Nachts vor dem Monitor

Sie:  Es ist Nacht. Irgendwie mitten in der Nacht. Was hat mich geweckt? Ich greife auf die andere Seite des Bettes hinüber. Nichts. Schneider ist noch nicht zurück von seiner Sitzung. Ich blicke auf den Wecker: 2.19 Uhr. Was für eine Art Sitzung ist das denn? Da höre ich aus dem unteren Stock ein Geräusch. Es mischt sich mit meinem Herzklopfen. Hoffentlich ist das Schneider! 

 
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Es klingt nach Stimmen. Haben wir Besuch? Zu dieser Zeit? Unter der Woche? Ich schlage die Bettdecke zurück, setze meine Brille auf und tappe leise die Treppe hinunter. Die Geräusche werden lauter. Puh, das ist aber sehr seltsamer Lärm! Jedenfalls mehr als nur Stimmen. Ich trete an die Stubentür. Sie ist zu. Ich halte das Ohr dran, und was ich zu hören bekomme, klingt rätselhaft.

«

2:19 Uhr: Was für eine Art Sitzung ist das denn?»

Dann drücke ich sachte die Klinke, öffne langsam die Tür, schleiche der Wand entlang Richtung Wohnzimmer, blicke um die Ecke und… Versunken liegt Schneider auf dem Sofa, mit glänzenden Augen auf den Bildschirm starrend. «Was machst du denn hier?», fragt er ertappt, als er mich wahr nimmt. «Das gleiche wollte ich dich fragen», antworte ich, schaue ebenfalls auf den Bildschirm – und traue meinen Augen nicht!

Er: «Ist das dein Ernst?» «Ja», antworte ich. «Seit wann zeigen die mitten in der Nacht Autorennen?» «Dieses Rennen war schon», sage ich. «Ach, und wann?» «1999.» «Du schaust um zwei Uhr morgens ein Autorennen aus dem Jahr 1999?» «Kann eben noch nicht schlafen.»

«

Freu dich doch, dass ich keine Pornos schaue.»

«Und warum von 1999?» «Zufall. Es könnte auch eines von 1994 sein. Oder von 1979.» Schreiber blickt mich fassungslos an. «Kein Grund, so ein Gesicht zu machen», fahre ich fort. «Auf Youtube findet man alle Formel 1-Rennen seit 1970. Ich habe einfach eines angeklickt.» Schreiber stützt die Hände in die Seite: «Dann gibt es noch mehr von deiner Sorte? Menschen, die uralte Rennen gucken?» «Ja! Und wenn es dir nichts ausmacht, würde ich jetzt gern weiterschauen.» «Ist es denn spannend, dein Urzeit-Rennen?»

«Schumacher führt mit 22 Sekunden.» «Könnte es nicht etwas Intelligenteres sein?» «Ich will mich entspannen, nicht bilden.» «Mit einem 15 Jahre alten Rennen, von dem du weisst, wer es gewinnt?» «Himmel, ja! Freu dich doch, dass ich keine Computerkriegsspiele mache oder Pornos schaue, sondern nur ein altes Autorennen!» «Jetzt soll ich mich auch noch freuen?» «Nein!» Ich atme tief ein: «Du solltest einfach wieder schlafen gehen!»

Das Buch mit den besten Coop-Kolumnen der letzten Jahre, «Spesen einer Ehe», bei www.schreiber-schneider.ch erhältlich.

 (Coopzeitung Nr. 23/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 01.06.2015, 00:00 Uhr

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