Der Abenteuerspaziergang ist Alltag: Malinois-Hündin Gilli hält Sandra Schaefler und ihren Mann Dan auf Trab.

Mitbewohner mit Fell und Federn

In der Schweiz gibt es immer mehr Haushalte mit Tieren. Das ist erfreulich! Doch was die Haltung betrifft, gibt es noch viel zu tun.

Hunde sind die besten Freunde des Menschen, sagt man. Trotzdem landen sie bei den Haustieren auf dem zweiten Platz. Denn die Katzen wissen einfach, wie der Hase läuft. Sie schnurren und schmeicheln sich sehr erfolgreich in die Herzen der Menschen. So sind die Samtpfoten die beliebtesten Streicheltiere der Schweiz. Rund 1,7 Millionen Miezen leben in Häusern, Wohnungen, auf Bauernhöfen und in Gärten. Die Hundepopululation ist dreimal kleiner. Vielleicht ist dies mit ein Grund, warum sich Hund und Katze nicht mögen? Doch die beiden können auch Freunde sein.

Ein Paradies für Hunde und Katzen

Bei Familie Schaefler leben vier Katzen, und drei Hunde, es sind alles Tierschutzfälle, die ein neues Plätzchen brauchten. Denn Sandra Schaefler (31) arbeitet beim Schweizer Tierschutz STS. Die diplomierte Zoologin betreut die Fachstelle Heimtiere und Pferde. Sie ist Projektleiterin der Kampagne «Tiergerecht halten» beim STS, die zusammen mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen lanciert wurde. Die Kampagne beinhaltet eine neue Reihe von Broschüren zur artgerechten Haltung von Kleintieren.
Die geretteten Tiere haben bei der Fachfrau ein schönes Leben. Die Familie wohnt in einer naturnahen Umgebung. Die Zimmer im frei stehenden Einfamilienhaus sind zahlreich, genauso wie die für die Katzen eingerichteten Rückzugsbereiche. Diese befinden sich mehrheitlich für Kinder und Hunde unzugänglich in der Höhe, so wie es Katzen gerne mögen.
Der Alltag der Schaeflers ist mit zwei kleinen Kindern und einem 11-Jährigen lebhaft. Wenn die Kleinen zu laut sind, können sich die Tiere nach draussen, in die Höhe oder in einen anderen Teil des Hauses zurückziehen. Nur Simba bleibt am liebsten draussen. Der alte Kater lässt sich ungern streicheln. Er lebt hier, weil ihn niemand mehr haben wollte. Katzen, die nicht schmusig sind, haben es schwerer. Doch vor der Anschaffung eines Tieres realistisch zu sein und sich einzugestehen: Ich will keine Katze, die ich nicht streicheln kann – das ist der richtige Weg. Auch wenn es etwas hart klingt. Denn das Schlimmste für die Tiere ist, wenn sie wieder abgegeben werden, weil die Halter nicht mit ihnen klarkommen. Oder wenn sie zu kurz kommen, weil der Mensch überfordert ist oder enttäuscht.
«Katzen brauchen in der Regel täglich mehrere Stunden Zuwendung und Beschäftigung in Form von Streichel- und Spieltätigkeiten», erklärt Sandra Schaef-ler. «Das Katzenklo muss jeden Tag gereinigt werden. Es sollte gross und nach oben offen sein, je grösser, desto besser. Und je nach Rasse sollte auch das Fell ab und zu gebürstet werden.»

Hunde brauchen viel Bewegung 

Katzen und Hunde zusammen zu halten, das klappt bei Familie Schaefler auch deshalb gut, weil die Tiere, falls nötig, einfach getrennt werden können und genug Platz da ist für alle. Die Hunde stammen ebenfalls aus dem Tierheim: Baxter und Peggy, zwei Mischlinge, sowie die lebhafte Malinois-Hündin Gilli, die besondere Zuwendung braucht, weil sie sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Für ihren grossen Bewegungsdrang haben die Schaeflers eine gute Lösung gefunden: Ein fester Kreis von Bekannten geht mit der ehemaligen Sprengstoffspürhündin zusätzlich spielen, spazieren und schnüffeln. So ist Gilli mit drei bis sechs Stunden Spazieren und Kopfarbeit ausgelastet.
Sandra Schaefler achtet darauf, dass Hunde und Kinder nie ohne Aufsicht zusammen sind. Nicht, weil sie den Hunden grundsätzlich misstraut. «Doch man kann einfach nie wissen», gibt die Fachfrau zu bedenken. Im Wohnzimmer hat sie darum eine Gitterschranke montiert, so dass Kinder und Tiere in einem eigenen Bereich spielen oder schlafen können. Im Haus gibt es noch weitere Schranken, um Kinder und Tiere wenn nötig zu trennen. «Kinder müssen den Umgang mit Tieren erlernen, das braucht viel Zeit und Geduld. Man darf nie vergessen, dass Kinder die Tiere während des Spielens überfordern oder ihnen gar ungewollt Schmerzen zufügen können. Dies kann zu heiklen Situationen führen.»

Für Piepmätze: ein luftiges Heim 

Kolbenhirse für die Sittiche: Sibylle Sciurba füttert ihre Vögel. Zweimal pro Woche reinigt sie die ganze Voliere.

Kolbenhirse für die Sittiche: Sibylle Sciurba füttert ihre Vögel. Zweimal pro Woche reinigt sie die ganze Voliere.
http://www.coopzeitung.ch/Mitbewohner+mit+Fell+und+Federn Kolbenhirse für die Sittiche: Sibylle Sciurba füttert ihre Vögel. Zweimal pro Woche reinigt sie die ganze Voliere.

Auch bei Sybille Sciurba (40) hat jede Tierart ihren eigenen Platz. Hier ist die Trennung sogar unerlässlich – und dauerhaft. Denn die Hauskatzen würden wohl nicht lange fackeln mit den Vögeln … Die Kanarienvögel und Wellensittiche bewohnen einen grossen, stabilen Käfig mit Häuschen auf einer Dachterrasse, diese ist für die Katzen unzugänglich. Sybille Sciurba und ihr Mann haben den Käfig selbst entworfen und gebaut. Ziervögel halten sie seit acht Jahren. Sie hatte sich damals beim örtlichen Tierschutzverein gemeldet, weil sie sich für Tiere einsetzen wollte. Das Ressort der Ziervögel war gerade frei, das traf sich gut, denn sie mag Vögel.
Auch bei ihr finden Tiere einen Platz, die sonst keiner mehr haben wollte. «Wichtig ist, dass die Vögel fliegen können und die Voliere gross genug ist», betont Sybille Sciurba. Aktuell leben 12 Kanarienvögel und Wellensittiche bei ihr. Die Voliere ist 2 mal 5 Meter weit und 2 Meter hoch. Das braucht Platz. Und das braucht auch Einsatz. Zweimal pro Woche reinigt Sybille Sciurba die Voliere gründlich und spritzt alles mit Wasser aus. Dank der Aussenhaltung ist das relativ einfach. Und natürlich brauchen die Piepmätze täglich frisches Wasser und Futter, das heisst neben Körnern auch Obst, Grünzeug oder Kolbenhirse. «Vögel verursachen auch viel Staub, es fliegen Federn herum», so Sybille Sciurba. «Wellensittiche können ausserdem recht laut sein.» Ziervögel sind keine Streicheltiere. «Sie können zahm werden, doch das sollte nicht das Ziel sein», erklärt sie. Die artgerechte Vogelhaltung ist also ein beträchtlicher Aufwand.

Von Mäusen und Mehlwürmern 

Kleine Kontrolle: Cornelia Remund nimmt eine Rennmaus aus dem Käfig, um sich Bauch, Fell und Zähne näher anzusehen.

Kleine Kontrolle: Cornelia Remund nimmt eine Rennmaus aus dem Käfig, um sich Bauch, Fell und Zähne näher anzusehen.
http://www.coopzeitung.ch/Mitbewohner+mit+Fell+und+Federn Kleine Kontrolle: Cornelia Remund nimmt eine Rennmaus aus dem Käfig, um sich Bauch, Fell und Zähne näher anzusehen.

Rennmäuse eignen sich ebenfalls nicht als Streicheltiere, obwohl sie sehr herzig aussehen. Cornelia Remund (28) nimmt ihre Rennmäuse schon ab und zu aus dem Gehege. Doch nur, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Die Art entwickelt manchmal Tumore am Bauch, die man im Auge behalten muss. Manchmal füttert sie die Mäuse von Hand, sonst beschränkt sich Remund auf die Beobachtung. Rennmäuse graben Gänge, rennen im Hamsterrad, bauen sich Nester, klettern. Sie sollten nie allein gehalten werden, denn sie putzen sich gegenseitig, fressen gemeinsam und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Es gibt also immer etwas zu sehen. 

Neugierig: Rennmäuse können zahm werden, doch sie sind keine Streicheltiere.

Neugierig: Rennmäuse können zahm werden, doch sie sind keine Streicheltiere.
http://www.coopzeitung.ch/Mitbewohner+mit+Fell+und+Federn Neugierig: Rennmäuse können zahm werden, doch sie sind keine Streicheltiere.

Cornelia Remund ist eine erfahrene Halterin: Die ersten Rennmäuse bekam sie bereits mit 10. Sie hat sich als Kind weitgehend selber um sie gekümmert. Das Gehege, das jetzt in ihrem Schlafzimmer steht, hat ihr Grossvater gebaut. Eigentlich sind es drei Gehege übereinander, in denen je zwei bis vier Mäuse Platz finden. Rennmäuse brauchen Bewegungsfreiheit und eine tiefe Einstreu, damit sie Gänge graben können. Die gesetzlich vorgeschriebene Grundfläche für 2 bis 5 Rennmäuse beträgt 0,5 Quadratmeter. Die Gehege von Cornelia Remund haben eine Grundfläche von je 0,8 Quadratmetern. Mit zusätzlichen Etagen wird die Fläche noch vergrössert. Mehr als zwei Tiere in einem Gehege würde sie Anfängern nicht empfehlen. Denn Rennmäuse können sich zerstreiten und einander totbeissen, wenn sie in grossen Gruppen gehalten werden. 
Ist alles fertig eingerichtet, halten sich Aufwand und Pflege in Grenzen. «Ich brauche etwa eine halbe Stunde täglich dazu», erklärt Remund. Alle drei bis vier Monate reinigt sie den Käfig komplett und erneuert die Einstreu. Das Einzige, was ihr etwas Mühe macht, sind die Mehlwürmer. Nein, die vermehren sich nicht in den Gehegen. Sie liegen getrocknet auf einem Teller. Für die Rennmäuse sind sie ein Leckerbissen. Die Würmer verfüttert Cornelia Remund aber nur mit dem Löffel, nie von Hand.

Die richtige Haltung zum Tier 

Sandra Schaefler (31) arbeitet beim Schweizer Tierschutz STS.

Sandra Schaefler (31) arbeitet beim Schweizer Tierschutz STS.
http://www.coopzeitung.ch/Mitbewohner+mit+Fell+und+Federn Sandra Schaefler (31) arbeitet beim Schweizer Tierschutz STS.

Drum prüfe, wer sich lange bindet Wer einem Tier ein Zuhause geben möchte, sollte sich das gut überlegen. Sandra Schaefler erklärt, worauf es ankommt.

Was sind die häufigsten Gründe, sich ein Tier anzuschaffen?
Die Haltung von Tieren bietet eine sinnvolle Beschäftigung. Tiere leisten auch Gesellschaft. Für Kinder und ältere Menschen kann dies wichtig sein. Tiere und insbesondere Hunde erleichtern oft soziale Kontakte, etwa beim Spazierengehen. Zudem tut auch uns Menschen Bewegung mit dem Hund gesundheitlich gut. Das Interesse an einer Tierart und ihren Verhaltensweisen kann ebenso eine Motivation sein, etwa bei Vögeln und Reptilien.

Was sind die falschen Gründe?
Es ist nicht sinnvoll, sich Tiere zu kaufen, nur weil man sie optisch ansprechend findet, oder ein Statussymbol möchte. Und der Wunsch des Menschen nach Gesellschaft sollte nicht auf Kosten des Tieres gehen, der Mensch ersetzt keinen tierischen Sozialpartner. Die Haltung ist mit jahrelanger Verantwortung und grossem Aufwand verbunden! Wer nicht bereit ist, während eines ganzen Tierlebens Zeit und Geld zu investieren, und auch sein Leben nach den Bedürfnissen des Tieres auszurichten, sollte sich kein Tier anschaffen.

Warum wollen viele Kinder ein Tier?
Oftmals möchten Kinder Tiere, weil sie herzig aussehen oder weil der Klassenkamerad ebenfalls eins hat. Zuerst muss man herausfinden, was hinter dem Kinderwunsch steckt. Diese Wünsche verfliegen bei Kindern auch schnell wieder. Wenn der Wunsch nach einem «Streicheltier» im Vordergrund steht, ist eine gewisse Vorsicht geboten. Es gibt nur wenige Heimtierarten, welche sich dafür eignen. Auch bei geeigneten Arten sollte ein kontaktfreudiges Individuum gewählt werden.

Was lernen Kinder mit Tieren?
Studien zeigen, dass Tierkontakt bei Kindern eine positive sozio-emotionale Entwicklung bewirken kann. Sie möchten sich um die Tiere kümmern. Wenn Kinder von Erwachsenen angeleitet werden, entwickeln sie durch die Um-sorgung der Haustiere auch fürsorgliche Kompetenzen und lernen Verantwortung zu tragen. Tiere sind auch zum Beobachten und Füttern spannend. Eltern müssen aber immer die Hauptverantwortung für die Tierhaltung übernehmen.

Wo kauft man am besten ein Tier?
Am besten schaut man sich zuerst in Tierheimen um. Ansonsten in einer seriösen Zoofachhandlung oder bei einem kompetenten Züchter. Auf keinen Fall soll man Tiere über anonyme Internetinserate kaufen. Auch beim Kauf aus dem Ausland ist Vorsicht geboten. Man muss sich immer vergewissern, ob eine seriöse Tierschutzorganisation oder gewiefte Geschäftemacher dahinter stehen. Denn es ist bekannt, dass in einigen östlichen Ländern regelrechte Massenproduktionen betrieben werden.

Das passende Gehege

http://www.coopzeitung.ch/Mitbewohner+mit+Fell+und+Federn Mitbewohner mit Fell und Federn

Broschüren, Tipps und Links
Wie viel Einstreu braucht ein tiergerechtes Hamstergehege? Ist auch für Degus ein Sandbad nötig? Und was kann für Halter von Agaporniden eine Herausforderung sein? Die Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie in den Broschüren «Vögel tiergerecht halten» und «Nager und Kaninchen tiergerecht halten» vom Schweizer Tierschutz (STS) und Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Diese können als PDF geladen oder als Heft bestellt werden (siehe Link). Online finden Sie ausserdem die Checkliste Heimtiere des STS und weitere nützliche Infos und Links, etwa zum Thema «Augen auf beim Hundekauf» oder zur Plattform für Tiervermittlung des STS.

Checkliste für angehende TierhalterInnen (PDF)
Broschüren zu den Gehegen
Broschüren zur Heimtierhaltung
Merkblätter zu den Themen Tierkauf und Tierhandel sowie Krankheitsanzeichen oder Tiere im Altersheim
Augen auf beim Hundekauf: Tipps vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)
Informationen zur richtigen Haltung von verschiedenen Haustieren vom BLV
Die Plattform für Tiervermittlung des STS

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Katalin Vereb

Redaktorin, Kolumnistin

Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Montag 17.07.2017, 13:40 Uhr

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