Neues Glück

http://www.coopzeitung.ch/Neues+Glueck Neues Glück

Schreiber: Fussball gehört zu Schneider, seit er einem Ball nachjagen kann. Also schon lange. Während er die letzten 15 Jahre vernünftig Fussball im Fernsehen verfolgte, erlebt er nun, sozusagen im Herbst seiner Sportlerkarriere, einen zweiten Frühling. Seit einigen Monaten ist er Mitglied der Nationalmannschaft. Also der Schweizer Schriftsteller. Eigentlich finde ich es klasse, dass er mit Menschen, die sonst wie er mit Buchstaben dribbeln, wieder seiner alten Leidenschaft hinterherrennen kann.

«

Von null auf tausend? Ich mach mir Sorgen.»

Andererseits mache ich mir aber Sorgen. Er trainiert nicht, hetzt nur an die Spiele. Von null auf tausend sozusagen. «Gell, du musst nicht der Beste sein! Du musst keine Tore schiessen!», sage ich an diesem Sonntagnachmittag. «Was soll ich sonst auf dem Platz machen?», fragt er grinsend. «Etwa schreiben?» Er schultert selbstbewusst die Sporttasche, ich winke: «Bis heute Abend! Verletz dich nicht und melde dich mal!»

Jetzt hat er gerade sehr gut gelaunt angerufen: Es sei so was von super gewesen, er gehe mit den anderen was essen und käme so um acht nach Hause.

Ich atme auf. Dann räuspert er sich: «Du, den Abendspaziergang mit Lilla.»

«Ja?»

«Könntest du den übernehmen?»

«Aha. Ich verstehe.»

http://www.coopzeitung.ch/Neues+Glueck Neues Glück

Schneider: Man muss für die Schriftsteller-Nati nicht überragend gut sein, es reicht, wenn man schreibt. Und seit ich in Bern mein Debüt gegen den FC Nationalrat gab, bin ich aber wieder Feuer und Flamme für das Spiel meiner Jugend, obwohl wir 4 zu 1 verloren und ich danach einige Tage kaum mehr gehen konnte. Egal, Hauptsache spielen!

An diesem sonnigen Sonntagnachmittag geht es nun in Zürich gegen eine Germanisten-Elf. Ein grandioses Match ist es nicht, die paar Zuschauer sind alles Verwandte. Egal, Hauptsache spielen!

«

Alles tut weh. Was solls? Hauptsache spielen.»

Ich platze vor Glück! Mehrmals knalle ich zwar Knie voran auf den Kunstrasen, mein Fussgelenk kriegt üble Schläge und meine Lunge rasselt. Egal, Hauptsache spielen!

Die Schmerzen kommen dann erst nach dem Abpfiff und ich stelle fest: gigantische Schürfung am linken Knie, dick geschwollener rechter Fuss – und gewonnen haben wir auch nicht. Egal.

Ich schleppe mich unter die Dusche, meine Wunde brennt höllisch und das Fussgelenk wird steif. Ich hinke zurück in die Garderobe und weiss, die dritte Halbzeit wird die härteste: Zu Hause muss ich so tun, als ginge es mir prächtig. Dieses neue Glück lasse ich mir von Schreiber nämlich nicht mehr nehmen. Ich will spielen!

«Mein Leben als Paar», Lesungen mit den Kolumnisten: 22. Juni Erlinsbach SO; 28. Juni Schönenwerd SO. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 19.06.2017, 10:00 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Sybil Schreiber antwortet vor 2 Wochen
Schreiber vs. Schneider: Der WM-Sommer
gell, das wäre was! Jetzt hat ... 
Rahel Suter antwortet vor 2 Monaten
Schreiber vs. Schneider: Du?
Schreibfehler im Kommentar, es ... 
Dipl.-Ing. Norbert Derksen antwortet vor 2 Monaten
Die Welt verändern
«Erlaubte Höchstgeschwindigkei ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?