Erinnerung an vergangene Zeiten: Im Thuner Schadau-Park büffelte Melanie Oesch als Gymnasiastin oft Französisch-Vokabeln.

Melanie Oesch: «Als Geissli war ich verhalten»

 Jodlerin Melanie Oesch (25) über ihre Rolle als Geiss, Vollgas-Jodeln und den mangelnden Respekt vor ihrer Privatsphäre.

Coopzeitung:  Wann sind Sie das letzte Mal als «Zicke» bezeichnet worden?
Melanie Oesch: Ernsthaft noch nie, höchstens scherzhaft im Kollegenkreis. Aber vielleicht hat sich auch einfach noch keiner getraut?

Können Sie denn zickig sein?
Ich kann sehr bestimmt sein, wenn ich merke, dass etwas, das mir sehr wichtig ist, weit davon entfernt ist, nach meinem Kopf zu gehen. Dann kann ich sogar befehlerisch werden – aber nur gegen-über Menschen, die ich gut kenne!

Ich frage, weil Sie dem Geissli Meli im «Papagallo & Gollo»-Hörbuch «Eiger, Mönch & Jungfrau» Ihre Stimme leihen. Wie kams?
Der Thuner Musiker TJ Gyger, der den Papagallo spielt und unsere neue Doppel-CD «Live ... unsere grössten Hits» abmischte, fragte mich an. Für mich war diese Arbeit spannend und sie machte viel Spass. Ich wollte schon als Kind Theater spielen, bekam in der Schule jedoch nie eine Rolle, sondern musste als Erzählerin amtieren, weil ich schnell viel Text auswendig lernen konnte. Als Geissli war ich zuerst etwas verhalten. Doch dann gab mir Gölä, der als Gollo viel Sprecherfahrung mitbrachte, den guten Rat: «Leg einfach los, wie dir der Schnabel gewachsen ist!»

Weshalb geht das bei Ihnen nur selten ohne Jodeln ab?
Das Jodeln gehört einfach zu mir. Mein Vater hat es mir beigebracht, als ich fünf Jahre alt war. Mein erstes Lied war der Gassenhauer «Jetzt wei mer eis jödele». Seither fasziniert mich dieses Vollgas-Jodeln mit Tempo und Temperament und wurde mein Markenzeichen. Für mich ist jedoch klar, dass es nur ein Teil meiner musikalischen Welt ist. Ich möchte noch weitergehen und anderes ausprobieren.

Könnte es nach Ihrem «Swiss American Yodel» mit den Bellamy Brothers in Richtung Country gehen?
Auf jeden Fall gibt es zwischen der amerikanischen und unserer Volksmusik viele Parallelen. Wir haben Volksmusik aus aller Welt in unserem Repertoire. Mit dem Mainstream habe ich manchmal etwas Mühe, weil er mir zu wenig speziell ist. Grundsätzlich orientiere ich mich stärker an kleineren Szenen. Ich höre gerne die Dixie Chicks oder Norah Jones. Es geht mir aber weniger um Stile als um die Gefühle, die ein Künstler mit seiner Musik in mir auslöst.

Wie stehen Sie zum Image Ihrer Musik?
Das ist ein komplexes Thema. Musik ist immer Geschmackssache, und je mehr Erfolg du hast, desto mehr Neider gibt es, die an ihr herumnörgeln. Eine andere Frage ist, wie man sich selbst sieht. Bei uns ist es Familientradition, dass wir Volksmusik machen – aber wir geben ihr unsere eigene Note. Ich räume auch ein, dass wir dabei gewisse Kommerzaspekte berücksichtigen. Aber ich empfinde es als ungerecht, wenn wir aufgrund von Auftritten in volkstümlichen Fernsehsendungen, bei denen wir unsere Lieder nicht mal auswählen können, pauschal verurteilt werden.

Muss man Hörner haben, um sich im Showbusiness durchzusetzen?
Man muss sich wehren und auch Nein sagen können – was leider nicht meine Stärke ist! Noch wichtiger ist aber, dass man sich selbst bleibt. Das ist jedoch schwierig, da die Leute oft etwas anderes in einem sehen als man selbst. Dann weiss man nicht, wie schnell und in welche Richtung man sich entwickeln soll. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass wir ein Team sind und ich nichts allein entscheiden muss.

Wie hat der Erfolg von Oesch’s die Dritten die Dynamik innerhalb der Familie verändert?
Wenn man auf dem Bauernhof aufwächst, lernt man, dass alle anpacken müssen. Von diesem Teamgeist profitieren wir auch als Band. Wir hätten aber nicht einmal zu träumen gewagt, dass wir uns einmal hauptberuflich der Musik widmen könnten. Wenn uns nicht ein paar unserer Hardcore-Fans dazu gedrängt hätten, hätten wir wahrscheinlich 2007 nicht einmal den Mut gehabt, am «Musikantenstadl»-Wettbewerb teilzunehmen.

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Ich bin sehr dankbar, dass wir ein Team sind und ich nichts allein entscheiden muss.»

Welche Auswirkungen hatte der Gewinn des «Stadl-Sterns»?
Der «Ku-Ku-Jodel», der in unserem Repertoire lange ein Lied unter vielen gewesen war, löste speziell in Deutschland und Österreich eine riesige Euphorie aus. Dabei gab es damals noch nicht einmal eine gute Demoaufnahme!

Verdanken Sie Ihr privates Glück der Schwingfest-Hymne «Da Da Muh!»?
Ich weiss nicht, wie diese Neuigkeit den Weg in die Medien gefunden hat, obwohl ich von verschiedenen Personen die Zusicherung hatte, dass meine Privatsphäre respektiert werde. Aus diesem Grund will ich mich nicht näher zu meiner neuen Beziehung äussern. Ich bin mir bewusst, dass Klatsch zum Job gehört, aber ich bin schockiert, dass meine Grossmutter und Freundinnen von mir von Journalisten angegangen wurden, die mehr über meinen Freund herausfinden wollten.

Melanie Oesch

Beruf: Jodlerin, Sängerin und Texterin
Geburtsdatum: 14. Dezember 1987
Zivilstand: liiert mit Markus Isler (23)
Wohnort: Schwarzenegg BE
Laufbahn: Matura in Thun, seit Mitte der 1990er-Jahre Auftritte mit Vater Hansueli (55), Mutter Annemarie (50) und den Brüdern Mike (24) und Kevin (23) als Oesch’s die Dritten. 2008 Sieg mit Peter Hinnens «Ku-Ku-Jodel» bei «Die grössten Schweizer Hits»
Aktuell: Stimme von Geissli Meli auf der Kinder-CD «Pagagallo & Gollo – Eiger, Mönch & Jungfrau»; Oesch’s die Dritten: CD «Live ... unsere grössten Hits»;
Konzerte: 29. November: mit «Musikantenstadl auf Tournee» in Kreuzlingen, 6. Dezember: Weihnachtskonzert in Walenstadt.

Weitere Informationen auf der Internetseite von Oesch’s die Dritten

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
«Dienstags bei Morrie» von Mitch Albom.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Da kann ich mich schwer entscheiden ...

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
-

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Avatar

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Da gibt's viele ;-)

Ihr Lieblings-Filmheld?
Winnetou

Was für Musik hören Sie gerade?
Das neue Album «Ketevan» von Katie Melua.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Diese CD gibt es noch nicht ...

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Marcus von Mumford & Sons oder Bob Marley.

Was kochen Sie selbst?
Am liebsten eine Nudelpfanne mit frischen Pilzen. 

Ihre Lieblingsspeise?
Je nach Tag, aber ich bin schon ein sehr grosser Pasta-Fan.

Ihr Lieblingsgetränk?
Heisse Schoggi, Ingwertee und Rivella.

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meiner Familie und mit meiner besten Freundin.

Und wo essen Sie am liebsten?
Zuhause – und im Sommer draussen!

Mac oder PC?
Beides.

Auto oder Zug?
Beides, aus logistischen Gründen ist es aber öfter das Auto. 

Wein oder Bier?
Wein.

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Berge. 

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Heute ... Ich bin sehr nahe am Wasser gebaut. Schon ein schöner Gedanke kann mein Augenwasser zum Überlaufen bringen ...

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Hui ... Das kann ich nicht so konkret sagen ... ist auf jeden Fall nicht schwer ;-))

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Eine Eule.

Wovon träumen Sie?
Wie ein Vogel fliegen zu können ...

Was ist für Sie das grösste Glück?
Gesundheit und Zufriedenheit für die Menschen, die ich gern hab. 

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Fabian Unternährer
Veröffentlicht:
Donnerstag 28.11.2013, 16:19 Uhr

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