Militariamief

http://www.coopzeitung.ch/Militariamief Militariamief

Schneider: Zwei Onkels aus Italien besuchen uns, und aus meinen Programmvorschlägen wählen sie das Militärmuseum in Full AG aus. Schreiber meint, da komme sie nicht mit und darüber bin ich froh. Das Museum ist zwar sehenswert, aber nichts für pazifistische Gemüter. Militär ist für Schreiber ein Reizthema, für mich als einstigen Minenwerfersoldaten aber auch ein wenig Nostalgie.

Wie es sich für ein gutes Museum gehört, gibt es am Ende des Rundganges einen Shop. Mit vielen ausrangierten Militärsachen, darunter auch Wollpullovern. Praktisch, warm und absolut unkaputtbar. Für den Preis kriegt man beim Herrenausstatter nicht mal ein Unterhemd. Also greife ich zu, ebenso nach einer Wollmütze und einem Offizierstäschchen.

«

Dieses Museum ist für mich auch Nostalgie.»

Zu Hause zeige ich meine historischen Errungenschaften Schreiber. Sie runzelt die Stirn, sagt: «Hast du nicht schon so einen Pulli?» Dann rümpft sie die Nase: «Der stinkt gewaltig. Will die Schweiz ihre Feinde mit Mief vertreiben?»

Ich schnuppere ebenfalls daran. Stimmt. Da hängt noch der Geruch von Motorenöl, feuchten Bunkern und schweisstreibenden Nachtübungen drin. «Endlich ein origineller Männerduft», entgegne ich, denn Schreiber recht zu geben wäre ja die reinste Kapitulation.

http://www.coopzeitung.ch/Militariamief Militariamief

Schreiber: Wie kann man an einem sonnigen Tag freiwillig in ein Militärmuseum? Für mich absolut rätselhaft. Genauso rätselhaft sind mir Schneiders Einkäufe. Er zeigt mir stolz seine robusten Trophäen ausgemusterter Militärepochen, strahlt, als hätte er grad bei «Boss» das Lager geleert. Leider hat er das nicht, leider wars wohl eher ein Bunker.

«Boah, das verpestet ja die Luft», sage ich.

«Nein, das ist ein ehrlicher Geruch», verteidigt sich Schneider.

«Das sollte man alles gründlich waschen. Und die Ledertasche schrubbst du gründlich von Hand und legst sie an die Sonne!», sage ich.

«

An einem sonnigen Tag ins Museum?»

Schneider sollte jetzt: «Zu Befehl!» sagen, macht er aber nicht, sondern beklagt sich, ich sei heikel und würde bloss mein Gesicht als Pazifistin wahren wollen, dabei ginge es hier um ganz anderes.

«Meine Nase trügt mich nicht», sage ich, schmeisse den Pulli in die Maschine und haue kräftig Waschmittel rein. Dazu gebe ich ein paar Löffel Natron, die Geheimwaffe gegen Mief.

Nach dem Waschen staune ich: Der Pulli ist extrem viel kleiner als zuvor. Das ist aber auch die einzige Veränderung. Der Gestank ist weiterhin kolossal, als gäbe es die Mission: stinken statt schiessen. Was mir als Pazifistin, wenn ich ehrlich bin, ganz gut passt.

Die Kolumnisten live mit ihrem Programm «Mein Leben als Paar»: 14. September Romanshorn; 15. September Staufen. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 28.08.2017, 15:56 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Isabel serrao antwortet vor 2 Wochen
Licht im Dunkeln
Die schlestesten kolumnen die ... 
Dipl.-Ing. Norbert Derksen antwortet vor 2 Wochen
Schaumschläger
«Ich war bis eben noch ganz ve ... 
Sonja & Elias Kessler antwortet vor 2 Monaten
Gesammelte Liebe
Zwei Seelen in Liebe vereint
Se ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?