Er:

Wenn Kunst Schreiber ratlos zurück lässt, dann ist das für sie kein Problem. Für mich schon. Denn postmoderne Kunst, die an der Biennale ausgestellt wird, wurde von internationalen, renommierten Kommissionen und Kuratoren begutachtet, auserwählt, zusammengestellt – da erwarte ich, dass mir diese Profis Hilfestellung geben, damit ich eine Sprache verstehen kann, von der ich bisher nicht mal wusste, dass es sie gibt. Wer etwas zu sagen hat, soll sich anstrengen, das so zu sagen, dass es möglichst viele verstehen. Doch ganz ehrlich: Wenn ich die abgegebenen Infos zu den Kunstwerken lese, verstehe ich noch weniger als vorher. Das ist für mich nicht Kunst, sondern Überheblichkeit.

Sie:

Entschuldigung, aber ich habe Goethe auch nicht immer verstanden. Künstler setzen sich stellvertretend für uns mit Themen auseinander, für die wir, das Fussvolk, keine Zeit haben, weil wir damit beschäftigt sind, zu leben. Das ist wie früher mit den Mönchen in den Klöstern, die stellvertretend für das Volk beteten, weil diese vor lauter Arbeit nicht dazukamen. Es ist doch beruhigend, dass sich andere Gedanken machen, für die wir keine Zeit, meist auch weder das Talent noch die Intelligenz oder die Kreativität besitzen. Künstler sind deshalb vogelfrei und nicht verpflichtet, ihr Denken der Masse zugänglich zu machen, sondern nur jenen, die dafür bereit sind.

Wer konnte Sie überzeugen?

↩︎

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