Ruedi Hochstrasser gönnt sich in der Molkerei ein Glas Bio-Milch.

Mmmilch! Ostschweizer Firma im Bio-Rausch

Die Molkerei Biedermann in Bischofszell hat sich seit bald 30 Jahren der Bio-Suisse-Qualität verschrieben. Der Betrieb wappnet sich mit neuen Produkten für die Zukunft.

Ein oranger Kran fährt ruckartig hin und her. Dabei stapelt er Kisten voller Milchpackungen aufeinander. «Früher mussten wir das selber von Hand erledigen», sagt Ruedi Hochstrasser (60) und schaut dem Roboter bei der Arbeit zu. Er ist Geschäftsleiter der Molkerei Biedermann in Bischofszell TG. Der gebürtige Zürcher steht im Lager, wo die Paletten für die Auslieferung fertig gemacht werden. Versendet werden Milchprodukte aus Bio-Kuhmilch, Bio-Schafsmilch oder Geissenmilch, unter anderem für Coop Naturaplan. Auch Produkte, die den noch strengeren Demeter-Vorschriften entsprechen, werden hier hergestellt. Und damit ist die Firma einzigartig: Bereits 1988 erlangte sie die Lizenz zur Verarbeitung von Knospe-Milch nach den Richtlinien von Bio Suisse. «Der Gründer Pius Biedermann hat die Zeichen der Zeit erkannt und früh auf Bio gesetzt», erläutert Hochstrasser.

Gründer-Geist lebt weiter

Ruedi Hochstrasser und sein Vorgänger pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Einmal im Monat schaut dieser im Betrieb auf einen Kaffee vorbei. Sie kennen sich schon lange, vor sieben Jahren übernahm Hochstrasser die Geschäftsleitung von Pius Biedermann (70). Dieser gründete die Molkerei 1974 und ging nach über 35 Jahren in Pension. Zeitgleich ging die Molkerei an den Luzerner Milchverarbeiter Emmi über. «Noch immer ist der Geist von Pius im Betrieb spürbar», sagt Hochstrasser. Biedermann hatte es geschafft, die kleine Molkerei im Jahr 2002 neu zu positionieren. Damals meldete der grösste Schweizer Milchverarbeiter, Swiss Dairy Food, Insolvenz an. Von einem auf den anderen Tag floss keine Milch mehr. Beherzt wandte sich Biedermann an die Detailhändler: Er bot mitsamt sechs Mitarbeitern seine Hilfe an. Fortan füllten sie während sechs Tagen pro Woche Milch für die Umgebung ab.

«

Kühe machen keine Ferien.»

Ruedi Hochstrasser (60), Geschäftsleiter Molkerei Biedermann

Diese Geschichte sei omnipräsent im Betrieb. Und auch die Devise, dass man etwas wagen und vor Innovationen nicht zurückschrecken solle, wird gelebt. Neuerdings exportiert die Molkerei vegane Produkte auf Lupinen- oder Mandel-Basis an ausländische Kunden. «Auch mit Kokosmilch experimentieren wir derzeit.» Selbstverständlich alles in Bio-Qualität.

Ist es nicht ein Verrat an der Branche, wenn nun auch Veganes, also Produkte ohne tierische Rohstoffe, ins Sortiment kommen? «Überhaupt nicht», gibt Hochstrasser entschlossen zur Antwort. Denn: Für die Molkerei sei der Rohstoff, der verarbeitet wird, sekundär. «Wir kennen die notwendigen Prozesse, also können wir unser Know-how auf neue Produkte anwenden», sagt der Lebensmittelingenieur. Er erklärt: «Die Bedürfnisse der Konsumenten verändern sich nun mal.» Da sei es nur richtig, wenn die Molkerei frühzeitig auf viele Wünsche reagiert.

Weiter wachsen geht nicht

Mit 125 Mitarbeitern ist die Molkerei Biedermann ein mittelgrosser Betrieb im Milchsegment. In der Fläche wachsen kann das Unternehmen, das gleich am Bahnhof gelegen ist, kaum mehr. «Wir haben sogar ausserhalb zusätzliche Lagerflächen dazugemietet.»

Um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen, wird in der Molkerei Biedermann schon heute während 365 Tagen im Jahr gearbeitet. «Milch wird täglich angeliefert, die Kühe machen keine Weihnachts- oder Osterferien!» Immerhin konnte er über Weihnachten/Neujahr dem Mitarbeiter, der seit 20 Jahren die Pläne für den Betrieb anfertigt und die Produktion überwacht, alle Tage frei geben. «Ein Teamleiter übernahm seine Schichten.» Es sei dieses KMU-Denken, das für den Erfolg der Firma mitverantwortlich sei. Und selbstverständlich die feine Bio-Milch!

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Carole Gröflin

Redaktorin

Foto:
Daniel Ammann
Veröffentlicht:
Montag 29.01.2018, 09:00 Uhr

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