Neuland – Trends für das Jahr 2017

Stillstand ist Rücktritt: Wir zeigen Ihnen, was im nächsten Jahr auf uns zukommen wird.

Spirituelle Rückzugsorte, Insekten auf dem Teller, Kühlschränke, die mit unseren Brillen kommunizieren: Wir stellen Ihnen einige Trends vor, denen wir in Zukunft begegnen werden. Manche davon werden bereits im Jahr 2017 Realität sein, auf andere werden wir etwas länger warten müssen. Alle diese Strömungen lassen sich jedoch mehreren Megatrends unterordnen, deren langfristiger, globaler Einfluss unsere Werte, unsere Handhabung von Verbrauchsgütern sowie Dienstleistungen und letztendlich auch das Marktangebot prägt.

Das Internet wird immer selbstständiger werden.

Das Internet wird immer selbstständiger werden.
Das Internet wird immer selbstständiger werden.

Digitale Welt

«Einer der wichtigsten Trends ist die Digitalisierung», erklärt Mirjam Hauser vom Marktforschungsinstitut GIM in Zürich. «Das Internet der Dinge», erläutert sie, «verändert unseren Umgang mit der Online-Welt von Grund auf.» Das heisst:  Wir müssen nicht mehr nach Informationen über einen Gegenstand suchen, der Gegenstand selbst gibt sie uns. Darüber hinaus wird der virtuelle Datenmantel, der unsere Umgebung erfüllt, mithilfe von Algorithmen nach unseren Bedürfnissen gefiltert. So erhalten wir auf uns zugeschnittene Informationen. Dies ist beispielsweise bereits bei einem intelligenten Kühlschrank der Fall.

Rückkehr zu den Wurzeln: Als Gegentrend zur Digitalisierung entdecken wir uns selbst wieder.

Rückkehr zu den Wurzeln: Als Gegentrend zur Digitalisierung entdecken wir uns selbst wieder.
Rückkehr zu den Wurzeln: Als Gegentrend zur Digitalisierung entdecken wir uns selbst wieder.

Gestaltete Realität

Denn «Personalisieren» und «Modellieren» sind zwei Schlüsselbegriffe in diesem Zeitalter der neuen Trends: «Heute gestalten wir unsere Realität nach unseren Vorlieben. In der Medizin etwa können wir Erbkrankheiten vorbeugen, indem wir einen DNA-Test machen, in den sozialen Netzwerken präsentieren wir uns so, wie wir gerne gesehen werden wollen, und so weiter», sagt Hauser. Der fortschreitenden Infiltrierung der Technik stellt sich jedoch ein anderer grosser Trend entgegen: die Rückkehr zu den Wurzeln. Die Wiederentdeckung der Langsamkeit, der Traditionen, des Handwerks, der Natur, des Umweltschutzes und der Spiritualität, weiss Hauser.

Im Alltag können diese Trends aber friedlich koexistieren, mehr noch: sie bedingen sich manchmal sogar gegenseitig.

Segen und Fluch von Hightech

Pakete per Drohne aus der Luft und Hackerattacken auf den Fernseher oder das Heimnetz – das könnte im kommenden Jahr die Technik-Branche aufmischen.

Alles Gute kommt von oben – vielleicht auch bald die Paketpost.

Alles Gute kommt von oben – vielleicht auch bald die Paketpost.
Alles Gute kommt von oben – vielleicht auch bald die Paketpost.

Waren Drohnen bisher vor allem Hightech-Spielzeug oder Berufswerkzeug für Fotografen, so werden diese fliegenden Alleskönner künftig ihre Einsätze im professionellen Bereich erweitern. So sollen sie unter anderem dafür sorgen, dass die Pakete so schnell wie möglich an ihren Bestimmungsort gelangen. Bereits seit Längerem prüft Versand-Gigant Amazon die neue Technik für ihre Logistik, doch auch die Schweizer Post will im kommenden Jahr mit der neuen Technologie beginnen.

Vorerst ist der Einsatz von Drohnen für Spezialsendungen bis fünf Kilogramm geplant, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Stundenkilometern und einer Reichweite von 20 Kilometern transportiert werden.

Festplatten, rüstet euch gegen Hackerattacken!

Festplatten, rüstet euch gegen Hackerattacken!
Festplatten, rüstet euch gegen Hackerattacken!

Fiese Hackerattacken

Heimbeleuchtung, Fernseher oder andere vernetzte Geräte werden zunehmend zum Sicherheitsrisiko. Weil unsere Computer immer besser gegen Angriffe von aussen gesichert werden, nehmen Kriminelle vermehrt das sogenannte Internet der Dinge ins Visier. Übernehmen Hacker beispielsweise die Herrschaft über einen Smart-TV, können sie unser Heim mithilfe der eingebauten Mikrofone und Kameras lückenlos überwachen und so herausfinden, wann der günstigste Moment für einen Einbruch ist.

Genauso perfide ist das Hacken von intelligenter Heimelektronik, wie es beispielsweise bei der über Smartphone steuerbaren Hue-Beleuchtung von Philips oder sogar vernetzten Heizungssystemen gelang. Auf diese Art kann im schlimmsten Fall das gesamte Heimnetz gekapert und mit schädlichen Inhalten infiziert werden. Da davon auszugehen ist, dass diese Attacken in den nächsten Jahren deutlich zunehmen werden, rät das Zürcher Informatikunternehmen Adnovum zu verbesserten Sicherheitsmassnahmen.

Beim Gebrauch der Sozialen Medien sollte man den Anstand nicht verlieren.

Beim Gebrauch der Sozialen Medien sollte man den Anstand nicht verlieren.
Beim Gebrauch der Sozialen Medien sollte man den Anstand nicht verlieren.

Weniger Hassposts

Der Ton im Internet wird seit Jahren immer rauer, Beleidigungen und Bedrohungen gehören zum Alltag der Menschen. Das könnte sich im kommenden Jahr ändern: Die EU-Kommission forderte vor Kurzem schnellere Reaktionen von Betreibern sozialer Netzwerke.

Sollte das nicht bald freiwillig geschehen, dürften 2017 Zwangsmassnahmen folgen. Wunder sollten wir allerdings auch dann nicht erwarten: Online-Pöbler dürften auch dann noch Wege finden, ihre Botschaften zu verbreiten.

So reist die Schweiz 2017

Der Tourismus verändert sich laufend. Ferien werden bevorzugt online gebucht. Gefragt sind kürzere Aufenthalte, Ökoferien und Kurzferien im eigenen Land.

Wellness ist kein neuer Trend, 2017 aber ein starker.

Wellness ist kein neuer Trend, 2017 aber ein starker.
Wellness ist kein neuer Trend, 2017 aber ein starker.

Welches sind die Vorlieben und die bevorzugten Destinationen der Reisenden für 2017? Eine aktuelle Studie von Booking.com, dem Marktführer im Online-Buchungsgeschäft, zeigt die wichtigsten Trends auf.

Der Ökotourismus und die Aufenthalte, bei denen die Begegnung mit Menschen im Zentrum steht, liegen laut der Booking-Studie im Trend. Dazu kommt die Vorliebe für das Einfache – das Erlebnis ist wichtiger geworden als materielle Bedürfnisse. Gemäss Umfrage geben 58 Prozent der Gäste eher weniger Geld für Shopping aus, um dafür mehr zu erleben.

Der grosse Trend 2017 liegt bei Wellnessaufenthalten. Für 40 Prozent sind Ferien dazu da, um Energie zu tanken. So werden Angebote, die die Gesundheit ins Zentrum stellen, immer beliebter.

In Bezug auf die Destinationen zeichnen sich mehrere Tendenzen ab: Aufenthalte abseits der Touristenpfade begeistern Reisende auf der Suche nach Authentizität. Es verwundert also nicht, dass Kolumbien laut «Lonely Planet»-Trends 2017 auf Platz 2 der sehenswertesten Länder liegt.

Portugal – hier Porto – darf sich auf viele Schweizer Touristen freuen.

Portugal – hier Porto – darf sich auf viele Schweizer Touristen freuen.
Portugal – hier Porto – darf sich auf viele Schweizer Touristen freuen.

Ferien im eigenen Land

Die Buchungen erfolgen hauptsächlich online und zunehmend über das Smartphone. Gemäss den neusten Zahlen von Schweiz Tourismus wurden 2016 in unseren Breitengraden 51,6 Prozent der Unterkunftsbuchungen online getätigt, gegenüber 38,6 Prozent im Jahr 2015.

Bei den Schweizerinnen und Schweizern sehr beliebt ist das eigene Land: 34 Prozent der Reisen mit Übernachtungen hatten eine Destination innerhalb der Schweiz zum Ziel, 40 Prozent der Reisen führten in ein Nachbarland, nach Deutschland (13 Prozent), Italien (12 Prozent) und Frankreich (10 Prozent). Das zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik von 2015. Die Buchungszahlen von Swiss lassen für 2017 erwarten, dass Spanien und Portugal sehr beliebt sein werden. Destinationen wie Frankreich, Belgien oder die Türkei sind dagegen weniger gefragt.

Ein grosser Trend zeichnet sich im Inlandtourismus ab: Die Schweiz gewinnt bei den Schweizern an Bedeutung für Zweit- und Drittferien. «Motto: immer öfter, immer spontaner und dabei kürzere Aufenthaltsdauer», erklärt Heinz Keller, Tourismusexperte bei Schweiz Tourismus. «Viele Schweizer verbringen Hauptferien im Ausland und den Rest ihres Feriensaldos als Kurzferien im eigenen Land.»

Exotisches mit hohem Nutzwert

Hipsters definieren sich zunehmend übers Essen und verhelfen Trends zum Durchbruch. Gefragt sind Superfoods und Zutaten, die vor wenigen Jahren noch unbekannt waren.

Frische und gesunde Lebensmittel werden weiterhin im Aufwind sein.

Frische und gesunde Lebensmittel werden weiterhin im Aufwind sein.
Frische und gesunde Lebensmittel werden weiterhin im Aufwind sein.

«Food ist die neue Fashion», sagt Simone Jones und zitiert damit die etwas kryptische Aussage, die seit Monaten durchs Internet geistert. Nämlich: Dass Teens und Twens in den USA erstmals mehr Geld für Essen als für Kleidung ausgeben, wie das Institut für Trend- und Zukunftsforschung in Heidelberg schreibt. Eine Wandlung, die in Zeiten von Foodporn und Co. niemanden mehr verwundert.

Säfte werden boomen – von allen möglichen Früchten und Pflanzen.

Säfte werden boomen – von allen möglichen Früchten und Pflanzen.
Säfte werden boomen – von allen möglichen Früchten und Pflanzen.

Essen als Lifestyle

«Die selbst ernannten Foodies zelebrieren und fotografieren jedes Essen, laden es auf sozialen Netzwerken hoch und definieren sich darüber, was auf den Teller kommt», weiss Foodscout Simone Jones von Betty Bossi. Essen ist heute ein Teil des persönlichen Lifestyles und muss auch gesund machen. Dass das archaische Bedürfnis nach Unsterblichkeit bestünde, würde sich auch im Verkauf von sogenannten Superfoods (also Lebensmittel, denen ungeahnte Gesundheitsattribute zugesprochen werden) zeigen. Ein Modewort, unter dem nebst Chia-
Samen, Acai-Beeren auch Kurkumawurzeln aufgeführt werden.

«Getränke mit Kurkuma lösen möglicherweise grüne Smoothies ab», weiss Jones. Aha: Gelb ist also das neue Grün. Noch ein Credo, das man sich fürs kommende Jahr merken muss. Hingegen farblos sind die «Tree Water», also Säfte, die Birken- oder Ahornbäumen oder gar Bambus abgezapft werden. Das Wunderwasser soll viele Nährstoffe haben, entgiften und schlank machen. Und: Es könnte dem Kokoswasser den Rang ablaufen. Mit nur einem einzigen Bestandteil, dafür viel angeblichem Nutzwert. «Das Clean Labeling liegt im Trend», sagt Jones. «Hier geht es um eine Zutatenliste, die jeder versteht.»

Mit Superfoods kann man im 2017 punkten.

Mit Superfoods kann man im 2017 punkten.
Mit Superfoods kann man im 2017 punkten.

Exotische Neuheiten

Wer auf Gluten oder Getreide verzichten muss, kann sich freuen: «Wir sind an der Entwicklung von Teigwaren aus Linsen, Kichererbsen und Buchweizen», sagt Marco Bertoli, Pasta-Verantwortlicher bei Coop. Ebenso – und ganz im Stil der auch im nächsten Jahr noch angesagten Streetfood-Festivals – kommt auf die Grillsaison ein Burger mit Edamame und Quinoa ins Regal.

Wem das noch zu unaufgeregt ist, kann ja zum Insekten-Burger greifen. «Bei diesem Trend möchten wir ab Mai eine Führungsrolle einnehmen», so Roland Frefel, Leiter Frischprodukte bei Coop. «Dann nämlich ist der Verkauf von Produkten auf Basis von Insekten auch in der Schweiz erlaubt.»

Qualität und Nachfrage

Wer am Puls der Zeit sein will, besinnt sich auf klassische Werte. Moderne Technologie und persönliches Wohlbefinden ergänzen sich dabei.

Mit gutem Gewissen. Das ist das Motto, das die Lifestyle-Trends beherrschen und unseren Kleidungsstil, unsere Körperpflege sowie unsere Wohnungseinrichtung bestimmen wird. «Der menschliche Aspekt und die Rückkehr zu Werten, die verloren zu sein schienen, sind sehr aktuelle Themen», erklärt Gert van de Keuken, Creative Director im Pariser Studio Edelkoort, einem auf Trendprognosen und -analysen spezialisierten Denklabor.

Stilvolle Einrichtung ja, aber bitte nachhaltig.

Stilvolle Einrichtung ja, aber bitte nachhaltig.
Stilvolle Einrichtung ja, aber bitte nachhaltig.

Bedürfnis nach Rückzug

«Die raue Realität unserer Zeit hat uns veranlasst, nach Schönheit in jedem Lebensbereich zu suchen. Wir nähern uns wieder der Natur an und achten auf unser körperliches sowie geistiges Wohlbefinden», sagt van de Keuken und erklärt weiter, dass wir grossen Wert auf das Design legen – angefangen beim Kissen, in das wir uns zurücklehnen, über die Flasche, aus der wir unsere Smoothies trinken, bis hin zum Pullover, den wir anziehen. Zudem geben wir weniger Geld – und mit mehr Bedacht – aus.

Und es ist uns wichtig, wie Dinge sich anfühlen. Das heisst, wir achten auf Qualität und Nachhaltigkeit. Unsere Produkte werden immer häufiger aus ökologischer und fairer Erzeugung stammen. Das vorherrschende Schönheitsideal ist schlicht und zurückhaltend. «Die Kosmetik ist jedoch immer noch wichtig, insbesondere Pflegeprodukte, die uns guttun, wie Seren und Hautöle», erklärt der Experte. Ein Trend, welcher der Ansicht van de Keukens nach nicht so schnell wieder verschwinden wird.

Schönheit von aussen ist gefragt – vermehrt aber auch von innen.

Schönheit von aussen ist gefragt – vermehrt aber auch von innen.
Schönheit von aussen ist gefragt – vermehrt aber auch von innen.

Nähe zur Natur

Auch dem Farb- und Trendforschungsinstitut Pantone ist diese Strömung nicht entgangen, weshalb das Institut am Anfang des Monats Greenery als den Farbton des Jahres 2017 präsentiert hat. Pantone beschreibt diese Nuance als die Manifestation «des Wunsches, der Natur wieder verbunden zu sein» und als ein «Symbol für den Neuanfang».

Die Technologie, welche die Produktion neuer, hochleistungsfähiger Materialien ermöglicht, die zum Beispiel die Körpertemperatur regulieren können, wird laut van de Keuken weiter fortschreiten. Die von der Mode suggerierten neuen Formen und Volumen werden bleiben. Ebenso sind Dynamik und Sportlichkeit gefragt, erläutert van de Keuken: «Wir werden weiterhin zu jedem Anlass Turnschuhe und Kleidungsstücke in Oversize-Grösse tragen, jedoch ohne die Modetrends zu vernachlässigen».

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Text:
Giorgia von Niederhäusern
Foto:
Getty Images, Fotolia, Alamy, Keystone, StockFood, living4media, Valentina Valdinocci
Veröffentlicht:
Montag 26.12.2016, 16:00 Uhr

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