Miss Ticino: «Missen werden nie die Welt retten»

Christa Rigozzi über ihr neues Leben mit den Zwillingen, Action auf der Rennstrecke und ihre politischen Ambitionen.

Christa Rigozzi will weiterhin richtig Gas geben, wenn sie mit dem Motorrad unterwegs ist. Hier ist sie in Ascona bei den Dreharbeiten zum TV-Spot von Ascona-Locarno Tourismus im Einsatz.

Christa Rigozzi will weiterhin richtig Gas geben, wenn sie mit dem Motorrad unterwegs ist. Hier ist sie in Ascona bei den Dreharbeiten zum TV-Spot von Ascona-Locarno Tourismus im Einsatz.
http://www.coopzeitung.ch/Miss+Ticino_+_Missen+werden+nie+die+Welt+retten_ Christa Rigozzi will weiterhin richtig Gas geben, wenn sie mit dem Motorrad unterwegs ist. Hier ist sie in Ascona bei den Dreharbeiten zum TV-Spot von Ascona-Locarno Tourismus im Einsatz.

Christa Rigozzi, wie haben Sie sich durch Ihre Mutterschaft verändert?
Ich habe mich nicht verändert, aber mein Leben hat sich verändert! Alles ist auf Alissa und Zoe ausgerichtet. Zuerst kommen immer sie, und erst dann ich. Sie bestimmen den ganzen Tagesablauf. Vorher war alles viel spontaner, nun müssen wir alles genau planen. Wobei … das habe ich schon immer gemacht.

Auch bei der Familienplanung?
Ja, im letzten Jahr fand ich, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um Mutter zu werden. Vorher war ich nie bereit. Zuerst wollte ich meine grossen Projekte verwirklichen: ein Buch schreiben, meine Firma gründen, ein Haus bauen und einen Hund kaufen. (Lacht.) Danach ging alles sehr schnell. Und jetzt sind wir überglücklich!

Was haben Sie in den letzten Monaten über sich gelernt?
Ich bin ganz gut als Mutter geeignet. Kinder hatte ich schon immer gerne, doch weiss man nie, ob man wirklich in diese Rolle passt. Mit Zwillingen ist es allerdings eine Doppel-, nein, eine Vierfachbelastung. Du rennst dauernd herum, Windeln wechseln hier und Milch geben dort, und alles mal zwei. Aber ich liebe Herausforderungen!

Sind zweieiige Zwillinge noch anspruchsvoller?
Ich kenne mich mit eineiigen Zwillingen nicht aus, aber bei den zweieiigen ist nicht nur das Äussere ziemlich verschieden, was mir – ehrlich gesagt – gefällt, sie haben auch sehr unterschiedliche Charaktere. Alissa ist eher temperamentvoll, so wie ich, und sie ist die Chefin. Wenn sie aufsteht und Hunger hat, schreit sie und alle werden wach, sogar unser Hund (die französische Bulldogge Joker – Anmerkung der Redaktion). Zoe isst viel und schläft gerne. Sie weint nie und wartet geduldig, bis sie an der Reihe ist. Wir haben jedoch mit beiden Glück. Sie schlafen bereits durch und essen synchron alle sechs Stunden, während andere Kinder alle zwei Stunden aufwachen und Hunger haben.

Welches war Ihr emotionalster Moment?
Natürlich die Geburt. Wir wollten ausgehen und in einem Lokal Silvester feiern, als die Fruchtblase platzte. Ich habe sofort meinen Frauenarzt angerufen. Wir fuhren in die Klinik nach Locarno, wo ich alle zwei Minuten Wehen bekam. Um 21.58 Uhr kam Alissa auf die Welt, Zoe zwei Minuten später. So hielt ich meine beiden Töchter beim Feuerwerk über dem See schon in den Armen.

Wie gross war Ihre Erleichterung?
An den Tagen darauf habe ich gelacht und geweint, weil ich einerseits so glücklich war, aber mir im Nachhinein auch Gedanken machte, was hätte passieren können. Da die Kinder einen Monat zu früh kamen, war die Geburt nicht ohne Risiko, obwohl wir schon auf einen Kaiserschnitt vorbereitet waren.

Wie geht es Ihnen jetzt?
Ich bin ziemlich gelassen als Mutter. Wenn meine Kinder schlafen, muss ich nicht ständig an ihrem Bett stehen und kontrollieren, ob es ihnen gut geht. Vor der Geburt befürchtete ich, dass ich sie nachts nicht hören würde, wenn sie schreien, aber nun habe ich einen Radar: Sobald das Geschrei losgeht, bin ich hellwach. Das ist wohl der Mutterinstinkt.

«

Zuerst kommen immer die Zwillinge, und erst dann ich.»

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Wie organisieren Sie Ihren Alltag?
Mein Mann hat sich als Grafiker und Dekorationsgestalter selbstständig gemacht und arbeitet zu Hause, wenn ich für meine Termine unterwegs bin. Ich lasse es jedoch ruhig angehen. Die ersten zwei Monate nach der Geburt pausierte ich ganz, nun versuche ich nicht mehr als zwei Auftritte pro Woche zu übernehmen und abends wieder bei der Familie zu sein.

Sie holen sich keine bezahlte Unterstützung?
Nein, wir möchten die Zeit mit unseren Kindern alleine verbringen. Für uns war immer klar, dass wir alles selber machen. Nichts gegen Nannys, aber wir wollen keine. Zudem haben wir wunderbare Grosseltern, die gerne helfen.

Moderieren Sie «Rock Circus» und «Bauer, ledig, sucht ...» weiter?
Vor Weihnachten habe ich in Bern meinen letzten «Rock Circus» präsentiert. Alle staunten, dass ich mit einem solch runden Babybauch noch auf der Bühne stand. Dieses Jahr werde ich pausieren und nur die «Das Zelt»-Gala vom 7. April in Zürich moderieren. Im Mai werde ich erstmals wieder für «Bauer, ledig, sucht ...»-Dreharbeiten zwei, drei Tage in die Berge fahren.

Neu sind Sie mit Gilbert Gress in einer Kampagne für die Tourismus-Region Ascona-Locarno zu sehen. Was verbindet Sie miteinander?
Wir waren in der Jury der dritten Staffel von «Die grössten Schweizer Talente» und sehen uns, wenn Gilbert seine Sommerferien in Ascona verbringt. In den TV-Spots ist er mit dem Töffli ins Tessin unterwegs und ich überhole ihn auf meinem Motorrad. Die Botschaft ist, dass man durch den Neat-Basistunnel noch viel schneller wäre.

Stimmt es, dass Sie eine leidenschaftliche Motorradfahrerin sind?
Ich bin eine Frau, die Action braucht. Wenn ich mit der Ducati Scrambler oder der Ducati Monster unterwegs bin, fühle ich mich frei. Ob ich nun von Bellinzona nur nach Ascona fahre oder auf der Rennpiste in Imola, wo ich richtig Gas geben kann.

Das sind rechte Kaliber. Werden Sie weiterhin Motorrad fahren?
Die Frage ist nicht, ob ich als Mutter darf, sondern ob ich genügend Zeit finde! Im Sommer werde ich es mir sicher gönnen, wenn ich ein paar Stunden frei habe.

2018 soll es nach drei Jahren Pause wieder eine «Miss Schweiz»-Wahl geben. Was muss getan werden, damit diese auf Interesse stösst?
Die Schönheit sollte im Vordergrund stehen, nicht die Wohltätigkeit. Missen werden nie die Welt retten, aber sie sind ein Teil der Welt. Ihren früheren Stellenwert erreichen sie nur, wenn die Wahl ein modernes Konzept bekommt, in das die Social Media eingebunden sind und das Finale im ganzen Land im Fernsehen übertragen wird.

Die Welt ist im Umbruch. Was erwartet uns und Ihre Kinder?
Ich bin glücklich, dass ich in der Schweiz lebe. Wir sind in einer privilegierten Situation, obwohl sich das Tessin in einer Wirtschaftskrise befindet. Wir haben eine funktionierende Demokratie, intakte Krankenkassen und Sozialleistungen für Bedürftige. Ich verfolge zwar, was in den USA, in Syrien oder London passiert, lebe aber nicht in Angst und Schrecken. Wenn man sich einschüchtern lässt, haben die Terroristen schon gewonnen.

Sie haben auch für Ihren zweiten Auftritt in der SRF-«Arena» hervorragende Kritiken erhalten. Wetten wir, dass Sie das nächste Tessiner Mitglied im Bundesrat werden?
Wer weiss? (Lacht.) Ich äussere meine Meinung gerne, obwohl ich mir so auch Feinde mache. Aber lieber anecken als langweilig sein! Nach der Gleichberechtigungs-Sendung haben viele gesagt: «Jetzt musst du in die Politik!» Aber es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt.

Christa Rigozzi kam am 2. Mai 1983 in Monte Carasso zur Welt. Die Studentin der Medien- und Kommunikationswissenschaften wurde 2006 als erste Tessinerin seit Melanie Winiger zur Miss Schweiz gewählt und war in ihrem Amtsjahr erfolgreicher als all ihre Vorgängerinnen und Nachfolgerinnen. An Silvester wurde sie Mutter von Alissa und Zoe.

www.christarigozzi.ch

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