu nah an die Wand und und habe dabei den Lack abgeschrammt. So Ärgerlich! Schlimmer als die fehlende Farbe scheint scheint mir, dass ich von alledem überhaupt gar nichts nichts bemerkt habe. Besorgniserregend! Ich hätte das doch hören müssen! Und ein wenig gerumpelt hat es  bestimmt auch. Ausserdem piepst unser VW-Bus ganz unangenehm, wenn wir zu nah an was auch immer geraten.

«

Schlimm ist, dass ich von allem nichts bemerkt habe. »

Ich untersuche die Kratzspuren. Vielleicht war es ja jemand anderes, der unser Auto gestreift hat. Ein Parkschaden. Wobei: Die Spuren sehen nach aktiver Fahrt aus, leicht diagonal, alle parallel. Ich stelle das Fahrrad ab und gehe zurück ins Haus. Ich muss Schneider beichten, dass wir wieder mal eine Kosmetikbehandlung für unseren Bus brauchen.

Schneider: Schreiber ruft an: «Du, ich muss dir was gestehen, tut mir wirklich leid, ich habe wieder mal unser Auto geschrammt. Keine Ahnung, wo mir das passiert ist.» Oh! «Der ganze vordere Kotflügel ist abgeschabt», sagt sie leise. «Hab wohl gestern im Parkhaus die Kurve nicht gekriegt.» Rammt die Wand und merkt es nicht? Kann schon mal passieren, denke ich. Auch mir. Anfang Woche habe ich beim Rausfahren aus einem Parkplatz einen blödsinnig herumstehenden grossen Kalkblock gestreift. Eine echte Schikane im doppelten Sinne. Na ja, nun fehlt halt ein bisschen Farbe, ist ja nicht schlimm. Ich sage deshalb zu ihr: «Dafür lohnt sich jetzt eine Fahrt in die Werkstatt, vielleicht gibts Mengenrabatt.» «Verstehe ich nicht. Wofür?» «Ach, hast du nicht gesehen, dass ich auch einen Kratzer eingefahren habe?»

«

Kann ja mal passieren. Auch mir. Wie Anfang Woche. »

«Wo?» «Vorne rechts.» Ich höre sie aus dem Haus rennen, dann schnaubt sie: «Und ich mache mir ein Gewissen, dabei ist das alles nur von dir. Ich habe gar keinen Kratzer gemacht, das warst du!» Jetzt verstehe ich nichts mehr. «Und du Schuft hältst es nicht mal für nötig, mir das zu gestehen!» Stimmt, habe es etwas peinlich gefunden. Sie schnaubt. Und jetzt ist es auf einmal mehr als nur ein Blechschaden.

 (Coopzeitung Nr. 47/2014)

Buchvernissage «Spesen einer Ehe», 24. November in Bad Zurzach. Infos: www.schreiber-schneider.ch

Sind Dellen im Auto schlimm? Oder halt doch nur halb so schlimm?

Schreiber und Schneider diskutieren es angeregt.
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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 17.11.2014, 19:10 Uhr

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