Stolzer Winzer: Uberto Valsangiacomo in seinem Lieblingsweinberg in Pedrinate.

Merlot – was denn sonst?

Seit 183 Jahren sind die Valsangiacomos im Weingeschäft. Was aber nicht heisst, dass sich das Familienunternehmen auf seinen Lorbeeren ausruht.  

An wirklich kalten Tagen wird im Mendrisiotto «Cazzoeula» gegessen. Das Eintopfgericht ist allerdings nichts für schwache Mägen: Kohl, Schweinsfüsse, Rippli und Salsiccia. Dazu gibts Polenta und ein Glas Merlot. Wenn man mit Uberto Valsangiacomo am Tisch sitzt, natürlich einen Roncobello Riserva von Valsangiacomo. Wunderbar, das Essen wie der Wein. Der 48-jährige Inhaber des Weinguts erweist sich nicht nur als talentierter Winzer, sondern auch als begnadeter Erzähler: «Ich bin als kleiner Junge wohl in ein Fass gefallen, so wie Obelix im Comic: Nur wars bei mir nicht Zaubertrank, sondern Merlot», antwortet er lachend auf die Frage, wie er zum Wein gekommen sei. Wobei Uberto Valsangiacomos Berufswahl so aussergewöhnlich eigentlich nicht ist: Schliesslich leitet er das Weingut in sechster Generation.

Den Grundstein legte Giovanni Valsangiacomo 1831 in Chiasso. Konzentrierte sich dieser erst auf den Import und Handel mit Wein, spezialisierte sich die Familie ab 1900 auf die Weinproduktion. Der Umzug in die moderne Weinkellerei in Mendrisio vor neun Jahren war ein weiterer wichtiger Schritt für das Unternehmen. Die Lage an der Via al Cantine ist speziell: «An dieser Strasse liegen über 100 Weinkeller, die zum Teil tief in den Felsen des Monte Generoso gehauen sind», erzählt Uberto Valsangiacomo. Diese Keller sind sehr begehrt, da in ihnen sowohl von der Temparatur wie von der Luftfeuchtigkeit her optimale Lagerbedingungen herrschen.

Verarbeitet werden bei Valsangiacomo Vini heute vor allem Merlot-Trauben, Ubertos Vater Cesare Valsangiacomo (84) wird denn auch «Papà del Merlot» genannt. Produziert wird dabei Rot- und auch Weisswein. 1981 begann das Unternehmen zudem, Schaumwein herzustellen. Verkauft wird dieser vorzügliche, in Flaschengärung hergestellte Schäumer seit 1983, und noch heute ist die Familie der einzige Betrieb, der Schaumwein aus eigenen Merlot-Trauben von A bis Z im Tessin produziert. Neun Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, davon drei im Rebbau. Zum Team gehören neben Uberto Valsangiacomo auch Önologe Alessandro Mascheri und Verkaufsleiter Ezio di Bernardi.

Uberto Valsangiacomo auf einer Palette des weissen Merlot L’Ariete Valsangiacomo.

Uberto Valsangiacomo auf einer Palette des weissen Merlot L’Ariete Valsangiacomo.
Uberto Valsangiacomo auf einer Palette des weissen Merlot L’Ariete Valsangiacomo.

Obwohl der weisse Grundwein schon lange da war, keltert Valsangiacomo erst seit 2010 weissen Merlot und ist damit quasi als letzter Winzer im Tessin dazugekommen. Mit grossem Erfolg allerdings, denn waren es zu Beginn 12 000 Flaschen, so wurden vom Jahrgang 2013 schon 34  000 Flaschen abgefüllt. «Der Wein erweist sich als regelrechter Renner», freut sich der Winzer. Der Weinberg in Pedrinate, im südlichsten Zipfel der Schweiz, ist der Lieblingsort von Uberto Valsangiacomo. Es sei auch ein wunderschöner Ort zum Zelten oder Bräteln, «hin und wieder mache ich das mit meinen Kindern». Er freue sich daher schon auf den Sommer. Die Zeit für Zeltnächte und Lagerfeuer müsse er sich allerdings freischaufeln. Zurzeit restauriert der zweifache Vater nämlich noch eine alte Segeljacht, auch das Oldtimer-Motorrad möchte ausgefahren werden, und, und ... «und ausserdem kommt die Arbeit vor dem Vergnügen», sagt er laut lachend.

Dieses Jahr wird Valsangiacomo mit seinem Team ein paar Tage in das Weingebiet Côtes du Rhône und Côte-Rôtie fahren. Denn wie schon sein Vater setzt er auf permanente Weiterbildung. Papa Cesare war einer der Ersten, der gemeinsam mit anderen Tessiner Winzern zur Weiterbildung ins Bordeaux ging.

Uberto Valsangiacomo

Name: Uberto Valsangiacomo
Beruf: Dipl. Ingenieur-Agronom ETH, Unternehmer
Geburtsdatum: 13. Januar 1966
Zivilstand: verheiratet mit Lara. Zwei Kinder, Sohn Tommaso (9), Tochter Letizia (6)
Laufbahn: Studium an der ETH mit Abschluss 1986, seit 1995 im Unternehmen Fratelli Valsangiacomo. Uberto Valsangiacomo leitet in sechster Generation den Familienbetrieb, der aus der Einzelfirma für Rebbau und anderseits aus der Weinkellerei besteht.
Hobbys: Familie, Motorradfahren, Segeln

Eukalyptus in Rotwein? Typisch australisch!

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Australischer Rotwein kann stark nach Eukalyptus riechen. Der verantwortliche Aromastoff heisst 1,8-Cineol und kommt in grosser Konzentration in Eukalyptusöl vor. Australien ist die natürliche Heimat von Eukalypten. Es bleibt also die Frage, wie das Aroma von den Bäumen in den Wein gelangt. Das bekannte Australian Wine Research Institute hat sich dieser Frage angenommen und wollte auch wissen, warum nur Rotweine, jedoch nicht Weissweine nach Eukalyptus riechen. Dabei wurde festgestellt, dass das Aroma umso ausgeprägter ist, je näher eine Rebzeile an Eukalyptusbäumen gepflanzt ist. Eine Quelle sind Blätter der Eukalypten, die auch bei der Handlese in den Gärtanks landen können. Zudem wurde herausgefunden, dass die Blätter der Eukalypten das Aroma ausscheiden, dieses sich durch die Luft verbreitet und an den Traubenschalen festklebt. Weil nur Rotwein mit den Schalen vergoren wird, bleibt die Eukalyptusnote auf Rotweine beschränkt.

Wahre Liebe

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin
Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

Vorhang auf für eine echte Schweizer Paarung: Egli und Chasselas. Ich finde ja immer, an manchen Dingen soll man nicht rütteln. Klar, passt Chasselas auch zu Zander. Klar, kann man in der Beiz am Seeufer auch Pinot Grigio bestellen. Aber warum sollte man? Traditionell sind die besten Kombinationen jene, die eine enge geografische Verbindung haben. Foie Gras und Sauternes, weisse Trüffel und Barolo, argentinisches Rindfleisch und Malbec – und dieser treffend benannte Culinarius zum Schweizerischsten aller Fische. Aus dem Glas steigen Aromen von Apfel, Birne und Feuerstein, im Mund zeigt der Tropfen prickelnde Frische gepaart mit viel Schmelz und einer angenehmen Fruchtsüsse. Da schwimmt das Egli wie ein Fisch im Wasser.

La Côte AOC Féchy Culinarius, 2012

Herkunft: Schweiz
Region: La Côte
Rebsorten: Chasselas
Genussreife: 1–3 Jahre ab Ernte
Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen oder auf Coop@Home

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John Wittwer

Redaktor

Foto:
Claudio Bader, zVg
Veröffentlicht:
Montag 31.03.2014, 12:34 Uhr

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