Alexandre Truffer (37) ist in Sierre VS aufgewachsen und arbeitet heute als Weinjournalist in Lausanne.

Neuer Boom der Schweizer Weine

Heimische Tropfen müssen sich im internationalen Vergleich nicht verstecken. Ein Experte über die neue Blütezeit des Schweizer Weins.

Wie hat sich der Schweizer Wein in den vergangenen Jahren entwickelt? Was sind seine heutigen Stärken? Und wie behaupten sich heimische Tropfen bei internationalen Wettbewerben? Zur aktuellen Situation des Weinlands Schweiz haben wir Alexandre Truffer, den stellvertretenden Chefredaktor der Zeitschrift Vinum (Westschweizer Ausgabe) befragt. Truffer ist zudem Jurymitglied des Grand Prix du Vin Suisse, der am 21. Oktober in Bern stattfindet.

Welche Bedeutung hat der Grand Prix du Vin Suisse?
Mit fast 3000 eingereichten Weinen ist er das wichtigste Schaufenster für Schweizer Weine. Kein anderer nationaler Wettbewerb weist bezogen auf die Grösse der Anbaufläche mehr teilnehmende Weine auf. Das beweist, dass sich die Schweizer Produzenten mit anderen messen wollen – eine der Stärken des Schweizer Weinbaus. Und Konkurrenz fördert bekanntlich Qualität und Weiterentwicklung.

In welchem Stadium dieser Entwicklung befinden wir uns?
Der Schweizer Wein erlebt eine Blütezeit, das Qualitätsniveau ist stark gestiegen. Seit den 90er-Jahren wurde in allen Bereichen der Produktion vieles verbessert, vom Anbau bis zur Kelterung.

Was macht heute die Stärke der Schweizer Weine aus?
Die Schweizer Weinlandschaft ist ausgesprochen vielseitig und für jede Rebsorte gibt es Spezialisten, die Weine von hervorragender Qualität produzieren können. Im ganzen Land werden gute Weine hergestellt, aber jede Region hat ihre charakteristischen Vorzüge. Gute Winzer findet man sowohl bei den kleinen als auch den grossen Produzenten.

Haben sich alle Weinbauern gleich stark weiterentwickelt?
Durchaus nicht. Vor fünfzehn Jahren lag die Qualität der verschiedenen Weine aus demselben Dorf noch sehr nahe beieinander. Heute beobachten wir ein Auseinanderdriften in Bezug auf die Qualität. Zwischen einem herausragenden Winzer und seinem Nachbarn kann ein grosser Unterschied bestehen. Einerseits gibt es Produzenten, die sich auch international mit den Besten messen können, und andererseits sind da jene, die es nicht geschafft haben, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Im Ganzen aber sind die guten Weinproduzenten in der Schweiz im Verhältnis zahlreicher als in viel renommierteren Weinbaugebieten wie etwa dem Bordeaux oder Burgund.

Wie schneiden die Schweizer Weine bei den internationalen Wettbewerben ab?
Noch vor 25 Jahren schafften sie es fast nie in die Medaillenränge. Heute macht die Schweiz bei allen wichtigen Wettbewerben immer eine gute Figur und klassiert sich im Medaillenspiegel unter den besten Nationen, zum Beispiel am Concours Mondial de Bruxelles oder den Vinalies Internationales de Paris.

Wie behaupten sich Weine aus der Schweiz auf dem internationalen Markt?
Ihr Einfluss ist kaum erwähnenswert. Der Exportanteil der Schweizer Weine liegt unter einem Prozent. Der Export dient dazu, das Image des inländischen Weins zu verbessern, viel mehr nicht.

Was sind Ihrer Meinung nach die Trends bei den Schweizer Qualitätsweinen?
Seit zwei, drei Jahren haben wir viel Erfolg mit den aromatischen Weissweinen: Petite Arvine im Wallis, Traminer in der Vully-Region und Sauvignon Blanc. Auch Chasselas wird wieder populärer.
Bei den Rotweinen sind qualitativ hochstehende Cuvées im Vormarsch. Gamay wird immer besser verarbeitet und erlebt einen Aufschwung, wobei sich die Qualität laufend verbessert. Auch bei den Schaumweinen hat sich einiges getan: Es gibt immer mehr, die problemlos mit den bei uns im Handel erhältlichen Champagnern mithalten können.

Unabhängiger Wettbewerb

Seit 2004 werden beim Grand Prix du Vin Suisse jedes Jahr die besten Schweizer Tropfen ausgezeichnet. In diesem Jahr verkostete nach Angaben der Veranstalter eine Jury von 165 Degustatoren insgesamt 2800 Weine von 520 Schweizer Winzern. Die Weine werden in zwölf verschiedenen Kategorien im Rahmen einer offiziellen, professionellen und neutralen Degustation bewertet. Ziel soll sein, die sensorische Qualität der Schweizer Gewächse objektiv unter Beweis zu stellen und zu dokumentieren.

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Foto:
Charly Rappo/arkive.ch, zVg
Veröffentlicht:
Montag 13.10.2014, 21:45 Uhr

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