Bei Dominik Estermann hat die Erntezeit begonnen. Aus seinem Hochstammobst entsteht Most.

Mostobst

Schorlen sind zunehmend beliebter. Um die grosse Nachfrage zu decken, braucht es mehr Obst. Und es braucht Bauern wie Dominik Estermann.   

Ein Apfel ist immer eine Sünde wert. Auch in flüssiger Form. Jetzt im Herbst ist Erntezeit von Äpfeln und Birnen, die reif für die Presse sind. Etwa auf dem Hof von Dominik Estermann in Kagiswil LU. Immer am Mittwoch fährt er nach Sursee zum Abladen des eingesammelten Obstes. Der Bio-Bauer hält fest am Mostobst. «Aus Überzeugung», wie er sagt, «und aus Freude an den Bäumen.» Die Hochstammanlage ist über 60 Jahre alt – älter als er selbst – und umfasst etwa 120 Bäume, vor allem Äpfel und Birnen, aber auch Kirschen und Zwetschgen. «Wir ersetzen die alten Bäume laufend durch neue», so der 53-Jährige. Dass es Bauern wie ihn gibt, die noch Bio-Mostobst produzieren, ist ein Glück. Nicht nur, weil die Hochstammbäume sich gut im Schweizer Landschaftsbild machen und sich positiv auf die Biodiversität auswirken. Sondern auch, weil die Erzeugnisse aus den Früchten beliebt sind bei den Schweizern, vor allem die Schorlen, eine Mischung aus Obstsaft und Mineralwasser. «Seit sie Ende der 90er-, Anfang 2000er-Jahre auf den Markt kamen, sind das Volumen und das Interesse an diesen Mostgetränken gewachsen», weiss Christoph Gerber, Einkäufer für Fruchtsäfte bei Coop. Von einem Boom würde er zwar nicht gleich sprechen, jedoch stelle er eine klare Tendenz zu bewussterem Konsum fest. «Die Kunden wünschen sich nachhaltig hergestellte und vermehrt auch kalorienarme Produkte.» Allzu viel Sünde solls dann doch nicht sein.
Ins gleiche Horn stösst auch Bauer Estermann: «Most ist ein natürliches Produkt. Deshalb wollen die Leute Bio-Qualität.» Er, der die Baumanlage von seinem Vater übernommen hat, weiss, worauf es bei Mostobst ankommt: «Wichtiger als dass es viel Saft gibt, ist ein gutes Säuremuster.» Nicht zu viel Säure und nicht zu wenig. Für einen guten Most empfiehlt er, den Äpfeln etwa zehn Prozent Birnen hinzuzufügen. «Der Apfel liefert eher die Säure, die Birne ist für die Süsse zuständig.»

Produzenten gesucht

Dass Most ein Naturprodukt ist, hat auch Tücken. So ist die verfügbare Menge abhängig vom Wetter. Noch mehr ins Gewicht fällt aber die sogenannte Alternanzproblematik: Einem starken Ertragsjahr folgt ein schwaches, in dem sich der Baum erholt. Vor allem in den letzten drei Jahren fiel die Erntemenge zu gering aus, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Deshalb waren einige Säfte nicht lückenlos verfügbar. Damit dies seltener vorkommt, hat das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) 2015 ein Projekt lanciert, welches der Coop Fonds für Nachhaltigkeit, Bio Suisse und die Ramseier AG finanziell unterstützen. Ziel ist es, einerseits das Ertragspotenzial der bestehenden Produktionsfläche zu erhöhen und andererseits neue Produzenten zu gewinnen, die nach den Bio-Richtlinien Obst produzieren wollen – und gleichzeitig den Hochstammbestand fördern.

Praxisleitfaden

Wer plant, einen Obstgarten zu pflanzen oder den bestehenden zu ergänzen, findet im neuen 40-seitigen Praxisleitfaden von FiBL, Bio Suisse, BirdLife Schweiz und Hochstamm Suisse viele wertvolle Informationen. Das Merkblatt kann beim FiBL für Fr. 9.00 plus Versandkosten bestellt werden (bitte Bestellnummer 1152 angeben) oder kostenlos unter http://www.shop.fibl.org abgerufen werden.

Für alle, die mehr über Hochstammbäume erfahren möchten, bieten die folgenden Webseiten eine grosse Vielfalt an Informationen:

 

Hier finden Sie die Tat Nr. 109
Hier finden Sie alle Taten auf einen Blick
Biologischer Obstbau auf Hochstammbäumen (PDF)

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Noëmi Kern

Redaktorin

Foto:
Rainer Eder, Pino Covino
Veröffentlicht:
Montag 19.09.2016, 16:00 Uhr

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