Für Milena Moser gehört das Schreiben zum Leben.

Milena Moser: «Man kann das Glück nicht festnageln»

Aufbruch Für ihr erstes Buch fand sie noch keinen Verlag, doch dann wurde sie Bestsellerautorin. Mit 52 fängt sie ein ganz neues Kapitel an.

Ihre Bücher und die wöchentliche Kolumne in der «Schweizer Familie» haben ein treues Publikum. Nun lässt Milena Moser (52) alles hinter sich und wandert aus – wie im neuen Roman «Das Glück sieht immer anders aus» angekündigt.

Sie suchten nach Glück und Liebe – und fanden ein Haus. Wie kam es dazu?
Durch Zufall. Zwei Jahre nach meiner Scheidung wollte ich in den USA glückliche Paare besuchen. Das dritte oder vierte Paar lebte in Santa Fe, New Mexico. An meinem letzten Tag dort sah ich ein kleines Häuschen hinter einer Kunstgalerie, das zum Verkauf stand. Kaum hatte ich es betreten, wusste ich: Das ist «home, sweet home»!

Und das Haus haben Sie spontan gekauft?
Es war irrational und auch gar nicht möglich. Ich hatte kein Geld und musste noch zwei Jahre in der Schweiz bleiben, da mein jüngster Sohn noch zur Schule ging. Hätte ich unbedingt nach Santa Fe kommen wollen, hätte ich im grossen Gästehaus meiner Freundin wohnen können. Und trotzdem war etwas an diesem Haus. Ich musste es haben.

Nun wandern Sie also für immer aus?
Als ich mich beim Rathaus abgemeldet habe, musste ich bei der Frage «Verlassen Sie die Schweiz für immer?» ja oder nein ankreuzen. Ich habe mit «Ja» geantwortet. Aber meine zwei Söhne und meine Mutter sind noch hier, sowie zahlreiche Freunde. Ich werde sie sicherlich besuchen. Ausserdem ist noch nie etwas so gekommen, wie ich es mir vorgestellt habe. Auf dem Rathaus haben sie mir gesagt, ich dürfe zurückkommen, auch wenn ich «ja» ankreuze. Vorerst wird mein Lebensmittelpunkt aber in Santa Fe sein.

 
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Wie hat Ihr Umfeld auf diese Entscheidung reagiert?
Eigentlich wussten alle, dass ich eines Tages in die USA zurückkehre. Ich habe acht Jahre dort gelebt und fühle mich dort zu Hause. Das war also keine grosse Überraschung. Was die Leute mehr irritiert hat, ist, dass ich alle meine Verpflichtungen aufgebe. Die ganzen Kurse, die Kolumne, Theater und Radio, das mache ich alles nicht mehr.

Haben Sie denn keine Angst davor, dass Ihnen dann langweilig wird?
Nein! Eigentlich hätte ich ein bisschen Langeweile total gern. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann mir das letzte Mal so richtig langweilig war, ohne dass ich noch an irgendwelche Deadlines oder unerledigte Aufgaben denken musste.

«

Ich gehe einfach hin und schaue, was passiert. »

Fürs Erste bleibt die Agenda leer.

Fürs Erste bleibt die Agenda leer.
Fürs Erste bleibt die Agenda leer.


Was werden Sie in Santa Fe machen?
Ich will zur Uni gehen, ich will reiten, ich will hundert verschiedene Dinge tun – aber vorerst bleibt meine Agenda leer. Eine Freundin empfahl mir vor vier Jahren, immer einen Tag pro Woche frei zu halten. Das habe ich nie geschafft. Sogar an Wochenenden hatte ich Kurse. Ich habe das alles gerne gemacht, aber ich war ständig müde. Und nun, nach meinem Abflug am 1. Juli, habe ich nichts eingeplant. Ich gehe einfach hin und schaue, was passiert.

Geben Sie auch das Schreiben auf?
Nein, nur das Schriftstellerinsein. Ich werde weiterhin schreiben, das steht fest. Ich werde schliesslich auch essen und schlafen. Aber ob aus dem Geschriebenen ein Buch wird, und wann, das ist noch offen. Auch bei «Das Glück sieht immer anders aus» war es so, dass ich einfach über meine Reise geschrieben habe. Mein Verleger las das und fand, dass das ein Buch werden sollte. Das wird auch später so ablaufen.

Der Ballast wird entsorgt.

Der Ballast wird entsorgt.
Der Ballast wird entsorgt.

Wie steht es aber mit der Liebe, suchen Sie noch weiter?
Ich habe einen Lebenspartner gefunden! Ich kenne ihn schon lange, habe aber erst vor Kurzem realisiert, dass er der Richtige ist. Im Nachhinein ist es völlig klar, ich hätte schon vor drei Jahren darauf kommen können. Aber es ist gut, dass es so kam, wie es kam.

Also hat die USA-Reise ihren Zweck doch erfüllt?
Absolut! Ich habe das Glück mit einer Verbissenheit verfolgt, die mir erst beim Aufschreiben bewusst wurde. Man kann das Glück nicht festnageln. Ich hatte ganz genaue Vorstellungen davon, was ich will: verlieben, nach Amerika ziehen, und so weiter. Und auf eine Art kam es dann ähnlich – aber trotzdem nicht ganz so, wie ich es mir ausgemalt hatte.

Wie sieht also das Glück aus?
Ich bin zum Schluss gekommen, dass man es gar nicht so definieren kann. Das Glück liegt in ganz kleinen Dingen im Alltag, die man entweder sieht oder nicht. Es geht gar nicht so sehr darum, ob man in Aarau lebt oder in Santa Fe oder ob man allein ist. Glück ist, das Leben geniessen zu können und sich jeden Morgen auf den bevorstehenden Tag zu freuen.

Vier Daten im Leben von Milena Moser

1988 Geburt ihres Sohnes Lino.

1989 Das erste Buch erscheint im Selbstverlag.

1995 Ihr zweiter Sohn Cyril kommt auf die Welt.

2015 Sie gibt ihr Zuhause auf und wandert aus.

Mehr über Milena Moser auf ihrer Homepage »

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Das Glück sieht immer anders aus

Nach der Trennung von ihrem Ehemann findet Milena Moser: Nun erst recht! Und fährt – pünktlich zu ihrem 50. Geburtstag – nach Amerika. Auf einer Reise quer durch die USA will sie sich treiben lassen, endlich tanzen lernen, eine neue Liebe und das Glück finden. Das Tanzenlernen gelingt nur halb, aber in Santa Fe ist Moser tatsächlich am Ziel, weil sie ihr Herz gleich mehrfach verliert: an die unfassbar schöne Landschaft, an ein romantisches Häuschen, und an den Verkäufer Frederic. Sie zieht ein. Doch weder das Haus noch Frederic erwidern ihre Zuneigung.
Mit Charme und Humor meistert Milena Moser die Klippe der Lebensmitte und erzählt, wie sich das Glück tatsächlich finden lässt, auch wenn es anders aussieht als gedacht.

Milena Moser: Das Glück sieht immer anders aus, Nagel & Kimche, 224 Seiten, Fr. 26,90,
978-3-312-00653-3

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Interview: Anna Ettlin



Foto:
Lucian Hunziker
Veröffentlicht:
Montag 29.06.2015, 17:03 Uhr

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