Eine leichte Ähnlichkeit mit Papa Moll ist nicht von der Hand zu weisen: Rolf Meier in seinem Atelier.

Molls Papa

Papa Moll hat eine bewegte Geschichte. Seit 2008 oder acht Büchern zeichnet ihn Rolf Meier.

Papa Molls Zuhause stellt man sich landläufig anders vor: ein Einfamilienhaus in einem Vorortquartier mit Garten – halt wie in den Bilderbüchern. Doch in diesem grauen Hinterhof in Basel sucht man vergebens nach diesem Haus. Wir finden das Daheim dennoch, in einem kleinen, unscheinbaren Atelier im ersten Stock. Hier entstehen seit neun Jahren, oder in Bänden gerechnet seit Nummer 23, die Bücher von Papa Moll.

Als die Reihe am aktuellen 30. Band «Papa Moll und der fliegende Hund» war, hatte Rolf Meier (61) also schon eine gewisse Erfahrung. Und das war auch gut so, denn diesmal lief der Schöpfungsprozess etwas anders ab als gewohnt. «Normalerweise überlege ich mir ein Thema und stelle ein Konzept mit ersten Skizzen dem Verlag vor», erklärt Meier. Die Vorschläge werden auf ihre «Moll-igkeit» geprüft und freigegeben. Daraufhin setzt sich der Illustrator mit dem Zürcher Texter Jürg Lendenmann (68) zusammen, der die Verse verfasst. Für Meier beginnt dann die eigentliche Arbeit, die Reinzeichnung.

Für den Jubiläumsband wurde dieser Ablauf aufgrund des Filmprojekts umgekehrt. «Ich erhielt bereits das fertige Drehbuch und begann erst dann mit dem Zeichnen», sagt Meier. Er versuchte, das «Gefühl» des Drehbuchs, wie er es bezeichnet, in Comics umzusetzen. Was ihm gelungen ist, denn der Film und das Buch sind aus einem Guss. «Ich war selbst überrascht, wie ähnlich der Look war», gesteht Meier bescheiden, aber auch stolz.

Auffrischung mit Auflagen

Meier ist der sechste Zeichner, der die Abenteuer der beliebten Schweizer Comicfiguren zu Papier bringen darf. Geschaffen wurde die Figur Papa Moll 1952 von der im Jahr 2001 verstorbenen Karikaturistin Edith Oppenheimer-Jonas. Im Vergleich mit dem Original kommt Meiers aktuelle Version verändert daher: Der Kopf ist runder, die Kanten sind weicher. «Der Globi-Verlag suchte 2008 einen Illustrator, der die Figuren etwas modernisiert», erzählt Meier. Der gelernte Grafiker hatte sich schon früh auf Illustrationen spezialisiert und fühlte sich durch die Anfrage sehr geehrt.

Die einzige Auflage, die er erhielt: Die Kleider mussten bleiben. Das blaue Jackett über rotem Strick ist über die Jahrzehnte ebenso zu Papa Molls Markenzeichen geworden wie der Schnauz und die fünf Haare auf dem Kopf. Ansonsten habe die Garderobe der Familie «ein bisschen modischer» werden dürfen, wie Meier sagt. Selbstredend unter Beibehaltung des konservativen Stils. Besonders natürlich im Band 30, da dieser im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger wieder ganz klar in den 50er- oder 60er-Jahren spielt.

Meier hat den Verlag ebenso überzeugt, wie ihn jetzt der Film überzeugt. «Er  ist grossartig! Ich war positiv überrascht», sagt der Basler. Für ihn, dem Papa Moll in den letzten Jahren ans Herz wuchs, war es etwas ganz Besonderes, seine Figur plötzlich in Fleisch und Blut auf der Leinwand zu sehen.

«Papa-Moll-Brille» im Alltag

Rund vierzig Prozent von Meiers Arbeitspensum sind für Papa Moll reserviert. Daneben zeichnet der Illustrator auch noch «Glöbeli» sowie diverse Kinderbücher. Wohl dafür sind die vielen Farben und Pinsel in Meiers Atelier da, denn für Papa Moll kommen sie nicht zum Einsatz. «Ich zeichne die Comics ausnahmslos schwarz-weiss, die Kolorierung mache ich dann später am Computer», erläutert Meier. So seien Korrekturen weniger aufwendig, und für die Druckerei sei es ebenfalls einfacher.

Doch die wichtigste Arbeit findet weder auf dem Zeichenblock noch auf dem Bildschirm statt, sondern im Kopf: das Ausdenken neuer Abenteuer des tollpatschigen Comic-Papas. «Ich verbringe so viel Zeit mit ihm, dass er in meinem Alltag immer präsent ist», meint Meier, der  immer irgendwie seine «Papa-Moll-Brille» trägt. Er lässt sich durch eigene Erinnerungen und Erlebnisse ebenso inspirieren wie durch Beobachtungen in der Stadt. «Die grösste Gefahr ist die Wiederholung», sagt der Künstler. Denn Papa Moll soll nicht nur Tollpatsch sein. «Erstaunlicherweise sind mir aber die Ideen noch nicht ausgegangen.»

Falls dies doch einmal geschehen sollte, kann sich Rolf Meier ja auch selbst einbringen. Wieso nicht «Papa Moll und der Zeichner»? Vorerst dürfen sich die Kinder aber schon auf das nächste Abenteuer freuen: Bereits im Frühjahr 2018 kommt der 31. Band heraus.

Zur Webseite von Rolf Meier
Zur Webseite von Texter Jürg Lendenmann
Zum Verlag von Papa Moll
Lesen Sie hier das Interview mit Stefan Kurt

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