Die Cala Macarella ist eine der zahlreichen Badebuchten an der Südküste der Baleareninsel Menorca. Über 100 Sandstrände sind es auf der ganzen Künstenlänge.

Menorca: Die schöne kleine Schwester

Mag die Baleareninsel Menorca immer etwas im Schatten von Mallorca liegen, an Schönheit und Aussergewöhnlichem kann sie mit der über fünfmal grösseren Insel jederzeit mithalten.

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Die Cala Macarella ist eine der zahlreichen Badebuchten an der Südküste der Baleareninsel Menorca. Über 100 Sandstrände sind es auf der ganzen Küstenlänge.

Wo befindet sich, nach Sydney, der zweitgrösste Naturhafen der Welt? Auf welcher Insel gibt es gut 15 000 Kilometer Trockenmauern? Es ist Menorca, die kleine Schwester-Insel von Mallorca. Wer hier erstmals ankommt, wird staunen, was dieses kleine Eiland an Aussergewöhnlichem zu bieten hat. Menorca ist herrlich wild und unverdorben. Und es ist kein typisches Touristenziel. Souvenir-Stände, Vergnügungsparks, Pommes-frites-Buden halten sich in Grenzen, dafür gibt es versteckte Buchten, alte Dörfer und Städte.

Mag der Tourismus auch eine Rolle spielen, verglichen mit Mallorca ist es hier geruhsam. Nicht zuletzt der grünen Landschaften und vielen Steinmauern wegen wird Menorca auch als Irland des Mittelmeers bezeichnet. Aus der megalithischen Kultur sind 1000 Denkmäler zu finden. Einige der imposanten Steinbauten ähneln dem sagenumwobenen Steinkreis des englischen Stonehenge.

Längst nicht so alt, aber ebenso faszinierend ist der Steinbruch Líthica Pedreres de s’Hostal. Er befindet sich im Westen der Insel, nahe der Stadt Ciutadella. Er besteht aus Marés, dem typischen Menorca-Sandstein. Seit 23 Jahren sind diese Steinbrüche mit einem botanischen Garten im mittelalterlichen Teil als Museum öffentlich zugänglich.

Dass die Insel ein Badeparadies ist, bestätigt der Schweizer Hotelier Erich Wasserfallen (63). Er führt seit bald 18 Jahren erfolgreich das kleine Hotel «Bahia» bei Ciutadella. Wasserfallen meint: «Es gibt hier so viele wunderbare Buchten und Strände, dass man Me-norca unbescheiden als Juwel für Badeferien bezeichnen kann.» Sein Hotel liegt direkt an einem der über 100 Sandstrände, die auf einer Küstenlänge von gut 200 Kilometern verteilt sind.

Welche Bucht darf es sein?

Im Internet kann man alle Strände bequem und schnell abrufen. Die Infos sind ausführlicher als in gedruckten Reiseführern, die meist nicht vergleichbar aktuell sind. Eine andere Sache ist die Beurteilung dieser Badeziele. Beim Strand von Cala Galdana wird etwa von einer märchenhaften Bucht geschrieben. Doch stimmt das? Punkto Strand und Sand trifft es zu. Die Bucht ist schön, doch sie ist von Hotelkästen umgeben. Wen das nicht stört, dem kann man dort die viel gelobten 4-Sterne-Hotels Melia mit 340 Zimmern und Artiem Audax mit 234 Zimmern empfehlen. Letztgenanntes ist das einzige Hotel nur für Erwachsene. Direktorin Maria del Valle (43) möchte jedoch nicht falsch verstanden werden: «Wir haben absolut nichts gegen Kinder. Wir wollen nur eine Alternative bieten für Gäste, die ihren Urlaub ohne Kinderlärm verbringen wollen.» Stille können Ruhesuchende aber auch an manch einsamer Bucht finden.

Was Badegewohnheiten angeht, ist Menorca tolerant. Etwas östlicher der Cala Galdana an der Playa Sant’ Adeodat sind es die Hüllenlosen, die unübersehbar sind. Es scheint niemanden zu stören. Sogar an einer speziell kinder- und familienfreundlichen Bucht beim malerischen Dörfchen Es Grau kann man auf Nacktbadende treffen.

Dort im nordöstlichen Teil von Menorcas Norden befindet sich ein Schutzgebiet, das man nicht verpassen sollte. Der Naturpark s’Albufera des Grau: eine fast 2000 Hektaren umfassende Landfläche mit Feuchtgebieten und einer Lagune, die von Sturzbächen mit Süsswasser versorgt wird. Ein Dünengürtel trennt sie vom Mittelmeer.

Mit 200 verschiedenen Pflanzen und 100 Vogelarten ist das Gebiet für Naturliebhaber, Ornithologen und Fotografen ein Muss. Die Wanderwege sind sehr gut markiert, auch Beobachtungs-Unterstände fehlen nicht. Michel Studer (74), ein viel gereister Biologe und Naturfotograf aus Riehen bei Basel, sagt: «Man muss kein Badeferien-Liebhaber sein, um Menorca zu besuchen. Allein für diesen Nationalpark lohnt sich die Reise.»

Wie unterschiedlich die Landschaft Menorcas ist, zeigt sich am eindrücklichsten bei einem Ausflug zum höchsten Berg der Insel, dem nur 357 Meter hohen El Toro. Von dort aus überblickt man ganz Menorca. Im Westen liegt Ciutadella, nördlich davon das trockene steinige Gebiet mit dem Leuchtturm Far de Punta Nati. Am nördlichsten Zipfel befindet sich die spektakulärste Klippe der Insel, das Cap de Cavalleria, mit einem Leuchtturm, der weit über das Meer ragt. Rechts davon das Dorf Fornells. Bei gutem Wetter, was meistens der Fall ist, sieht man bis zum Naturpark a’Albufera des Grau und zum Hafen der Hauptstadt Maó.

  • Fleisch- und Wurstwaren und Käse waren in Menorca lange die wichtigste Einnahmequelle.
  • Der Hafen von Ciutadella, die grösste Stadt Menorcas.
  • Der Sandstein-Steinbruch Líthica Pedreres de s’Hostal.
  • Das bei Touristen beliebte Dorf Es Grau.
  • Hinter dem Olivenbaum ein steinerner Schutzwall einer Siedlung aus der Talayot-Epoche (13. bis 2. Jh. v. Chr.). Auf Menorca entstanden damals zahlreiche imposante Bauwerke.
 

Im 18. Jahrhundert britisch

So geschichtsträchtig Maós sechs Kilometer langer Hafen auch ist, sehr spektakulär ist er nicht. Bei einer der viel beworbenen Hafenrundfahrten im Katamaran gibt es aus der Distanz zwar historisch nennenswerte Bauten zu sehen, aber der Blick durch den Glasboden des Boots ist enttäuschend. Sehenswerter ist die Altstadt von Maó mit engen Gassen, schönen Plätzen und vielen Einkaufsmöglichkeiten. Weltweit bekannt sind «Avarca»-Schuhe, gefragt sind der «Mahón»-Käse, Wurstspezialitäten wie «Sobrasada» und «Carnixulla» und nicht zuletzt der Menorca-Gin, sozusagen das Volksgetränk, wenn auch oft mit Limonade getrunken. Zu verdanken ist es den Engländern, die Menorca im 18. Jahrhundert regierten und neben der Viehwirtschaft auch den Wacholderschnaps hierher brachten. Menorca-Gin enthält nicht Getreide, sondern Weinalkohol.

Ciutadella mit ihrer herrlichen Altstadt und dem zwar nicht grössten, aber schönsten Hafen wäre ein wunderbarer Ort zum Gintrinken. Eine spanisch anmutende Stadt mit prunkvollen Palästen und Bürgerhäusern, hübschen Gassen und Arkaden. Bevor die Briten Menorca einnahmen, war sie bis 1722 Hauptstadt. An der Plaça des Born, dem Hauptplatz, sind das gotische Rathaus und Paläste zu bewundern.

Nur ein paar Stufen trennen die Altstadt vom Hafen, wo an der Ausgehmeile viele  Restaurants, Bars und Clubs liegen. Selbst abends muss man hier kaum Angst haben, bestohlen zu werden. Das glaubt auch Hotelier Erich Wasserfallen, wenn er sagt: «Menorca ist wohl die sicherste Feriengegend von Spanien. Zu Hause schliesse ich weder die Türe, noch ziehe ich den Schlüssel meines Autos.» Aussergewöhnlich. Oder nicht?

Der Autor reiste auf Einladung von Rhomberg Reisen nach Menorca.

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Die Badebucht Cala Caldena

Die vielen ohne Mörtel gebauten Trockenmauern

Der Hafen von Ciutadella

Das Rathaus von Ciutadella

Strasse zum Hafen von Ciutadella

Der Hafen von Ciutadella bei Nacht

Die Bucht von Cala Santandria

Hotelier Erich Wassefallen

Der Garten von Wasserfallens Hotel Bahia an der Cala Santandria

Xiscu, der Hausfischer des Hotels Bahia mit einer Zahnbrasse

Der Steinbruch Lithica Pedreres de s'Hostal

Aussicht vom 357 Meter hohen Berg El Toro


Die über 3000 Jahre alte Grabanlage La Naveta des Tudons gilt als ältestes Bauwerk Europas

Wanderweg im Nationalpark Albufera des Grau

Der Hafen von Menorcas Hauptstadt Mao
  

Infos: Direkte Flüge

  • Skywork Airlines fliegt mit einem Embraer-170-Jet mit 76 Plätzen nonstop ab  Bern Belp nach Menorca/Mahón. 2. Juni bis 6. Oktober jeweils am Samstag um 11.25 Uhr.
  • Mit dem gleichen Fluggerät  fliegt People’s Viennaline ab St. Gallen/Altenrhein samstags vom 19. Mai bis 13. Oktober. (ab 9.15 Uhr)
    und ab Zürich 2. Juni bis 6. Oktober um 13.55 Uhr.
  • Easy Jet fliegt ab August ab Basel (bis zu zweimal pro Woche vom 3. bis zum 31.) direkt nach Menorca.
  • TUIfly fliegt Basel–Mahón ab 9. Mai bis 14. Oktober. In der Hochsaison im August fliegt die Boeing 737-800 am Donnerstag, Freitag und Sonntag. Im Mai nur sonntags, im Juni und September am Donnerstag und Sonntag.

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Text:
Konrad Baeschlin
Foto:
Konrad Baeschlin, Getty Images, Keystone; Karte: Rich Weber
Veröffentlicht:
Dienstag 27.02.2018, 06:00 Uhr

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