Erdbeeren, so weit das Auge reicht: Beim Bio-Produzenten Flor de Doñana herrscht in diesen Wochen Hochbetrieb.

Nachhaltiger Wasserhaushalt

Die Provinz Huelva zählt zu den wichtigsten Anbaugebieten von Erdbeeren. Coop engagiert sich in der Region seit über einem Jahrzehnt mit verschiedenen Nachhaltigkeitsprojekten.

Mario del Prado (38) ist unterwegs auf dem Weg zum Erdbeer-Paradies Spaniens: Der studierte Betriebsökonom, der in Lippstadt in Westfalen (D) aufwuchs und später ins viel wärmere Valencia auswanderte, besucht für das Coop-Tochterunternehmen Alifresca Erdbeer-Produzenten in der Provinz Huelva in Andalusien; dieses zählt zu den grössten Anbaugebieten von Erdbeeren in Europa. «Wir arbeiten möglichst mit langjährigen Partnern zusammen», sagt del Prado, «denn diese wissen genau, was es braucht, um unsere strengen Anbauvorschriften zu erfüllen.»

Einer dieser Produzenten ist Juan Maria Rodriguez (50). Es ist kein Zufall, dass bereits seine Vorfahren dieses Gebiet hier für den Anbau der Erdbeeren ausgesucht haben: Die Costa de la Luz an der südlichen Atlantikküste Spaniens bietet mit bis zu 3000 Sonnenstunden jährlich das perfekte Mikroklima, damit die süssen Früchte besonders gut gedeihen. «Aber auch der hohe Grundwasserspiegel und der sandige Boden in dieser Gegend sind ideal für unsere Erdbeeren», sagt Rodriguez, während er den Schweizer Gast durch das riesige Anbaugebiet führt. Der Bio-Produzent aus Andalusien bestellt mit seiner Firma Flor de Doñana insgesamt 41 Hektaren, wobei 25 für Erdbeeren, der Rest für den Anbau weiterer Beeren (Himbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren) genutzt werden.

Überlebenswichtig

Spezielle Techniken messen, wie viel Wasser die Erdbeeren benötigen – so wird kein einziges Tröpfchen verschwendet.

Spezielle Techniken messen, wie viel Wasser die Erdbeeren benötigen – so wird kein einziges Tröpfchen verschwendet.
http://www.coopzeitung.ch/Nachhaltiger+Wasserhaushalt Spezielle Techniken messen, wie viel Wasser die Erdbeeren benötigen – so wird kein einziges Tröpfchen verschwendet.

Nachhaltigkeit wird hier grossgeschrieben – und das nicht erst seit heute: Coop ist seit über zehn Jahren in der Region mit zahlreichen Nachhaltigkeitsprojekten aktiv. Dazu gehört auch ein gutes Wassermanagement. Dieses ist auf Dauer überlebenswichtig für den Nationalpark Coto de Doñana, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Anbaugebietes liegt und seit über zwei Jahrzehnten als Weltnaturerbe der Unesco gilt. Die Doñana zählt zu den bedeutendsten Feuchtgebieten Spaniens und ist ein wichtiger Lebensraum für Amphibien, den Iberischen Luchs und nicht zuletzt für Millionen von Zugvögeln; im Winter kommen sie aus dem kalten Mittel- und Nordeuropa, im Sommer aus dem zu heissen Nordafrika.

Weil in den vergangenen Jahren aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Erdbeeren die Produktionsflächen stetig ausgebaut worden sind, ist auch der Wasserkonsum gestiegen. Das wiederum hat sich bereits negativ auf den Wasserhaushalt des einzigartigen Nationalparkes ausgewirkt; zudem drohen die Feuchtgebiete längerfristig auszutrocknen. Das muss nicht sein, findet Rodriguez: «Wir können heute mit viel weniger Wasser auskommen – wenn wir es richtig machen.» Dazu gehört unter anderem, dass der Wasserverbrauch  regelmässig dokumentiert und analysiert wird, um überhaupt erkennen zu können, wo noch zusätzliches Potenzial für einen reduzierten Wasserverbrauch steckt.

Erdbeeren sind die Welt von Juan Maria Rodriquez.

Erdbeeren sind die Welt von Juan Maria Rodriquez.
http://www.coopzeitung.ch/Nachhaltiger+Wasserhaushalt Erdbeeren sind die Welt von Juan Maria Rodriquez.
«

Wir brauchen viel weniger Wasser – wenn wir es richtig machen.»

Juan Maria Rodriguez (50)

Eine besonders wirkungsvolle Massnahme, um Wasser zu sparen, bietet das Tröpfchenbewässerungssystem mit dem Einsatz von sogenannten Tensiometern, welche die Bodenfeuchtigkeit im 15-Minuten-Takt messen. Die Daten werden in die Zentrale geschickt, wo spezielle Computerprogramme laufend ermitteln, wann und wo genau der sandige Boden mittels Wasserleitungen betröpfelt werden muss. Ideal ist es, die Erdbeere möglichst nahe an der Wurzel zu bewässern; so können eine Überwässerung der Pflanze und die Verdunstung des wertvollen Guts weitgehend verhindert werden. Ein paar Tröpfchen pro Erdbeere – was auf den ersten Blick nach wenig klingt, hilft in Tat und Wahrheit enorm viel Wasser einzusparen. Rodriguez macht die Rechnung: «Vor zehn Jahren benötigten wir pro Hektar und Saison 6500 Kubikliter Wasser, heute stehen wir dank des ausgeklügelten Systems bei unter 4000 Kubiklitern.»

Investition in die Zukunft

Das freut ihn – zum einen, weil er trotz der Investitionen in die Technologie auf die Dauer Geld spart, zum andern aber, weil es eine nachhaltige Investition in den Umweltschutz und somit auch in die Zukunft bedeutet.

Schliesslich soll auch die nächste Generation noch mit Erdbeeren handeln können: Rodriguez’ Sohn Alvaro (20) jedenfalls steht schon in den Startlöchern.

Nachhaltigkeitsprojekte: Erdbeer-Paradies Huelva

  • Wasserstandard: Coop hat einen eigenen Wasserstandard entwickelt, den alle Beerenlieferanten in der Region umsetzen müssen.
  • Kontrollen: In dieser Saison werden zahlreiche Legalitätskontrollen bei den Lieferanten durchgeführt; dabei begleitet der Kontrolleur die Ernte und Verpackung einer Ladung und überprüft auch, ob der Produzent eine gültige Wasserkonzession besitzt.
  • Schulung: Trainingsprogramm für die Bauern, um effiziente Bewässerungstechniken richtig anzuwenden.
  • Wassersondenprojekt: Die Feuchtigkeitssonden sollen die Bewässerung der Beeren optimieren.
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Andreas W. Schmid

Redaktor

Foto:
Julián Pérez
Veröffentlicht:
Montag 26.02.2018, 10:00 Uhr

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