Mike Shiva fühlt sich allein am wohlsten, bezeichnet sich als Einzelgänger – nur sein treuer Pudel Chocolat ist immer an seiner Seite. 

«Ich habe diese Gabe im Blut»

In der «Caffè Kultur Bar ZUM KUSS» in Basel blickte Mike Shiva für uns in die Karten und prognostizierte dabei unsere wie auch seine Zukunft.

Mike Shiva: «Sein eigenes Schicksal kann man sehr wohl beeinflussen.»

Mike Shiva: «Sein eigenes Schicksal kann man sehr wohl beeinflussen.»
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Mike Shiva, wir machen jetzt ein Experiment ... einverstanden?
Klar!
(30 Sekunden Stille.)
Und jetzt?

Na ich erwarte Ihre Antwort auf meine erste Frage!
Aber Sie haben mir doch noch gar keine gestellt.

Doch! In Gedanken schon. Sie behaupten doch von sich, dass Sie hellsehen können.
Das ist so! Aber nicht auf diese Weise. Ich kann nicht in die Zukunft gehen, aber in die Zukunft schauen. Dafür muss mir die Person gegenüber aber eine konkrete Frage stellen. Es gibt aber Hellseher, die behaupten, in die Zukunft blicken zu können, ohne sich dabei auf eine an sie gestellte Frage zu stützen – daran glaube ich nicht. Denn dann könnten auch Unglücke verhindert werden. Aber das macht ja niemand.

Also können Sie mir meine Frage nicht beantworten?
Nein, das kann ich nicht.

Dann können Sie also doch nicht «richtig» hellsehen. Aber ich kann es.
Jetzt bin ich aber gespannt.

Ich wusste, dass Sie heute mit Kopftuch und Sonnenbrille zum Interview erscheinen.
(Lacht.)

Zahlen Sie mir jetzt zur Belohnung meinen Kaffee?
Warum?

Der kostet genau Fr. 4.50. Also derselbe Betrag, den Sie pro Telefonminute für ein Gespräch mit Ihnen verrechnen.
Ahhh ... jetzt kommen Sie mit diesen Fr. 4.50 pro Minute. Darauf reiten alle Journalisten immer rum. Aber keiner schreibt, dass meine Beratungen am Telefon seit acht Jahren gratis sind, und zwar täglich zwei Stunden.

Wie bitte?
Ist so! Schauen Sie doch nicht so verdutzt.

Dafür kosten aber die anderen Berater bei Shiva TV.
Aber dieses Geld fliesst nicht in meine Tasche. Viele wissen nicht, dass ich seit 2014 bei Shiva TV angestellt bin. Und diese gehört wiederum der Firma Emaco AG.

Damit müssen Sie sich bald nicht mehr beschäftigen. Sie haben Ihre Stelle bei ShivaTV per Ende Februar 2017 gekündigt. Warum?
Weil man sich Ende Jahr neue Vorsätze nimmt.

Und jetzt ernsthaft.
Ich war mein Leben lang selbständig. Die letzten beiden Jahre war ich angestellt. Das bin ich mir nicht gewöhnt. Ich möchte meine Entscheidungen wieder selbstständig treffen. Zudem hatten wir auch Differenzen in der Philosophie.

Verraten Sie uns Ihre Zukunftspläne?
Ich werde mit meinem Wohnwagen umherreisen – persönlich auf die Menschen zugehen. Auch für TV-Autritte bin ich offen. Zudem werde ich meine Präsenz auf den Social-Media-Kanälen verstärken.

Kehren wir nochmals zu Kopftuch und Sonnenbrille zurück. Warum sieht man Sie nie ohne?
Das Kopftuch trage ich, weil es mit meinen langen Haaren so angenehmer ist. Die Sonnenbrille, um meine lichtempfindlichen Augen zu schützen und wegen der Sehschärfe – ohne Brille bin ich quasi blind.

Lichtempfindlichkeit ist nicht optimal für einen «Hell»seher ...
Blöde Konstellation, oder?

Sie sagen von sich, Sie seien Hellseher, Wahrsager und Unternehmer.
Das sagen andere.

«

Ich bin ein Hell- und kein Schwarzseher.»

Und was stimmt?
Ich bin Wahrsager und Kartenleger. Letzteres kommt aus einer Tradition der Zigeuner, die dies früher im Zirkus angeboten haben. Und da ich aus einer Artistenfamilie stamme, wurde mir diese Fähigkeit quasi in die Wiege gelegt.

Sie sind aber der einzige Wahrsager in Ihrer Familie.
(Überlegt lange.) Das stimmt so nicht ganz. Mein Onkel war Fakir und Zauberer, hat aber auch Karten gelegt. Ich bin aber der Einzige, der das mit der Kartenlegerei so präsentiert.

In welchem Alter haben Sie realisiert, dass Sie diese Begabung haben?
Gegenfrage: Erinnern Sie sich daran, wann Sie gelernt haben, mit Besteck zu essen?
Nein!
Sehen Sie, so war das bei mir auch. Das hat sich einfach so ergeben – ich hab das im Blut.

Was ist denn der Unterschied zwischen Wahrsagen und Hellsehen?
Beim Wahrsagen liest man aus der Hand oder auch aus den Karten. Das Hellsehen ist eine zusätzliche Wahrnehmung – eine Art siebter Sinn.

Ist das lernbar?
Ich sage Nein! Aber alle, die solche Lernseminare anbieten, sagen Ja!

Wäre dies nicht auch ein lukrativer Wirtschaftszweig für Sie?
Doch, wenn ich so wäre, wie mir viele vorwerfen.

Wie oft am Tag denken Sie: «Das habe ich kommen sehen»?
Keine Ahnung. Ich sehe alles kommen! Nein, im Ernst. Das passiert Ihnen ja auch.

Ja, aber nicht so oft wie Ihnen.
Klar, weil ich das professionell mache und Sie nicht.

Professionell heisst ja, dass Sie damit Geld verdienen ...
... muss ich mich jetzt schlecht fühlen? Auch Maler verdienen Geld mit ihren Bildern. Das ist diese Neidgesellschaft in der Schweiz. Man muss immer bescheiden sein. Da haben uns die Deutschen und auch die Amerikaner etwas voraus.

Stichwort Amerikaner ...
Trump?

Genau! Wird er ein guter Präsident? Sie sagen ja immer die Wahrheit.
(Zögert.) Vieles, was man von ihm hört und liest, ist schrecklich. Aber das ist sicher auch bewusste Suggestion der Medien. Ich kann nicht beurteilen, ob er gut oder schlecht sein wird, aber ich denke, wir leben in einer gefährlichen Zeit und Trump könnte Explosionen verursachen – er ist mir nicht sympathisch.

Viele Menschen rufen Sie an und wollen wissen, was in der Liebe läuft. Was ist da bei Ihnen ...
Tote Hose!

Okay, aber was ich fragen wollte: Wenn Mike Shiva nun Mike Shiva anruft und wissen will, wie 2017 in Sachen Liebe wird, was antworten Sie ihm?
Gut, weil es kommt nichts.

Warum ist das gut?
Es bewahrt einen vor vielem. Ich bin überzeugter Single und glaube, dass ich asexuell bin. Ich kann Ihnen nicht einmal genau sagen, was ich will. Ich bin ein Einzelgänger.

Bekannte Hellseher wie Nostradamus hatten oft auch negative Visionen. Er sagte beispielsweise den 1. Welt-krieg voraus. Bei Ihnen hin-gegen ist alles positiv. Ist es das, was die Leute hören wollen?
Im Gegenteil. Es würde viel besser laufen, wenn ich Schlechtes erzählen würde. Die Menschen gieren nach Negativem, wollen hören, dass der Mann oder die Frau zu alt für eine Beziehung ist – nur als Beispiel. Und eben ... ich bin ein Hell- und kein Schwarzseher. Ich versuche, das Gute zu sehen und dem Guten den Weg zu öffnen.

Hatten Sie auch schon negative Rückmeldungen, wenn etwas nicht so eingetroffen ist, wie Sie es vorausgesagt haben?
An einen Fall erinnere ich mich gut. Da war eine Frau, die mich wegen ihrer beiden Söhne angerufen hat. Ich habe die Karten gelegt und alles war gut. Danach ist der eine Sohn bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Sie hat mir dann vorgehalten, dass ich ihr das nicht gesagt habe.

Was haben Sie ihr entgegnet?
Dass ich es einfach nicht gesehen habe. Es gibt Sachen, die auch ich nicht sehe. Es war aber auch nicht ihre Frage, als sie mich anrief.

Aber auch wenn Sie es gesehen hätten, zu verhindern wäre es ja nicht gewesen – das ist doch Schicksal und daran kann man nichts ändern ...
Doch! Wenn ich Ihnen zum Beispiel jetzt sage: Sie werden ein gutes Leben haben, bleiben gesund, werden sehr alt ... dann könnten Sie doch machen, was Sie wollen. Beginnen Drogen zu nehmen, Unmengen Alkohol zu trinken, päckchenweise Zigaretten zu rauchen – nur als überspitztes Beispiel. Aber dann würde sich alles verändern. Dann würde das, was ich Ihnen prophezeit habe, nicht mehr eintreffen – kann gar nicht mehr. In diesem Sinne kann man das Schicksal – zumindest sein eigenes – schon beeinflussen.

Letzte Frage ...
Wie wird das Jahr 2017?

Jetzt haben Sie anstelle meiner ersten die letzte Frage erraten ...
Sehen Sie. Aber nun zur Antwort: In den letzten Jahren hatte ich immer gemischte Gefühle. Fürs 2017 sehe ich aber sehr viel Positives, explizit im Bereich der technischen Entwicklung. Politisch wird es aber gefährlich, vor allem für Europa.

Mike Shiva (52) ist der bekannteste, aber auch kontroverseste Hellseher, Wahrsager und Kartenleger der Schweiz. Seit seinem 15. Lebensjahr berät er Menschen, die ihn für seine Voraussagen bezahlen. Wegen seiner Geschäftspraxis wurde ihm vom Konsumentenmagazin K-Tipp und von der Fernsehsendung Kassensturz auch schon vorgeworfen, Geld mit verzweifelten Personen zu machen.

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