Wer sich in Randa auf die längste Fussgänger-Hängebrücke der Welt traut, wird mit einem grossartigen Panorama belohnt.

Nervenkitzel – die längste Hängebrücke

In Randa VS, zehn Kilometer vor Zermatt, ist dieses Jahr die längste Fussgänger-Hängebrücke der Welt eingeweiht worden. Ein Muss für schwindelfreie Wanderer. Gänsehaut garantiert.

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Die Gemeinde Randa platzt aus allen Nähten. Seit der Einweihung der längsten Fussgänger-Hängebrücke der Welt strömen Besucher scharenweise ins Walliser Dorf. Dort, wo die Zermatt-Reisenden sonst nur durchrauschen Richtung Parkhaus in Täsch, fehlt jetzt Platz für Autos. Die alte Kantonsstrasse wurde deshalb kurzerhand zum Parkplatz umfunktioniert. Auch die vollen Züge aus Visp fahren nicht mehr einfach durch, sondern machen halt in Randa. Offizielle gelbe Wanderschilder in drei Sprachen weisen am Bahnhof den Weg zur Hängebrücke.  Diese erreichen die Besucher nach einem zweistündigen Fussmarsch. Die Brücke ist die Belohnung für 700 bewältigte Höhenmeter. Der offizielle Wanderweg, der sogenannte Europaweg, führt oberhalb von Randa durch und verbindet Grächen und Zermatt durch eine zweitägige Wanderung. Die neue Hängebrücke ist Teil dieses Europawegs und erspart den Wanderern einen zweistündigen Umweg.

Zweite Brücke nach 2010

Eine erste Brücke hielt den Steinschlägen 2010 nicht stand. Sie musste nur drei Monate nach der Eröffnung wieder geschlossen werden. Der Europaweg verlor damit an Attraktivität. Man zählte etwa 60 Prozent weniger Besucher, erzählt Paul Summermatter (39), Gemeinderat von Randa. «Darauf ist ein neues Projekt entstanden, unterstützt von fünf Gemeinden im Tal und von privaten Sponsoren.» Nach weniger als zwei Monaten Bauzeit ist die neue Brücke, die 750 000 Franken gekostet hat, diesen Sommer eingeweiht worden. Sie ist mit 494 Metern elf Meter länger als die bis dahin längste Hängebrücke der Welt in Deutschland und eine ökologische Herausforderung: Die Erbauer haben die Kabel einer alten Seilbahn recycelt und 30 Prozent der alten Brückenstruktur wieder verwendet.

Entlang der Brücke, die 65 cm breit ist, ist Kreuzen schwierig, und der Abgrund tut sich unmittelbar unter den Füssen der Wanderer auf.

Bei der Brücke auf 2020 Metern über Meer angekommen, müssen wir einen Moment warten, ehe wir die Brücke betreten. Dutzende von Smartphones sind auf sie gerichtet. Jeder will ein Selfie, damit die Schweisstropfen der letzten zwei Stunden nicht umsonst gewesen sind. 200 bis 300 Personen überqueren die Brücke täglich, an einem sonnigen Wochenende können es auch über 500 sein. Die Mutigen bleiben in der Mitte stehen und geniessen das Panorama mit dem majestätischen Weisshorn. Oder sie blicken in den Abgrund, der sich direkt unter ihren Füssen befindet – am höchsten Punkt sind es mehr als 85 Meter.

Randas Stadtrat Paul Summermatter (39, links) und Theo Lauber (56), Leiter der ausführenden Firma Swissrope.

Randas Stadtrat Paul Summermatter (39, links) und Theo Lauber (56), Leiter der ausführenden Firma Swissrope.
http://www.coopzeitung.ch/Nervenkitzel+_+die+laengste+Haengebruecke Randas Stadtrat Paul Summermatter (39, links) und Theo Lauber (56), Leiter der ausführenden Firma Swissrope.

Die Brücke von Randa soll zum einen den Europaweg-Wanderern dienen und zugleich attraktiv für Besucher sein. Ein knappes halbes Jahr nach der Einweihung scheint dies mehr als aufzugehen, wie die Besucherzahlen der Europahütte belegen. Sie befindet sich 200 Meter oberhalb der Brücke auf halbem Weg zwischen Grächen und Zermatt und war diesen Herbst nicht mehr nur in der Nacht belegt. Die Betreiber mussten sogar Mitarbeiter einstellen, um die zahlreichen Gäste tagsüber zu versorgen.

Ein Gewinn für Randa

Auch unten im Dorf stieg die Zahl der Übernachtungsgäste. Die Gemeinde Randa steht nicht mehr im Schatten von Zermatt, sondern vermarktet sich selbstbewusst selber: WLAN wird nächstes Jahr installiert, damit man das Selfie von der Hängebrücke gleich hochladen kann. 

  

Die Zahlen zur Brücke

  • Einweihung: 29. Juli 2017
  • Baudauer: 57 Tage
  • Länge: 494 Meter
  • Ort: Randa VS
  • Grösste Höhe über Boden: 85 Meter
  • Breite: 65 Zentimeter
  • Gewicht: 58 Tonnen
  • Kosten: 750 '000 Franken
  • Höhe: 2020 Meter über Meer
  • Marschzeit von Randa: 2 – 2½ Stunden
  • Marschzeit von Grächen: 6 bis 7 Stunden
  • Marschzeit von Zermatt: 6 bis 7 Stunden

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Text:
Sylain Bolt
Foto:
Keystone, zvg; Karte: Rich Weber
Veröffentlicht:
Montag 13.11.2017, 15:50 Uhr

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